Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun (1755-1842)

Die in Paris geborene Malerin Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun war die große Portraitistin ihrer Zeit, die im Laufe ihrer Karriere mehr als 660 Bildnisse berühmter Persönlichkeiten in ganz Europa geschaffen hat. Ihr Talent war bereits in jungen Jahren erkannt und gefördert worden, sodass sie 1776, als sie den Kunsthändler Jean-Baptiste-Pierre Lebrun heiratete, bereits erste Erfolge gefeiert hatte und Mitglied der Académie de Saint-Luc geworden war.

Lebrun machte sich nun daran, das Talent seiner Frau gewinnbringend zu vermarkten. Frankreichs Adel ließ sich von ihre malen, der größte "Coup" gelang jedoch 1778, als sie Königin Marie Antoinette zum ersten Mal portraitieren durfte, woraus ein langjähriges Arbeitsverhältnis und sogar eine Freundschaft entstand. Ganz nebenbei wurde Élisabeth-Louise 1780 Mutter ihrer einzigen Tochter Julie, die ihr wiederholt als Modell diente. Sie fertigte auch zwei Selbstportraits an, die sie gemeinsam mit Julie in inniger Umarmung zeigen und damit das enge Verhältnis zwischen Mutter und Tochter widerspiegeln.

Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Selbstportrait mit Tochter, 1786 Musée du Louvre, Paris Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun, Selbstportrait mit Tochter, 1786
Musée du Louvre, Paris

1783 wurde Élisabeth-Louise die Ehre zuteil, auch an der Königlichen Akademie aufgenommen werden. Doch ihr gutes Verhältnis zur königlichen Familie solle sich mit dem Nahen der Französischen Revolution als problematisch herausstellen. Um ihren Ruf zu ruinieren, wurde ihr ein Verhältnis mit dem damaligen Finanzminister Calonne unterstellt.

Eines der bekanntesten Gemälde Vigée-Lebruns zeigt Königin Marie Antoinette mit ihren Kindern (1787). Eines der bekanntesten Gemälde Vigée-Lebruns zeigt Königin Marie Antoinette mit ihren Kindern (1787).

Nach Ausbruch der Revolution gingen die Diffamierungen weiter und Élisabeth-Louise war zunehmend in ernster Gefahr für Leib und Leben. Sie verließ gemeinsam mit Julie Frankreich und reiste nach Italien, Wien, Russland, Deutschland und England. Als vom neuen Regime als geächtete Person angesehen, war ihr eine Rückkehr nach Frankreich verwehrt. 1794 reichte ihr Mann die Scheidung ein, um sich selbst zu schützen.

Auf allen Stationen ihrer zwölf Jahre dauernden Odyssee durch Europa konnte sie an ihre Erfolge als Potraitistin anknüpfen. Kummer bereitete ihr nur Julie, die gegen ihren Willen den Direktor des Bolschoi-Theaters, Gaëtan Bertrand Nigris, heiratete (die Scheidung erfolgte 1804).

1809 durfte sie endlich nach Frankreich zurückkehren. An ihre großen Erfolge aus der Zeit vor der Revolution konnte sie nicht mehr anknüpfen. Stattdessen veröffentlichte sie 1829 und 1835 ihre Memoiren. Ihr größter Kummer war der Tod Julies im Jahr 1819. Élisabeth-Louise Vigée-Lebrun überlebte ihre Tochter um 23 Jahre.

Berthe Morisot (1841-1895)

Wie man es von einer Frau der oberen Mittelschicht im 19. Jahrhundert erwartete, hätte auch Berthe Morisot, ein beschauliches Leben als Hausfrau und Mutter führen sollen, wäre da nicht ihre große künstlerische Begabung gewesen. Die drei Töchter der wohlhabenden Familie Morisot, die seit 1851 in Paris lebte, erhielten bereits in jungen Jahren Zeichenunterricht, was als angemessener Zeitvertreib für ein Mädchen aus begüterten Verhältnissen galt.

Einer ihrer Lehrer war Camille Corot, der Madame Morisot mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein warnte, dass sich ihre Töchter unter seiner Führung nicht bloß zu Amateurinnen sondern zu Meisterinnen der Malerei entwickeln würden. Was auf die beiden jüngeren Töchter Edma (*1839) und Berthe (*1841) suchtatsächlich zutreffen sollte. Bereits 1864 wurde Werke der beiden im Pariser Salon ausgestellt.

