Erraten? Es handelt sich natürlich um Stanislaus Poniatowski, der aus einer der führenden polnischen Adelsfamilien stammte und 1764 mit Unterstützung der Russischen Zarin Katharina II., mit der ihn ein ganz besonderes Verhältnis verband, zum König von Polen gewählt. Sein Königreich war zu jenem Zeitpunkt jedoch so zerrüttet, dass es Russland, Preußen und Österreich 1772, 1793 und 1795 möglich war, Polen immer weiter unter einander aufzuteilen. Stanislaus Ponitowski, der versucht hatte, sein Land mit Reformen im Geiste der Aufklärung zu stabilisieren, musste schließlich abdanken.

Das im Auktionskatalog vorliegende Portrait Stanislaus Poniatowskis ist unsigniert, kann aber auch Vergleiche dem in Rom geborenen Maler Marcello Bacciarelli zugeschrieben werden. Bacciarelli ließ sich ab 1766 in Polen nieder, wo er ein gesuchter Portraitist des Adels wurde. Auch der König ließ sich wiederholt von ihm malen und gestattete ihm die Einrichtung eines Ateliers im Warschauer Schloss.

Das Portrait Stanislaus Poniatowskis ist nur eines von rund 950 Losen, die am 8. September im Auktionshaus Satow versteigert werden. Neben Schmuck, Silber, Möbeln, Teppichen und Porzellan kommen auch Gemälde, Skulpturen und Grafiken vieler weiterer Künstler zum Aufruf, darunter wie gewohnt Landschaftsdarstellungen von der Nordsee- und der Ostseeküste.

Erst spät in seinem Leben und seiner künstlerischen Karriere entdecke der Dresdner Maler Edmund Kesting den Reiz der Ostsee für sich. Ab 1961, im Alter von knapp 70 Jahren verbrachte Kesting seine Sommer in Ahrenshoop, wo er ein eigenes Haus besaß. Er ließ sich von der Landschaft inspirieren, setzte dies jedoch nicht in klassischen Landschaftsportraits um, sondern in seinem eigenen Stil, der von den avantgardistischen Strömungen seiner Jugend geprägt war.

Unter den Grafiken der Auktion sind vor allem drei Arbeiten von Käthe Kollwitz, Max Liebermann und Max Slevogt zu nennen. Von Kollwitz stammt die Radierung Junges Paar von 1904. Die Künstlerin hatte sich zu diesem Zeitpunkt in Berlin bereits einen Namen gemacht, auch Max Liebermann war bereits auf sie aufmerksam geworden. Von Liebermann kommt der Holzschnitt Café im Park von 1922-25 zum Aufruf, mit dem der impressionistische Maler sein häufig wiedergegebenes Motiv eines gutbesuchten Gartenlokals unter Bäumen aufgriff.

Von Max Slevogt stammt ein Holzschnitt mit einer Szene aus der Mozart Oper Don Giovanni, deren Libretto von Lorenzo Da Ponte geschrieben worden war. Die Grafik war um 1921 entstanden, also etwa zu jener Zeit, in der Slevogt das Bühnenbild für eine Inszenierung von Don Giovanni in der Dresdner Staatsoper entwarf.

Freunde der Plastik dürfen sich über eine Arbeit von Albert-Ernest Carrier-Belleuse freuen, einem der prominentesten Bildhauer Frankreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der zudem eine Zeit lang den jungen Auguste Rodin in seinem Atelier beschäftigte. Carrier-Belleuse war bekannt für seine naturalistischen Arbeiten, die er in Marmor, Bronze oder Terracotta ausführte. Die vorliegende Büste Michelangelos aus der Kupfer-Zinn-Legierung angefertigt.

Ein interessantes Objekt ist auch ein Jugendstil-Bleiglasfenster, das vermutlich vom Schüler des Wiener Architekten Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich entworfen wurde. Olbrich folgte 1900 der Einladung des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein und wurde Leiter der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt und bekam den Titel eines Professors verliehen. Vor seinem Weggang aus Wien war dort nach seinen Entwürfen das Secessionsgebäude errichtet worden.

Die Kunst- und Antiquitätenauktion des Auktionshauses findet am 8. September um 11 Uhr in der Sonnenstraße 8 in Satow statt. Dort können alle Objekte der Auktion vorab vom 1.-7. September täglich in Augenschein genommen werden.

Den vollständigen Katalog zur Auktion mit allen Objekten aus den verschiedenen Kategorien können Sie gleich hier entdecken.

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