Der in Bremen geborene Klaus J. Jacobs (1936-2008) übernahm 1970 die Geschäftsleitung des Kaffeehandelshauses seines Großonkels. Wenige Jahre später verlegte er den Sitz des Unternehmens nach Zürich und wurde Schweizer Staatsbürger. Neben dem beruflichen Erfolg stand soziales Engagement bei Klaus J. Jacobs immer an oberster Stelle. Auch als Kunstsammler und Mäzen tat er sich hervor. Ab 1984 trug er Kunst und Kunsthandwerk für die Sammlung des Jacob Suchard Museums zusammen, die die Entwicklung der europäischen Kaffeehauskultur zum Thema haben. Durch die Neuausrichtung des Museums werden nun Teile der Sammlung versteigert.

Der erste Teil der Sonderauktion wird am 16. November in Köln versteigert. Zum Aufruf kommen 180 Lose mit Malerei, Zeichnungen und natürlich Silber und Porzellan aus den vergangenen 300 Jahren, in denen der Kaffeegenuss in Europa zum Kulturgut wurde.

Ein Highlight stellt eine frühe Kranenkanne des Augsburger Silberschmieds Matthäus II Baur dar, die dieser Ende des 17. Jahrhunderts fertigte. Das mit einem auf einem Delfin reitenden Putto bekrönte Stück wurde aufwendig gegossen, getrieben, graviert und anschließend vergoldet.Weitere Kannen, Tassen und Service vom Barock bis zur Moderne sind in der Auktion vertreten. Hochinteressant ist auch eines von nur drei bemalten Exemplare der Türkischen Kaffeegruppedie nach 1780 in der Nymphenburger Manufaktur ausgeführt wurde.

Die Gemälde und Zeichnungen der Auktion zeigen sowohl Kaffeehausszenen als auch private Kaffeekränzchen. Zu letzteren gehört ein Werk des "Friesenmalers" Karl Ludwig Jessen, der 1897 eine friesische Familie in ihrer detailreich wiedergegebenen Stube beim Kaffeetrinken - nicht beim Teetrinken (!) - darstellte.

Der zweite Teil der Sonderauktion wird am 1. Dezember in der Auktion mit Moderner Kunst versteigert. Dabei werden u.a. Werke von George Braque, Lesser Ury und George Grosz zum Aufruf kommen.

Ebenfalls am 16. November werden bei Lempertz Schmuck, Dosen und Miniaturen versteigert. Ein herausragendes Los stellt eine goldene Pillendose aus dem Hause Fabergé dar. Ihre ungleichmäßige Form verdankt das außergewöhnliche Stück dem geschnitzten Rubincabochon, der von Diamantrosen umgeben im Deckel eingefasst ist.

Die Auktion mit Alter Kunst am 18. November hat die beiden am höchsten geschätzten Lose der Auktionen Mitte November im Angebot. Die zwei Gemälde stammen von Mitgliedern der flämischen Malerdynastie BrueghelFlusslandschaft mit Fischern und einem Pferdewagen wurde vom Landschaftsmaler Jan Brueghel d.Ä. Anfang des 17. Jahrhunderts in dessen Hauptschaffensperiode gemalt, in der ihn der Einsatz von kräftigen Farben und detailreichen Szenen berühmt machten.

Das andere Brueghel-Werk wurde etwa zur gleichen Zeit von Jans älterem Bruder Pieter Brueghel d.J. gemalt. Winterliche Dorflandschaft mit Gasthaus zum Schwan stellt eine Reminiszenz an die Werke des Vaters Pieter Brueghel d.Ä. dar, die wiederholt im Oeuvre des ältesten Sohnes zu finden sind.

In einer zweiten Auktion kommen am 18. November Gemälde des 19. Jahrhunderts zum Aufruf. Neben anderen sind mit mehreren Werken die Maler Oswald Achenbach, Alexander Koester und Carl Spitzweg.

Während seiner letzten Italienreise malte der Düsseldorfer Landschaftsmaler Oswald Achenbach eine interessante Ansicht der nächtlichen Fontana di Trevi in Rom. Der berühmte Brunnen mit seiner barocken Fassade, der bis 2007 von einer antiken Wasserleitung versorgt wurde, ist teilweise in das weißliche Licht des Mondes getaucht.

In seiner Landschaft mit Schwalben stellte der Münchner Maler Carl Spitzweg Altes und Neues gegenüber. Das klassische Landschaftsmotiv wird durch die Darstellung einer Telegrafenleitung ergänzt. Die Telegrafie war zum Zeitpunkt des Entstehens des Bildes noch eine sehr neue Technik. Die Leitungen werden von flinken Schwalben bevölkert, während auf dem darunter liegenden Erdboden ein wenig behäbig einige Hühner herumlaufen.

Abschließend haben wir mit Bei der Fütterung ein hervorragendes Werk des "Enten-Malers" Alexander Koester vor uns. In hervorragender Manier gibt Koester hier sein liebstes Motiv wieder. Die Freude der aufgeregten Wasservögel über die bevorstehende Mahlzeit greift förmlich auf den Betrachter über.

Die Versteigerung der Sammlung Klaus J. Jacobs findet am 16. November um 11 Uhr im Auktionshaus Lempertz in Köln statt. Um 17 Uhr folgen Schmuck, Dosen und Miniaturen. Der 17. November widmet sich um 10 Uhr und um 18 Uhr der Versteigerung von Objekten des Kunstgewerbes, während am 18. November Gemälde Alter Meister (11 Uhr) und Werke des 19. Jahrhunderts (14 Uhr) zum Aufruf kommen.

Die Ausstellung zu den Auktionen ist ab dem 10. November für interessierte Besucher geöffnet. Endecken können Sie alle Lose des Auktionshauses Lempertz gleich hier bei Barnebys.

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