Die Auktionen Anfang Juli im Auktionshaus NEUMEISTER beginnen am dritten Tag des Monats um 16 Uhr mit der Versteigerung von Schmuck, europäischen Taschenuhren sowie Armbanduhren für Damen und Herren. Die schöne Offerte mit 313 Losen umfasst historische Schmuckstücke des 18. und 19. Jahrhunderts, Jugendstil- und Art déco-Pretiosen aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie Vintage Stücke der 1940er bis 1970er Jahre. Auch Zeitgenössischer Schmuck darf natürlich nicht fehlen.

Auch auf einige Designerarbeiten darf mitgeboten werden. So kommen drei Objekte zum Aufruf, die der Edelstein-Graveurmeister Bernhard Becker aus Idar-Oberstein in den 1980er Jahren angefertigt hat. Zum einen ein springender und ein schreitender Panther aus Rauchquarz mit Sockeln aus Bergkristall bzw. Achat, zum anderen eine sich putzende Katze aus zartgelbem Beryll.

Der zweite Auktionstag (4. Juli, ab 14 Uhr) mit Gemälden, Grafik, Ikonen, Büchern und Kunsthandwerk widmet sich der alten Kunst vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Nach der Versteigerung von Kunstgewerbe mit Porzellan, Silber, Asiatika, Möbeln und Skulpturen folgen Gemälde und Grafik vom 15./16.-20. Jahrhundert.

Während in der Kategorie "Grafik des 16.-18. besonders die Zeichnung Himmelfahrt Mariens von Ignaz Günther (1725-1775) sowie das Aquarell Landschaft vor Rottach-Egern von Wilhelm von Kobell (1766-1853) hervorzuheben sind, entführen uns die Grafiken des 19./20. Jahrhunderts auch in die Ferne.

Der in England geborene Edward Theodore Compton lebte seit seinem 18. Lebensjahr in Deutschland, wo er seine Ausbildung zum Zeichner und Maler vertiefte. Die Kunst war jedoch nicht seine einzige Leidenschaft, er machte sich auch als Bergsteiger einen Namen. Auch verstand er es, beide Leidenschaften auf seinen vielen Reisen im In- und Ausland miteinander zu verbinden und die Berge, die er bestieg zunächst in romantischer, schließlich aber in realistischer Weise festzuhalten. Zwei Tuschzeichnungen Comptons mit Motiven aus den ostafrikanischen Kilimandscharo-Massiv liegen in der Auktion vor.

Während seiner gesamten Karriere der Romantik verbunden blieb hingegen der Dessauer Maler Friedrich Olivier, der vor allem bei Aufenthalten in Wien und Rom auf andere Maler des Stils traf. 1846 dienten ihm seine Frau Fanny die sieben gemeinsamen Kinder und er selbst als Motiv für eine Set von neun Aquarellen, die anschließend sicherlich die gute Stube des Künstlerhaushaltes zierten. Zum Zeitpunkt des Entstehens der Portraits lebten Olivier und seine Familie in München, wo der Maler an der Seite von Julius Schnorr von Carolsfeld einige Auftragsarbeiten in der Residenz ausführte.

Des Weiteren werden aufgerufen eine Odalisque von Édouard Manet, Pariser und Dresdner Stadtansichten von Franz Alt, Skizzen von Carl Spitzweg und die Gouache Sieben Enten am Ufer von Alexander Koester. Die beiden letztgenannten Künstler sind auch mit Gemälden der Auktion vertreten, die, nach Büchern und Ikonen, im Anschluss versteigert werden.

Neben Genreszenen, Historienbildern, Stillleben sowie mythologischen und religiösen Themen dürfen natürlich auch Portraits in der Kategorie "Gemälde 15.-18. Jahrhundert nicht fehlen. Von einem Maler der Schule von Fontainebleau stammt ein Portrait der Maitresse des französischen Königs Heinrich IV., Gabrielle d'Éstrées. Die Schule von Fontainebleau war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Umfeld der königlichen Jagdresidenz Schloss Fontainebleau entstanden, wo die ihnen angehörenden Künstler, vom König gefördert, einen eigenen Stil des Manierismus entwickelten. Bestand hatte die Schule bis Anfang des 17. Jahrhunderts.

Ein weiteres interessantes Los stammt vom in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Den Haag tätigen Genre- und Bildnismalers Petrus Staverenus. Auf fünf Holztäfelchen hat er in der bisweilen etwas derb-humorvollen Art seiner Epoche, die Personifikationen der Fünf Sinne wiedergegeben: Geschmack (Mann mit Römer), Gefühl (Bader behandelt Mann), Gehör (Geldzähler), Geruch (Mann mit Tabakspfeife). Nur das Sehen wird von einer Frau, die auf etwas deutet, dargestellt.

Nicht weniger vielfältig als ihre älteren Vorläufer stellen sich die Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar, die den Abschluss der auktion bilden und gleichermaßen humorvoll, gefühlvoll als auch dramatisch daherkommen.

Sehr humorvoll hat Heinrich Bürkel beispielsweise die Szene mit einem Bauern wiedergegeben, der von seinem Stier auf einem Stapel Holz gejagt wurde und nun hilfslos mitzugehen muss, wie seine rote Jacke vom Stier buchstäblich auf die Hörner genommen wird.

Sehr gefühlvoll erschient dagegen die bäuerliche Genreszene von Jean-Eugène Buland. In realistischer Malweise fertigte der in Paris geborene und ausgebildete Buland hauptsächlich religiöse und bäuerliche Szenen. In dem vorliegenden Werk gelingt es ihm, beides miteinander zu verbinden, indem er den jungen Vater andächtig an dem friedlichen Bild teilhaben lässt, das die junge Mutter, ihr Neugeborenes stillend, einer Madonna gleich, darstellt.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf das teuerste Gemälde der Auktion. Das mit Andromeda titulierte Werk wurde um 1870 von John Roddam Spencer Stanhope geschaffen, der dem Kreis der Präraffaeliten angehörte. Die Präraffeliten waren eine Gruppe englischer Maler, die sich, ähnlich den Nazarenern in Deutschland, die italienische Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts zum Vorbild genommen hatten.

Als ein Vertreter der Gruppe fertigte Stanhope Gemälde im präraffaelischen Stil, deren Grundlage Motive aus der griechischen Mythologie waren. Im vorliegenden Fall ist es der Mythos der Andromeda, jener Tochter des äthiopischen Königs Kepheus, die einem Meeresungeheuer geopfert werden soll, von Perseus jedoch gerettet wird. Die Sagen der griechischen Mythologie waren dem gebildeten Publikum des viktorianischen Englands durchaus geläufig, sodass eine an einen Felsen über dem Meer gekettete junge Frau ausreichte, um den Betrachter in den richtigen Kontext zu versetzen.

Diese geschickte Vorgehensweise mit bekannten Motiven erlaubte es den damaligen Malern, sich ungehindert des Sujets der weiblichen Aktmalerei widmen zu können, ohne sich deswegen kritischen Fragen der prüden Viktorianer aussetzen zu müssen.

Die Jubiläumsauktion des Kunstauktionshauses NEUMEISTER findet am 3. und 4. Juli in der Barer Straße 37 in München statt. Dort können auch vom 28. Juni bis 2. Juli alle Objekte der beiden Auktionstage besichtigt werden.

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