Durch das Erreichen der politischen Unabhängigkeit im späten 16. Jahrhundert und den Ausbau seiner Flotte zur größten Seehandelsmacht Europas, erlebte die niederländische Republik während der Epoche des Barock einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der zu einem Wandel in der Gesellschaft führte. Das Ergebnis war eine Blütezeit in der Kunst, die als das "Goldene Zeitalter" bezeichnet wird.

Das zu Wohlstand und Ansehen gekommene Bürgertum der niederländischen Städte, zeigte reges Interesse daran, seinen neugewonnen Reichtum durch Förderung der Kunst zum Ausdruck zu bringen. Frei von Beschränkungen durch ein absolutistisches Herrschaftssystem, konnte sich eine enorme Vielfalt in der Malerei entfalten.

Ein wichtiger Anziehungspunkt für Maler aus anderen Ländern war die in der niederländischen Republik herrschende Religionsfreiheit, die anderswo Verfolgten eine neue Heimat gab. Auf dem Höhepunkt des Goldenen Zeitalters Mitte des 17. Jahrhunderts waren in den Niederlanden etwa 700 Maler tätig. Insgesamt wurden in der 100 Jahre währenden Blütezeit mehrere Millionen Gemälde angefertigt.

Da das Leben eines Künstlers aber auch in einer kunstsinnigen Gesellschaft wie den Niederlanden von erheblichen Rückschlägen geprägt sein konnte, die existenzbedrohend sein konnten, organisierten sich die Maler und oft anderweitig Kunstschaffende in den Lukasgilden der verschiedenen Städte. Die Gilde, benannt nach dem heiligen Lukas, dem Schutzpatron aller Maler, bot ihren Mitgliedern ein soziales Netzwerk, das sich auch um die Hinterbliebenen verstorbener Maler kümmerte und im Krankheitsfall aushalf.

Wurde ein Maler Mitglied der Lukasgilde, war es ihm erlaubt, eine eigene Werkstatt mit Lehrlingen zu eröffnen. Es gab jedoch auch Bedingungen für die Aufnahme. Oft musste man den Erwerb des Bürgerrechts der jeweiligen Stadt vorweisen, schrieb man sich als Meister ein, war der Ehestand Voraussetzung.

Auch in den südlichen Niederlanden (heute Belgien und Luxemburg), die damals als Spanische Niederlande unter der Herrschaft der Habsburger standen, waren die Lukasgilden in Antwerpen, Brügge und Mecheln von hoher Bedeutung. Zu ihren Mitgliedern zählten so bedeutende flämische Maler wie Pieter Brueghel d. Ä., Pieter Brueghel d. J. und Peter Paul Rubens an.

Eine besondere Blütezeit der Kunst erlebten die Spanischen Niederlanden unter der Regentrschaft des österreichischen Habsburgers Albrecht VII. und seiner Gemahlin, der spanischen Habsburgerin Isabella Clara Eugenia. Das Statthalterpaar wurde zu einem wichtigen Förderer der Kunst. Isabella verpflichtete Peter Paul Rubens als Hofmaler. Das Vertrauen der Regentin in den Maler ging über das künstlerische hinaus und er wurde auch mit politischen Missionen betraut.

Das Goldene Zeitalter der Kunst in den Niederlanden endete im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Kriegerische Auseinandersetzungen mit England und Frankreich sorgten für Armut und politische Unruhen. Vor allem war es aber der Verlust des Monopols als führende Seemacht Europas, die den Niedergang der kunstfreudigen Epoche heraufbeschwor.

Alle vorgestellten Gemälde kommen am 2. Dezember im Auktionshaus Kastern in Hannover zum Aufruf. Die Versteigerungen beginnen um 11 Uhr und umfassen außer Malerei auch Möbel, Schmuck, Uhren und Kunsthandwerk.

Endecken Sie den Katalog zur Auktion hier bei Barnebys.

 

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