Es war der 7. Dezember 2017, an dem die Frick Collection bekannt gab, dass ein weiteres bedeutendes Gemälde erworben werden konnte. Bei jenem Gemälde handelt es sich um ein Portrait des römischen Fürsten Camillo Borghese, der mit der Lieblingsschwester Napoléons, Pauline Bonaparte, verheiratet gewesen war. Gemalt wurde das Portrait um 1810 vom französischen Maler François Gérard (1770-1837). Das New Yorker Museum gab des weiteren an, dass es sich dabei um den ersten Erwerb eines Gemäldes für die Sammlung handele, seit dem Kauf des Watteau-Gemäldes La Porte de Valenciennes im Jahr 1991.

FRANÇOIS GÉRARD - Camillo Borghese, um 1810 | Foto via The Frick Collection FRANÇOIS GÉRARD - Camillo Borghese, um 1810 | Foto via The Frick Collection

Die Begeisterung der Frick Collection über den Ankauf des Portraits ist sehr gut nachvollziehbar, handelt es sich bei François Gérard doch um einen der bedeutendsten Portraitisten der napoleonischen Ära, dessen persönlicher Auktionsrekord, laut der Endpreis-Datenbank von Barnebys, bei 2,01 Millionen Euro liegt. Erzielt wurde dieser Preis 2005 bei Sotheby's bei der Versteigerung des Portrait der Louise-Antoinette-Scholastique Guéhéneuc, Madame la Maréchale Lannes, Duchesse de Montebello mit ihren Kindern, für das Gérard im 1814 den Auftrag erhalten hatte. Die dargestellte Herzogin war eine Hofdame von Kaiserin Louise und Gemahlin eines der Marschälle des Kaiserreichs.

Das Portrait der Louise-Antoinette-Scholastique Guéhéneuc, Madame la Maréchale Lannes, Duchesse de Montebello mit ihren Kindern ist das teuerste Werk von François Gérard. Aktuell ist es Teil der Sammlung des Museum of Fine Art in Houston, Texas | Foto: The Museum of Fine Arts, Houston Das Portrait der Louise-Antoinette-Scholastique Guéhéneuc, Madame la Maréchale Lannes, Duchesse de Montebello mit ihren Kindern ist das teuerste Werk von François Gérard. Aktuell ist es Teil der Sammlung des Museum of Fine Art in Houston, Texas | Foto: The Museum of Fine Arts, Houston

Mit dem Fürsten Camillo Borghese ist natürlich auch die dargestellte Person von besonderem Interesse, handelt es sich bei den Fürsten Borghese um eine der bedeutendsten und glanzvollsten Familien Roms. Seine familiären Verbindungen zum ersten Kaiser der Franzosen kommen sozusagen als "Sahnehäubchen" noch obendrauf.

Camillo Borghese war ab 1803 mit Napoleons Lieblingsschwester Pauline Bonaparte verheiratet, die für so manchen Skandal sorgte. Einer davon war ihre entblätterte Darstellung als Venus Victrix (auch bekannt als "Ruhende Venus") durch den Bildhauer Antonio Canova. Die Skulptur wird in der Villa Borghese in Rom ausgestellt | Foto via Wikipedia Camillo Borghese war ab 1803 mit Napoleons Lieblingsschwester Pauline Bonaparte verheiratet, die für so manchen Skandal sorgte. Einer davon war ihre entblätterte Darstellung als Venus Victrix (auch bekannt als "Ruhende Venus") durch den Bildhauer Antonio Canova. Die Skulptur wird in der Villa Borghese in Rom ausgestellt | Foto via Wikipedia

Doch zurück ins Jahr 2017. Vor der Abreise des Portraits in die Vereinigten Staaten befand sich das Gemälde im Besitz der Mailänder Niederlassung der Galerie Robilant + Voena, die sich für die Freistellung für die Ausfuhr an die zuständigen Behörden wandte. Die Beschreibung lautete: "Ölgemälde auf Leinwand, ein männliches Portrait darstellend". Die Genehmigung zur Ausfuhr wurde im März 2017 erteilt. Camillo Borghese durfte Italien somit im Dezember verlassen und machte sich auf dem Weg zur Frick Collection, worüber auch die New York Times berichtete.

Mittlerweile ist man jedoch auf den Beurteilungsfehler in Italien aufmerksam geworden und hat festgestellt, dass es sich bei dem Gemälde um ein nationale Erbe handelt, dass als seltenes und bedeutendes Dokument der napoleonischen Ära in Italien angesehen werden muss. Maria Vittoria Marini Clarelli, Direktorin der zuständigen Abteilung des Kulturministeriums in Rom, hat daher die Annullierung der Freigabe bewilligt. Auch da im Antrag dafür wichtige angaben in Bezug auf die Identität des Werkes nicht gemacht worden wären.

Der italienische Gesetzgeber hat der zulässigen Annullierung der Freigabe also zugestimmt. Von dort bis zur tatsächlichen Rückgabe des Gemäldes ist es aber ein langer Weg. Die Frick Collection möchte die Angelegenheit aktuell nicht kommentieren. Der Direktor von Art Recovery-International, die von Robilant + Voena beauftragt wurden, den Fall zu überwachen, gibt an, dass man bei der Beschreibung des Gemäldes auf dem Antragsformular für dessen Ausfuhr wohl kaum von Unterlassung oder gar Bösartigkeit sprechen können, schließlich sei auf der Rückseite des Gemäldes vermerkt, wer darauf abgebildet ist.

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