Das heutige Auktionshaus Dobiaschofsky in Bern wurde 1923 als Kunsthandlung gegründet und später zur Galerie erweitert. Der Sohn des Gründers führte 1959 schließlich die erste Auktion durch. Heute, fast 60 Jahre später, hat sich das Auktionshaus unter seinem neuen Besitzer zu einem international etablierten Unternehmen entwickelt, das jedes Jahr zwei Auktionen abhält, deren besonderer Fokus auf Internationaler und Schweizer Kunst liegt.

Die Frühjahrsauktion vom 2.-5. Mai präsentiert ihre über 3000 Lose in vier Katalogen. Neben dem allgemeinen Katalog ist ein weiterer auf Schmuck und Uhren ausgerichtet, während Schweizer und Internationale Kunst in jeweils einem eigenen vorgestellt werden.

Wir möchten uns im Folgenden auf die die beiden letztgenannten Kategorien konzentrieren.

Vom großen Maler des Schweizer Volkslebens im 19. Jahrhundert stammt Schafender Knabe auf der Ofenbank. In Albert Ankers lebhaften und naturalistischen Werk nimmt die Darstellung von Kindern eine besondere Stellung ein. Auch schlafende Kinder sind wiederholt anzutreffen. Der im wahrsten Sinne des Wortes vorliegende Knabe ist in ähnlicher Position auch auf Ankers Werk Großmutter am Spinnrad und schlafender Knabe auf Ofenbank von 1883 zu sehen. Die exakt gleiche Körperhaltung nimmt Ankers Schalfender Knabe im Heu ein. Auch der grünen Kachelofen ist auf vielen Werken Albert Ankers anzutreffen.

Schlafender Knabe auf der Ofenbank war ursprünglich Teil eines signierten Gemäldes von 1888, das den Jungen neben seinem auf der Ofenbank sitzenden Großvater zeigt. Während dieser Teil des Gemäldes verloren ging, geben Kohlestudien Auskunft über die ursprüngliche Komposition des Bildes.

Auch Ernest Biéler widmete einen großen Teil seines Schaffens dem Portraitieren von Land und Leuten seiner Schweizer Heimat. Seine Darstellungen, bei denen er gerne großformatige Gesichtsaufnahmen vor einen landschaftlichen Hintergrund setzte, zeichnen sich durch eine klare Linienführung aus, die seine Hinwendung zum Jugendstil dokumentieren.

Das mit Gouache ausgeführte Selbstportrait Biélers ist um 1910 entstanden.

Verbleiben wir noch ein wenig im bäuerlichen Ambiente und wenden uns einer Arbeit von Louis David Saugy zu. Saugy lebte seine Kreativität jedoch nicht durch die Malerei aus, er setzte auf die Kunst des Scherenschnitts. Seine virtuosen Arbeiten mit floralen Ornamenten, Bäumen und Almauftrieben verhalfen ihm schon bald zu einiger Berühmtheit, sodass ihn die spanische Königsfamilie und auch Winston Churchill in seinem Atelier besuchten.

In der mit Begegnung zum Disput betitelten Zeichnung verarbeitete Paul Klee 1930 die Querelen, die zum Ende seiner Lehrtätigkeit am Dessauer Bauhaus führen sollten. Seinen Humor hatte Klee darüber allerdings nicht verloren, denn dem abstrakten Werk wohnt durchaus etwas Karikaturenhaftes inne.

Die Schweizer Berge und die zwischen ihnen liegenden Seen bieten nicht nur eine traumhafte Naturkulisse, sondern auch ideale Motive für Gemälde, von denen gleich mehrere mit dieser Thematik in der Auktion vorliegen.

Dem Zauber dieses Motivs konnte sich auch die deutsche Malerin Clara Porges seit ihrem Umzug in die Schweiz 1918 nicht entziehen. Vorlagen wie den Silsersee oder die Berninagruppe fand sie in ihrer Wahlheimat in Graubünden.

Der Lieblingssee des Impressionisten Ernst Samuel Geiger war der Bielersee, an dessen Ufern er seit 1918 in Ligerz lebte. Das vorliegende Gemälde des Sees entstand vermutlich oberhalb des Dorfes, von wo aus man den Blick auf die inmitten des Bielersees gelegene Insel St. Peter hat.

Wie die spiegelnde Oberfläche eines Bergsees erscheint auch Gerhard Richters Abstraktes Bild (814-1) von 1994, das das am höchsten geschätzte Objekt der Auktion darstellt. Das von horizontalen Linien geprägte Werk erzeugt beim Betrachter den Eindruck einer visuellen Tiefe, die ihn scheinbar bis auf den "Grund" des Bildes blicken lassen.

Diesen Effekt erreichte Richter durch die Technik des Abkratzens, bei der er übereinander aufgetragene, dicke Farbschichten partiell wieder entfernte, um das darunter Liegende wieder an die Oberfläche zu holen - ein Verfahren, das ein gewisses Maß an Zufall in sich trägt.

Die Versteigerungen im Auktionshaus Dobiaschofsky vom 2.-5. Mai beginnen an allen vier Tagen um 9 Uhr. Veranstaltungsort ist das Auktionshaus in der Monbijoustrasse in Bern. Mitgeboten werden darf persönlich, schriftlich oder telefonisch. Ebenfalls möglich ist die Gebotsabgabe als angemeldeter Kunde über den Onlinekatalog auf der Internetseite des Hauses.

Noch bis zum 29. April haben Interessenten die Möglichkeiten, alle Objekte der Frühjahrsauktion vorab in den Räumen des Auktionshauses zu begutachte. Schauen Sie sich auch gerne hier bei Barnebys um!

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