In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein Wandel in der Gesellschaft des russischen Kaiserreiches. Durch die Reformen von Zar Alexander II., darunter die Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft, bildete sich neben dem bis dahin dominierenden Adel eine wohlhabende Gruppe bürgerlicher Kaufleute heraus, die vor allem in Moskau immer mehr an Bedeutung gewann.

Auch in der Kunstszene deutete sich ein Wandel an. Einerseits blieb die russische Kunst, und vor allem das Kunsthandwerk, alten Traditionen verhaftet. Carl Fabergé wurde geradezu ein Meister im Wiederauflebenlassen des alt-slawischen Stils. Es gab aber auch andere Künstler, nämlich die, die sich am Westen orientierten. Da es in Moskau und Sankt Petersburg nicht genügend Impulse gab, gingen die jungen Maler und Bildhauer nach Paris, das damals die unbestrittene Welthauptstadt der Kunst war. Diesen Künstlern vorausgegangen waren die kaufkräftigen russischen Sammler, die Werke des französischen Impressionismus und der folgenden Stile in ihre Heimat brachten.

Zwei russische Künstler, die es Anfang des 20. Jahrhunderts an die Seine verschlug waren Boris Dmitrijewitsch Grigorjew und der Georgier Lado Gudiaschwili. Grigorjew lebte um 1912 in Paris, wo er Zeichenkurse an der freien Kunstschule Académie de la Grande Chaumière in Montparnasse belegte. Auch Gudiaschwilis Leben spielte sich in Montparnasse ab, wo er ab 1920 ein Atelier gemietet hatte. Gudiaschwili war nach Paris gekommen, da er ein Stipendium für die private Ronson-Akademie erhalten hatte. Während seiner Pariser Jahre lernte Gudiaschwili, beeinflusst von Künstlern wie Picasso, Utrillo oder Modigliani, einen eigenen Stil zu finden, der die traditionellen Elemente seiner georgianischen Heimat mit den leuchtenden Farben und Formen der modernen Malerei verband.

Der Einfluss der französischen Malerei auf die russische Kunst endete natürlich nicht an der Stadtgrenze von Paris. Auch die in der Heimat gebliebenen Künstler orientierten sich an der Kunst des Westens. Nikolai Sapunow malte viele Bühnenbilder für das Bolshoi-Theater in Moskau, war jedoch am meisten für seine Blumenstillleben bekannt. Eine architektonische Parkkulisse schuf Piotr Utkin um 1907/08 für seinen Gönner Zhukovsky Koukouch-Koy für dessen Anwesen auf der Krim.

Beeindruckend ist auch das Skizzenalbum von Leonid Romanowitsch Sologub, der sich freiwillig zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg meldete. Sologub, der in Sankt Petersburg eine Akademie für Malerei, Bildhauerei und Architektur gegründet hatte, hielt mit hervorragendem Blick und präziser Technik das Leben der Soldaten und Offiziere an der Front fest.

Alle vorgestellten Werke werden am Montag, den 20. November bei Leclere in Paris versteigert. Die Auktion mit russischer Kunst beginnt um 13 Uhr. Sehen Sie hier das aktuelle Angebot von Leclere bei Barnebys.

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