Madame Morisot förderte nicht nur die als etwas unschicklich angesehene Arbeit ihrer Töchter, sondern führte in ihrem Haus auch einen Salon, in dem sich regelmäßig auch Mitglieder der Pariser Künstlerszene versammelten. Ende der 1860er Jahre gehörten auch die beiden malenden Brüder Édouard und Eugène Manet dazu, die der gleichen gesellschaftlichen Schicht wie die Morisots angehörten.

Édouard Manets Portrait von Berthe Morisot aus dem Jahr 1872 Édouard Manets Portrait von Berthe Morisot aus dem Jahr 1872

1869 heiratete Edma Morisot, gab alle künstlerischen Ambitionen auf und zog aus Paris fort. Für Berthe hatte dies weitreichende Konsequenzen. Hatten sie und Edma zuvor alles gemeinsam unternommen, blieb ihr nun vieles verwehrt. Als junge, unverheiratete Frau von gewissem gesellschaftlichen Ansehen, durfte sie kaum etwas allein unternehmen. Motive für ihre Gemälde fand sie nun häufig im häuslichen Bereich, malte bevorzugt Kinder und Frauen in ihrer Umgebung.

Berthe Morisot, Die Wiege, 1873 Musée d’Orsay, Paris Berthe Morisot, Die Wiege, 1873
Musée d’Orsay, Paris

Auch ihre Schwester Edma gehörte zu den Personen, die sie für die Ewigkeit festhielt. Eine sehr gefühlvolle Darstellung ist Die Wiege von 1873, die Edma mit ihrer schlafenden Tochter Blanche zeigt. Das Werk ist sowohl für die Weiterentwicklung von Berthes Stil von Bedeutung, sondern auch das erste in der Reihe von vielen folgenden Mutter-Kind-Darstelllungen.

Großen Einfluss auf Berthes Entwicklung als Künstlerin hatte Édouard Manet, mit dem sie eine enge Freundschaft verband. Als weitere Unschicklichkeit einer Frau aus gutem Hause, saß sie ihm auch wiederholt Modell. Liebe dürfte die beiden, trotz allerhand Vermutungen nicht verbunden haben.

Stattdessen heiratete Berthe 1874 Édouards Bruder Eugène. Die Ehe, der 1878 die einzige Tochter Julie entsprang, scheint glücklich gewesen zu sein. Eugène stellte seine eigenen künstlerischen Ambitionen hinten an und unterstützte seine hochbegabte Frau wo er nur konnte und spielte sogar einmal mit dem Gedanken, den Verfasser einer schlechten Kritik zu einem Gemälde Berthes zum Duell zu fordern...

Mary Cassatt (1844-1926)

Mary Cassatt wurde in eine reiche Bankiersfamilie in Pennsylvania geboren. Während einer Reise durch Europa entdeckte sie die großen Meister des Barocks für sich, darunter Rubens und Velázquez, wodurch in ihr der Wunsch geweckt wurde, ebenfalls Malerin zu werden.

Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten, teilte Mary ihrer Familie ihren Entschluss mit, was jedoch auf wenig Gegenliebe stieß. Doch Mary setzte sich durch und begann im zarten Alter von 15 Jahren an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia Malerei zu studieren. Vier Jahre blieb sie an der Schule, war mit der dortigen Ausbildung jedoch nicht zufrieden und fühlte sich als Frau dort wie ein Mensch zweiter Klasse.

Erneute Überredungskünste waren nötig und 1866 erlaubte ihr Vater, dass sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Paris ging. Hier war die Situation für Frauen konservativer. Von den lehrenden Akademien waren sie ausgeschlossen, Unterricht war für sie nur im privaten Rahmen oder Privatschulen möglich. Durch die ablehnende Haltung ihres Vaters gegenüber ihrer künstlerischen Tätigkeit (er zahlte nur für ihren Lebensunterhalt, aber nicht für Malutensilien etc.) war Mary auf den Verkauf zumindest einiger ihrer Arbeiten angewiesen.

