"Alle meine Werke sind für Mont-roig bestimmt." - Joan Miró

Die Entscheidung, Maler zu werden, traf Joan Miró (1893 Barcelona - 1983 Palma de Mallorca) bei einem Aufenthalt in der Finca der Familie in der nordostspanischen Stadt Mont-roig del Camp, wo er sich von einer Typhuserkrankung erholte. Seine ersten Motive fand er rund um das Haus und in der Mont-roig umgebenden Landschaft. Das zwischen 1920 und 1922 entstandene Gemälde La Masia, eine bedeutende Arbeit aus Mirós Frühwerk, hat einen direkten Bezug zu dem Haus. "Eine Zusammenfassung meines Lebens auf dem Lande. Ich wollte alles, was mir vorschwebte, in das Gemälde einfügen."

Links: Joan Miró 1907 | Abb.: Fundació Joan Miró Rechts: JOAN MIRÓ - La masia (1920-22). National Gallery of Art, Washington, D. C. Links: Joan Miró 1907 | Abb.: Fundació Joan Miró Rechts: JOAN MIRÓ - La masia (1920-22). National Gallery of Art, Washington, D. C.

Heute hängt das Gemälde in der National Gallery in Washington, D.C. Das dargestellte Haus, ist ab heute anlässlich des 125. Geburtstages seines berühmten Bewohners, für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet Einblicke in sein dortiges Leben.

Zu Beginn der 1920er Jahre hielt sich Miró in Paris auf, wo er sich von seinem Landsmann Pablo Picasso und dessen Kubismus inspirieren ließ, und schließlich seinen eigenen surrealistischen Stil entwickelte. In den 1930/40er Jahren experimentierte Miró mit Collagetechniken und er nahm Materialien als nichtfigürliche Elemente in seine Gemälde auf. Aus dieser Experimentierfreudigkeit entwickelte sich die Auseinandersetzung mit Keramik und Skulpturen, die rund 230 Objekte hervorbrachte.

Links: JOAN MIRÓ - Deux personnages fantastiques. La Défense, Paris | Foto: Mary Ann Sullivan Rechts: JOAN MIRÓ - Dona i Ocell. Escultura. Parc de Joan Miró, Barcelona (1981) Links: JOAN MIRÓ - Deux personnages fantastiques. La Défense, Paris | Foto: Mary Ann Sullivan Rechts: JOAN MIRÓ - Dona i Ocell. Escultura. Parc de Joan Miró, Barcelona (1981)

Ab Mitte der 1950er Jahre lebte Joan Miró auf Mallorca. Wie jedes neue Zuhause, jede neue Landschaft und Werkstatt, wurde er auch dort zu einer Stilveränderung unter Verwendung neuer Techniken inspiriert, was ihn zu einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts werden ließ.

Joan Mirós Atelier auf Mallorca | Foto: Thierry Chervel via flickr.com Joan Mirós Atelier auf Mallorca | Foto: Thierry Chervel via flickr.com

Auf Mallorca führte er die Auftragsarbeiten für den UNESCO-Hauptsitz in Paris aus: Zwei Wanddekorationen aus Keramikplatten, die die Namen La Luna ("Der Mond") und La Sol ("Die Sonne") tragen. 1958 wurde Miró mit dem alle zwei Jahre verliehenen Preis der Guggenheim-Stiftung ausgezeichnet.

JOAN MIRÓ - La Luna (1958). Wanddekoration aus Keramikplatten für den Hauptsitz der UNESCO in Paris JOAN MIRÓ - La Luna (1958). Wanddekoration aus Keramikplatten für den Hauptsitz der UNESCO in Paris

Joan Miró und die Tapisserie 

Ende 1966 wurde Mirós einzige Tochter Maria Dolors (1930-2004) nachts an einem Bahnübergang in Mont-roig del Camp von einem Zug überrollt. Als Bezahlung schlug der behandelnde Arzt Dr. Rafael Orozco vor, dass Miró ein Gemälde für das Rot-Kreuz-Krankenhaus in Tarragona malen könnte. Das Ergebnis war ein großer Wandteppich, der die Keimzelle eines neuen Betätigungsfeldes werden sollte: Die Tapisserie.

Der Tapís de Tarragona wurde im September 1970 in Barcelona erstmals präsentiert. Er bildete den Anfang einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem ebenfalls aus Katalonien stammenden Künstler Josep Royo.  

