Die Spitzenposition unter den Gemälden Alter Meister der Auktion nimmt das Werk Paradies des frühbarocken flämischen Malers Roelant Savery ein. Savery hat auf der Leinwand ein detailreiches Werk geschaffen, unzählige Tiere und Tierppaare in einer üppig mit Bäumen bewachsenen Landschaft zeigt. Zu erkennen sind u.a. Pferde und Löwen, Hunde und Hirsche, Strauße und ein Kamel. Im zentralen Hintergrund sind Adam und Eva zu erkennen. Eva, der sich die Schlange vom Baum her nähert, hat den Arm ausgestreckt, um Adam die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu reichen.

Roelant Savery, der Schüler des niederländischen Landschaftsmalers Hans Bol gewesen war, malte wiederholt Fantasielandschaften, die mit allerlei Tieren bestückt waren. Er scheint über ein reiches Wissen über die damals in Europa bekannte exotische Tierwelt gehabt zu haben. Sein Werk Landschaft mit Vögeln (1628) zeigt beispielsweise den auf Mauritius endemischen Dodo, der seit Ende des 17. Jahrhunderts als ausgestorben gilt, sowie einen Kasuar, einen Laufvogel, der hauptsächlich auf Neuguinea vorkommt.

Der Verbleib des in der Auktion vorliegenden Werkes von Roelant Savery war bis vor kurzem unbekannt. Zuletzt trat es bei einer Auktion in den 1930er Jahren in Erscheinung, als der damalige Besitzer, das Provinzial-Museum in Hannover, es versteigern ließ.

Vom Paradies machen wir nun einen gewaltigen Sprung in Richtung Melancholie und erreichen mit ihr die Malerei des 19. Jahrhunderts. Dort wird mit dem höchsten Schätzwert eine Arbeit des bayerischen Malers Wilhelm von Kaulbach aufgerufen. Kaulbach, der Hofmaler unter König Ludwig I. von Bayern war, war in unterschiedlichen Sujets zuhause. Für großflächige Decken- und Wandgemälde schuf er historische Szenen, außerdem war er ein gesuchter Portraitmaler, der Bildnisse von Lola Montez und Franz Liszt schuf.

Um 1840 kam die Buchillustration hinzu, als ihn Georg von Cotta, in dessen Tübinger Verlag die bedeutendsten Autoren der damaligen Zeit vertreten waren, beauftragte, Johann Wolfgang von Goethes Reinecke Fuchs zu illustrieren.

Das vorliegende Gemälde entstand nach Kaulbachs Illustration der Goethe-Galerie des Verlegers Friedrich Bruckmann aus den 1850er Jahren. Das Gemälde zeigt jene Szene auf Goethes Die Leiden des jungen Werthers, in der Werther die geliebte Lotte zum ersten Mal sieht. Er möchte sie zu einem Tanzabend abholen, zu dem er mit gemeinsamen Freunden unterwegs ist. Lotte ist umringt von ihren acht jungen Geschwistern, für die sie seit dem Tod der Mutter die Mutterrolle übernommen hat. Werther ist sofort gefangen von der großen Fürsorge, die diese Szene ausstrahlt. Wie sicherlich bekannt ist, ist die zart aufkeimende und später so tief empfundene Liebe zum Scheitern verurteilt, was weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Das Monogramm des Künstlers ist auf dem Gemälde nicht am Rande aufgebracht worden, sondern an sehr zentraler Stelle: Auf dem Laib Brot, von dem Lotte gerade eine Scheibe abschneidet.

Neben Gemälden vom 15. bis 20. Jahrhunderts kommen in der Winterauktion des Kunst- und Auktionshauses Walter Ginhart auch Schmuck, Porzellan, Silber und viele weitere Kategorien zum Aufruf. In der Kategorie "Uhren" ist das Haus Cartier besonders gut vertreten. Beginn der Auktion ist am 25. November um 13 Uhr. Vom 20. bis 24. November können alle 592 Lose der Auktion vorab besichtigt werden.

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