Mary Cassatt, Antoinette Holding Her Child by Both Hands, ca. 1899 Foto: Christie’s Mary Cassatt, Antoinette Holding Her Child by Both Hands, ca. 1899
Foto: Christie’s

Nachdem Mary eines ihrer Werke bereits 1868 im Pariser Salon anstellen durfte, war sie auf einem guten Weg dorthin. In den 1870er Jahren schloss sie sich den Impressionisten an, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit der klassischen Malerei gebrochen hatte, was ihre finanzielle Situation zunächst nicht unbedingt verbesserte. Auch als der Rest ihrer Familie 1877 nach Paris übersiedelte, änderte sich an der mit dem Vater getroffenen Vereinbarung nichts. Mary geriet unter Erfolgsdruck.

Als Vorteil für sie selbst und ihre Malerkollegen, vor allem mit Edgar Degas verband sie eine enge Freundschaft und Bewunderung, erwies sich Marys Verbindung zur reichen amerikanischen Oberschicht. Sie vermittelte viele impressionistische Gemälde an amerikanische Sammler und half mit, den Impressionismus schon früh in den Vereinigten Staaten populär zu machen.

Selbstportrait von Mary Cassatt aus dem Jahr 1878 Selbstportrait von Mary Cassatt aus dem Jahr 1878

Im Gegensatz zu ihrer Freundin und Kollegin Berthe Morisot blieb Mary Cassatt ihr Leben lang unverheiratet, da sie meinte, eine Ehe mit ihrem Leben als Künstlerin nicht in Einklang bringen zu können. Sehr wohl in Einklang zu bringen waren ihre feministischen Ansichten als unabhängige Frau mit den gefühlvollen Mutter-Kind-Darstellungen, die ihr Werk prägten.

Paula Modersohn-Becker (1876-1907)

Paula Becker wurde in eine weltoffen-liberale Familie hineingeboren, die zwar nicht wohlhabend war, in der die musischen oder zeichnerischen Talente ihrer jüngsten Mitglieder aber nachdrücklich gefördert wurden. Ingenieur Carl Woldemar Becker lebte mit seiner Frau Mathilde und den gemeinsamen Kindern zunächst in Dresden und ab dem "Dreikaiserjahr" 1888 in Bremen, wo Paula ersten Zeichenunterricht erhielt.

Um später ihren Lebensunterhalt selber verdienen zu können, besuchte Paula von 1893 bis 1895 ein Lehrerinnenseminar. Die Arbeit als Lehrerin oder Gouvernante war damals der Karriereweg, den eine junge Frau aus dem Bildungsbürgertum damals anstreben konnte, ohne auf Argwohn zu stoßen.

Ihren Plan, Malerin zu werden, hatte sie dennoch nicht aufgegeben und setzte 1896/97 ihre Ausbildung in Berlin, u.a. an der Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen fort, denn Frauen blieb der Besuch einer Kunstakademie in Deutschland damals noch verwehrt. Nach dem Ende ihrer Ausbildung reiste Paula gemeinsam mit ihren Eltern das erste Mal nach Worpswede, wo sie sehr von der dortigen Künstlerkolonie, der Landschaft und dem freien Leben darin angetan war.

Paula Modersohn-Becker, Sitzende Mutter mit Kind auf dem Schoß, 1906 Von der Heydt-Museum, Wuppertal Paula Modersohn-Becker, Sitzende Mutter mit Kind auf dem Schoß, 1906
Von der Heydt-Museum, Wuppertal

1900 zog Paula ganz nach Worpswede, wo sie die Landschaft und die dort lebende Landbevölkerung portraitierte. Um sich künstlerische weiterzubilden reiste sie immer wieder nach Paris. Das tat sie auch noch, nachdem sie 1901 den ebenfalls in Worpswede lebenden Maler Otto Modersohn geheiratet hatte. Auf die Rolle als Ehefrau nur unzureichend vorbereitet, meldeten ihre Eltern sie noch schnell zu einem Kochkurs an, den Paula jedoch vorzeitig abbrach.

Otto Modersohn unterstütze seine Frau sehr. Es war eher Paula, die sich mit sich selbst uneinig war, welchen Weg sie einschalten sollte. Einerseits wollte sie sich ganz der Kunst widmen, andererseits wollte sie gerne Mutter werden. Es scheint, als wären diese beiden Aspekte für sie nur schwer miteinander zu vereinen gewesen. Auch fühlte sie sich in ihrer Ehe mehr und mehr eingeengt.