JOAN MIRÓ - Tapís de Tarragona (1970) | Foto: Planeta Dunia JOAN MIRÓ - Tapís de Tarragona (1970) | Foto: Planeta Dunia

Vier Wandteppiche entstanden unter der Zusammenarbeit von Joan Miró und Josep Royo. Das traurigste Schicksal ereilte den 1974 fertiggestellten Gran Tapiz. Der aus Wolle, Hanf und anderen Fasern hergestellte Wandbehang von 6 x 11 Metern und einem Gewicht von vier Tonnen schmückte die Lobby des Word Trade Centers in Manhattan. Am 11. September 2001 verschwand er für immer unter den Trümmern der Zwllingstürme. Eine Öl-auf-Leinwand-Skizze des Wandteppichs wird von der Fundació Joan Miró in Barcelona ausgestellt.

JOAN MIRÓ - Skizze zum Tapiz im World Trade Center (1974) | Foto: Fundació Joan Miró JOAN MIRÓ - Skizze zum Tapiz im World Trade Center (1974) | Foto: Fundació Joan Miró

Joan Miró und seine Bilder

Joan Miró hat ein umfangreiches Oeuvre hinterlassen. Neben Skulpturen, Keramik und Collagen schuf er im Laufe seiner Karriere etwa 2000 Ölgemälde und 3500 grafische Arbeiten. Eine enorme Anzahl, weshalb wir an dieser Stelle nur einen ganz kleinen Blick auf seine gemalten Werke werfen können.

Étoile bleue von 1927 ist ein außergewöhnliches Gemälde von großer visueller Kraft, das von Joan Miró auf dem Höhepunkt seiner surrealistischen Phase geschaffen wurde und als das Schlüsselwerk seiner Serie mit dem Titel Sueños ("Träume") betrachtet wird. 1971 war es im Solomon R. Guggenheim Museum in New York zu sehen.

JOAN MIRÓ - Étoile bleue (1927) | Foto: Sotheby's JOAN MIRÓ - Étoile bleue (1927) | Foto: Sotheby's

Was dieses Werk so bedeutend macht, ist die Tatsache, dass Miró darin für seine menschlichen Figuren und kosmischen Zeichen ausnahmsweise einen leuchtend blauen Hintergrund gewählt hat. Étoile bleue wurde 2012 bei Sotheby's in London für 23,6 Millionen GBP (ca. 26,9 Millionen Euro) verkauft und setzte damit einen neuen Künstlerrekord.

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Joan Mirós Serie Peinture entstand in den 1930er Jahren und umfasst 18 große Gemälde. Die biomorphen Formen schweben schwerelos in einem scheinbar grenzenlosen Innenraum. Zu dieser Zeit wollte Miró das Gemälde "töten". Es war eine Phase des Experimentierens und des Brechens mit den Regeln der Malerei. Er schuf subversive Collagen und kämpfte mit Malerei und "Anti-Malerei", was zu einer Reihe rätselhafter Werke führte.

JOAN MIRÓ - Peinture (1933) | Foto: Christie's JOAN MIRÓ - Peinture (1933) | Foto: Christie's

Aidez l'Espagne war ein Gemälde, das als eine Briefmarke verkauft werden sollte, um Geld für die republikanische Seite im Spanischen Bürgerkrieg zu sammeln. Das Bild zeigt einen katalanischen Bauern mit erhobener Faust. Es wird ergänzt durch eine Unterschrift, mit der sich Miró klar gegen die faschistischen Putschisten stellte: "Im aktuellen Kampf sehe ich auf der faschistischen Seite unzeitgemäße Kräfte und auf der anderen Seite Menschen, mit immensen kreativen Ressourcen, die Spanien aufrütteln und die ganze Welt in Erstaunen versetzen werden."

JOAN MIRÓ - Aidez l'Espagne (1937) | Foto: Christie's JOAN MIRÓ - Aidez l'Espagne (1937) | Foto: Christie's

Mit der Briefmarke wollte Miró die Regierungen der Nachbarländer ermahnen, der Spanischen Republik zu helfen.

Die Arbeiten Joan Mirós, der 1983, hoch angesehen und vielfach ausgezeichnet, im Alter von 90 Jahren starb, sind in Museen auf der ganzen Welt zu sehen. Ein großer Teil seines Oeuvres wird von den bereits zu seinen Lebzeiten gegründeten Stiftungen in Barcelona und Mallorca betreut. 2004 kam das Centre Joan Miró in Mont-roig del Campe hinzu.

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