Die Liebe zu Tier und Natur war der späteren Künstlerin Norbertine Bresslern-Roth gewissermaßen in die Wiege gelegt. 1891 erblickte sie in der Klosterwiesgasse in Graz als Norbertine Roth das Licht der Welt. Ihre Mutter Aloisia war die Tochter eines Wiener Reitschulbesitzers. Nach dem Umzug in die Mandellgasse war es Norbertines größtes Vergnügen, sich im dortigen Garten aufzuhalten, was auf ihre späteren Arbeiten großen Einfluss haben sollte. In der Wohnung wurden Terrarien und Aquarien aufgestellt, in denen allerlei Getier, vor allem aber Molche gehalten wurden.

Die außerordentliche Begabung Norbertines wurde bereits im Kindesalter festgestellt und sie bekam unentgeltlichen Zeichenunterricht bei Alfred Schrötter an der steirischen Landeskunstschule in ihrer Heimatstadt. Schrötter war es auch, der sie zwischen 1907 und 1911 für die Teilname an Sommerkursen beim Tiermaler Hans von Hayek in Dachau empfahl.

NORBERTINE BRESSLERN-ROTH (1891 Graz 1978) Links: Tränke, Öl/Jute, signiert, 1959 Rechts: Gobelinentwurf Diana, Gouache/Karton, signiert, 1933 NORBERTINE BRESSLERN-ROTH (1891 Graz 1978)
Links: Tränke, Öl/Jute, signiert, 1959
Rechts: Gobelinentwurf Diana, Gouache/Karton, signiert, 1933

1911 begann Norbertine ein Kunststudium an der Wiener Kunstakademie bei Professor Ferdinand Schmutzer. Auch hier kam ihr ihr außerordentliches Talent zugute, da Frauen dort offiziell erst ab 1921 zu Studium zugelassen waren. Zu ihren größten Vergnügen während der Studienzeit in Wien gehörten Besuche im Tierpark Schönbrunn, die sie zur Anfertigung zahlreicher Skizzen nutzte. Dort traf sie auf die sog. "Schönnbrunnmaler", darunter Ludwig Heinrich Jungnickel, die sich gleichermaßen inspirieren ließen.

Ihren künstlerischen Durchbruch hatte Norbertine Roth 1914 mit der Beteiligung an einer Ausstellung der Wiener Secession. Nach einer weiteren Ausstellung 1916 kehrte sie nach Graz zurück, wo sie für den Rest ihres Lebens als freischaffende Tiermalerin, Illustratorin und Portraitistin lebte und arbeitete.

1919 heiratete sie Georg Ritter von Bresslern und Sternau (Wien 1892 – Graz 1952). Bresslern war selbst ein passionierter Fotograf, der seine eigenen Interessen jedoch zurückstellte, um seine talentierte Frau voll und ganz zu unterstützen. Er begleitete sie auf ihre Studienreisen durch Europa, wo sie ihre "Wiener Tradition" fortführte und bei Besuchen der zoologischen Gärten Skizzen anfertigte, um diese in ihrem Atelier zu Gemälden und Linolschnitten ausarbeitete.

Auch bei der Anfertigung der Linolschnitte, die Bresslern-Roth als eine erste Künstlerin überhaupt in großem Umfang anfertigte, wurde die Künstlerin von ihrem Mann unterstützt.

1928 unternahm das Ehepaar Bresslern seine einzige Fernreise. Es ging nach Libyen in Norafrika. Die Reise führte zu einer verstärkten Beschäftigung der Künstlerin mit exotischen Motiven, wie der Tier- und Pflanzenwelt Afrikas und der Südsee. Da Bresslern-Roth außer Libyen bei ein exotisches Reiseziel besucht hatte, entsprangen diese Motive hauptsächlich ihrer Fantasie.

NORBERTINE BRESSLERN-ROTH (1891 Graz 1978) Links: Trinkende Kamele, Linolschnitt/Papier, signiert, 1928 Rechts: Esel, Tempera/Papier, signiert NORBERTINE BRESSLERN-ROTH (1891 Graz 1978)
Links: Trinkende Kamele, Linolschnitt/Papier, signiert, 1928
Rechts: Esel, Tempera/Papier, signiert

Außer der gekonnten Wiedergabe der Tiere steht im Werk von Norbertine Bresslern-Roth aber noch etwas ganz anderes im Mittelpunkt, nämlich die Harmonie in der Natur an sich und die Frage, wie der Mensch harmonisch in und mit ihr Leben kann. Die Künstlerin setzte sich daher mit allen Fragen des Lebens auseinander und vereinte oft Symbole des Lebens und des Todes in einer Arbeit.

In ihren Gemälden erschuf Bresslern-Roth einen ganz eigenen Stil: Weiche Linien geben ihren Arbeiten etwas Freskenartiges; ein Effekt, der durch die von ihr praktizierte Öl auf Jute-Malerei noch verstärkt wurde.

Norbertine Bresslern-Roths wichtigste Schaffensphase waren die 1920er und 1930er Jahre. Auch nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938 konnte sie ihre Arbeit fortsetzen. Ihrem Mann, der "Halbjude" war, hielt sie während dieser gefahrvollen Jahre die Treue und ließ sich, wie andere es in ihrer Situation taten, nicht scheiden. Das Bedürfnis, die Harmonie von Mensch und Natur in exotischen Motiven zu suchen, dürfte sich in dieser Zeit noch verstärkt haben.

Norbertine Bresslern-Roths Arbeiten wurden und werden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Ihre Meisterschaft der Tierdarstellung gilt vielen als unübertroffen.

15 Lose mit Arbeiten von Norbertine Bresslern-Roth kommen in der Kunst- und Antiquitätenauktion des Auktionshauses im Palais Kinsky zum Aufruf. Die Auktion findet am 17. und 18. Oktober jeweils ab 15 Uhr statt.

Der erste Auktionstag ist den Antiquitäten gewidmet. Dabei kommt eine außergewöhnliche Sammlung alpenländischen Formglases (darunter 5 "Schnapshunde") zum Aufruf. Am zweiten Auktionstag stehen Alte Meister sowie Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts auf dem Programm. Die Ausstellung zur Auktion findet vom 12. bis 18. Oktober statt.

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