Es war eine kleine Sensation, als ein großformatiges Leinwandgemälde des indonesischen Künstlers Raden Saleh in einem Keller in der Bretagne gefunden wurde. Dorthin gelangt ist es durch Erbfolge, nachdem das Werk 1859 bei einer Auktion in Batavia (die heutige indonesische Hauptstadt Jakarta) versteigert worden war.

Jene Auktion galt der Auflösung der Sammlung des wohlhabenden Orienthändlers Jules Stanislas Sigisbert Cézard, der vermutlich der Auftraggeber des Gemäldes war und der nach der Auktion nach Frankreich ging.

Das Gemälde, um das es hier nun geht, zeigt die Jagd auf einen wilden Stier (Banteng) von 1855. Eine Besonderheit dabei ist, dass sich der Maler Raden Saleh darauf als einer der Jäger zu Pferd selbst dargestellt hat.

Wer war Raden Saleh? Raden Saleh Syarif Bustaman (1811-1880) kam als Sohn einer javanischen Herrscherfamilie zur Welt. Nachdem sein Vater früh verstorben war, wuchs er bei seinem Onkel auf. Die Familie von Raden Saleh beteiligte sich direkt und indirekt am Kampf gegen die damals in Indonesien bestehende Kolonialherrschaft durch die Niederlande (Niederländisch-Indien).

Nachdem Raden Salehs Zeichentalent bereits in seiner Kindheit eindeckt worden war, schickte ihn sein Onkel nach Batavia, wo er Schüler des belgischen Malers Antoine Payen war. Durch ein Stipendium des niederländischen Regierung kam er nach Europa, wo er beim Portraitisten Cornelis Kruseman sowie beim Landschaftsmaler Andreas Schelfhout studierte. Nach Abschluss seines Kunststudiums reiste Raden Saleh durch Europa.

Selbstportrait oder Werk von Friedrich Carl Albert Schreuel (1773-1853)? - Bildnis des Malers Raden Saleh, vor 1840, Rijksmuseum, Amsterdam Selbstportrait oder Werk von Friedrich Carl Albert Schreuel (1773-1853)? - Bildnis des Malers Raden Saleh, vor 1840, Rijksmuseum, Amsterdam

Anschließend ließ er sich für vier Jahre in Dresden nieder. Einen guten Freund fand er dort im Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha, dem Schwager der britischen Königin Victoria.

Seine nächste Station war Paris, wo er ein Atelier in der heutigen Rue de Montaigne mietete. Begenungen mit Künstlern wie Horace Vernet beeinflussten Raden Salehs Arbeiten. Er begann vermehrt großformatige Jagdszenen zu malen, die er in seiner indonesischen Heimat ansiedelte, was beim europäischen, bereits vom Orientalismus erfassten Publikum gut ankam. Zu seinen Kunden zählten sowohl der niederländischen König als auch der Bürgerkönig Louis-Philippe. Auch Queen Victoria bzw. deren Mann Albert von Sachsen-Coburg und Gotha erwarben Gemälde, die heute noch in Windsor Castle und im Buckingham Palace zu sehen sind.

1851 kehrte Raden Saleh nach Indonesien zurück. Dort waren die Mitglieder der indonesischen Aristokratie seine Klientel. Auch etablierte er dort das bislang unbekannte Bild eines selbstständig und im eigenen Namen handelnden Künstlers, womit er die indonesische Malerei in die Moderne führte. Zudem wurde er zum Kurator der Kunstsammlung der niederländischen Kolonialverwaltung ernannt.

Nachdem er 1876 bis 1878 nochmals nach Europa gereist war, verstarb Raden Saleh 1880 auf seiner Geburtsinsel Java.

Wie man sieht, hatten die Werke Raden Salehs bereits zu seinen Lebzeiten einen großen Anhängerkreis. Seine der Spätromantik zuzuordnenden Portraits, Marinebilder und vor allem Jagdszenen erleben vor allem in den letzten Jahren ein Revival. 2013 fand eine Retrospektive im Lindenau-Museum in Altenburg statt, aktuell werden Raden Salehs Werke in einer Ausstellung in Singapur gezeigt, die noch bis März besucht werden kann.

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Raden Saleh hat Jagd auf einen wilden Stier (Bateng) - ein Bateng ist ein südostasiatisches Wildrind - 1855 gemalt und signiert. Es gehört zu seinem wichtigsten Sujet, den Jagdszenen. Raden Saleh siedelte diese Bilder in seiner indonesischen Heimat an, um aus seinem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen zu können. Auf dem vorliegenden Werk hat er sich als Reiter auf dem braunen Pferd im Zentrum des Geschehens selbst verewigt.

Das Hauptwerk Raden Salehs kommt am 27. Januar im Auktionshaus seines Wiederentdeckers Jack-Philippe Ruellan im bretonischen Vannes zum Aufruf. Bei der Auktion, die um 14:30 Uhr beginnt kommen mehr als 300 Lose mit Kunst und Antiquitäten zum Aufruf.

Zum vollständigen Katalog geht es hier.

Die Ausstellung zur Auktion kann vom 25. bis 27. Januar besucht werden.

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