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis zum 6. Hochzeitstag im Jahre 1906. Paula war die erste Künstlerin, die sich selber nackt malte. Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis zum 6. Hochzeitstag im Jahre 1906. Paula war die erste Künstlerin, die sich selber nackt malte.

1906 beschloss Paula, Worpswede und ihren Mann zu verlassen und ganz nach Paris zu gehen. Sie wollte die Scheidung, revidierte diesen Wunsch jedoch bald wider. Otto Modersohn reiste seiner Frau nach und sie fanden wieder zusammen. Gekrönt wurde das neue Glück durch den Umstand, dass Paula nun endlich ein Kind erwartete, ein inniger Wunsch, der sich schon früher in zahlreichen Darstellungen von Kindern oder stillenden Müttern manifestiert hatte. Paula und Otto kehrten 1907 nach Worpswede zurück und Anfang November kam Tochter Tille zur Welt. Es war eine schwere Geburt gewesen an deren Folgen Paula knapp drei Wochen später verstarb.

Käthe Kollwitz (1867-1945)

Sozialkritik, Trauer und durch Krieg verursachtes Leid waren die drei großen Themen im Oeuvre der in Königsberg geborenen Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz, geb. Schmidt. Für die Umsetzung ihrer Werke, bediente sie sich einer ganz eigenen Sprache, deren komplexe und doch schlichte Botschaft bis heute auf der ganzen Welt verstanden wird.

Käthe entstammte einer ostpreußischen Familie, in der es "zum guten Ton" gehörte, sich für sozial schlechter gestellte Menschen einzusetzen. Ihr Talent als Zeichnerin wurde von ihrem Vater gefördert und sie erhielt Privatunterricht in Königsberg sowie an den "Damenakademien" in Berlin und München.

1891 heiratete sie den Arzt Karl Kollwitz, der ebenfalls ein liberaler Geist war und eine Praxis für Kassenpatienten im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg eröffnete. In Berlin begann sich Käthe schon bald ganz auf sozialkritische Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte zu konzentrieren, für die sie Motive vor allem im Arbeitermilieu fand. Allgemein wurden ihre Arbeiten hoch gelobt, den Geschmack der Obrigkeit des damaligen Kaiserreichs traf sie damit allerdings nicht, vorgeschlagene Auszeichnungen blieben ihr verwehrt.

Käthe Kollwitz, Arbeiterfrau mit schlafendem Jungen, 1927 Foto: Christie’s Käthe Kollwitz, Arbeiterfrau mit schlafendem Jungen, 1927
Foto: Christie’s

Die Hinwendung zum Pazifismus erfolgte 1914, als einer ihrer beiden Söhne, Peter, im Ersten Weltkrieg fiel. Ihre Trauer darüber brachte sie durch die Skulptur Trauerndes Elternpaar, an der sie 18 Jahre lang arbeitete, zum Ausdruck. Allgemein finden sich Darstellungen von Müttern, die ihr totes Kind im Arm halten, wiederholt ihrem Werk.

Die Weimarer Republik bescherte Käthe Kollwitz vielerlei Anerkennung. 1919 wurde sie als erste Frau Mitglied an der Preußischen Akademie der Künste und Professorin. Zehn Jahre später wurde sie mit dem Orden Pour le Mérite für für ihre Leistungen im Bereich der Kunst ausgezeichnet.

Fotografie von Käthe Kollwitz aus dem Jahr ihrer Ernennung zum ersten weiblichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste Fotografie von Käthe Kollwitz aus dem Jahr ihrer Ernennung zum ersten weiblichen Mitglied der Preußischen Akademie der Künste

Die linksliberale Käthe Kollwitz versuchte eindringlich, die Machtergreifung durch die Nationalsozialistin zu verhindern. Nach ihrem Scheitern bestimmten, Themen wie Trauer, Tod und Abschied ihr Schaffen. Das neue Regime war kein Freund ihrer Arbeiten, denen so gar nichts Heroisches anhaftete. Obwohl die Gestapo sie im Auge behielt, konnte sie die Arbeit in ihrem Atelier fortsetzen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Käthe Kollwitz' Berliner Wohnung zerstört. Sie siedelte ins sächsische Moritzburg um. Hier starb die große Künstlerin und Pazifistin im April 1945, kurz vor Ende des Krieges.

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