"Wenn das, was man Kubismus nannte, nur ein bestimmter Aspekt war, so ist der Kubismus verschwunden, wenn er eine Ästhetik ist, so hat er sich mit der Malerei vereinigt.“ - Juan Gris

Der Kubismus und Juan Gris tauchten etwa gleichzeitig in Paris auf: 1906. Der in Madrid geborenen Gris hatte davor in seiner Heimatstadt Malerei studiert, unter anderem beim späteren Lehrmeister von Salvador Dalí. In Paris ließ er sich schließlich auf dem Montmartre nieder, genauer gesagt in dem heruntergekommenen Haus Bateau-Lavoir, dessen günstige Miete viele Künstler anlockte, darunter Pablo Picasso und Amedeo Modigliani. Juan Gris freundete sich mit beiden an, sein Landsmann Picasso, der ihm Freund und Rivale zugleich war, machte ihn mit dem von ihm und Georges Braque entwickelten Kubismus bekannt, ein Stil, den auch Gris für seine Arbeiten übernahm.

Gris wurde zu einem Hauptvertreter des synthetischen Kubismus, der auf Collagetechniken aufbaute. Ab 1916 begann Gris den architektonischen Aufbau seiner Werke in den Mittelpunkt zu stellen, die Form wurde wichtiger als die Farbe. Aus dieser bedeutenden Phase stammt auch das vorliegende Werk Compotier et verre ("Obstschale und Glas"), das mit seinem Schätzpreis von 2,3 - 3,5 Millionen Euro das Top-Los der Auktion darstellt.

Unter den Impressionisten der Auktion ist Eugène Boudin mit drei Werken vertreten. In allen wird Boudins Bezug zum Meer und seiner Heimatregion Normandie deutlich. Der Grundstein dazu war dem Sohn eines Hafenlotsen bereits in die Wiege gelegt. Den Anstoß, Maler zu werden, bekam er als er Constant Troyon und Jean-François Millet kennenlernte, die als frühe Vertreter der Freilichtmalerei die nordfranzösische Küste bereisten. Nach einem Studium in Paris bereiste und malte Boudin Küstenorte in Südfrankreich, Flandern und Italien. Sein Hauptinteresse galt aber zeitlebens der Normandie.

Als ein weiteres Beispiel der Freilichtmalerei des 19. Jahrhunderts, darf auf Camille Corots Le Fermier de Pithiviers mitgeboten werden. Corot war ein Hauptvertreter der Schule von Barbizon und der bedeutendste französische Landschaftsmaler im 19. Jahrhundert. Corots Œuvre lässt sich in zwei Phasen unterteilen: Die Frühphase mit einer hellen Farbpalette und präzisem Pinselstrich sowie einer späteren Phase, in der der Maler seine Stimmungsbilder mit "wilderem" Duktus ausführte. Das Vorliegende Bild ist noch der ersten Phase zuzuordnen.

Die Abteilung mit Gemälden Alter Meister wird von einer mit Ölfarbe auf einer Kupferplatte gemalten Dorflandschaft am Wasser mit Viehmarkt des flämischen Malers Jan Brueghel d. Ä. angeführt. Unter einem vorwiegend heiteren blauen Himmel spielt sich inmitten einer Gebäudekulisse mit frühbarocken Giebelhäusern das rege Treiben eines Viehmarktes ab. Am rechten Bildrand ist, von einem Baum fast verborgen, eine Kirche zu erkennen. In der Bildmitte erhebt sich nur ganz schemenhaft über den Baumwipfeln ein weiterer sakraler Bau mit flachem Kirchturm und einem Vierungstürmchen, der zu einer größeren Stadt gehören müsste (vielleicht die Sint Rombout-Kathedrale in Mechelen?).

Der Klassiker unter den Gemälden des niederländischen Barock ist das Stillleben, das Willem Claeszoon Heda hier in einer prachtvollen Version mit prachtvollem Schinken auf die Leinwand gezaubert hat. Es ist dem Monochromen Banketje zuzuordnen, einer Sonderform des Mahlzeitstilllebens, das sein Zentrum in der Stadt Haarlem hatte. Heda, ein Sohn der Stadt gilt als Hauptvertreter dieser Gattung, die ihren Namen ihrer einheitlichen, gedämpften Farbgebung und Vanitas-Elementen verdankt.

Das Werk Maria mit dem Kind und ihren Eltern Anna und Joachim des münsterschen Malers Hermann tom Ring erschient wie eine Kombination aus Stillleben, Genreszene, Interieur und religiöser Thematik. Die heilige Familie sitzt am Küchentisch von Anna und Joachim.

Maria hält ihren Sohn auf dem Schoß und umwickelt ihn mit einem Rosenkranz aus roten Perlen, während Anna den Knaben berührt. Joachim ist ist mit der Lektüre des Alten Testaments beschäftigt, während ein Engel mit schwarzen Flügeln die Szene von der Seite betritt. Das Werk ist wie eine Vor- und Rückschau auf das Schicksal des Christusknaben. Während der Engel, der Trauben in der Hand hält auf die Passionsgeschichte hindeutet, verweist die Lektüre des Joachim auf den präexistenten Christus.

Ein weiteres Mal begegnen uns Maria mit dem Christusknaben in der Auktion auf einem Gemälde des Bernardino Luini. Luini war ein Meisterschüler Leonardo da Vincis und verwendete häufig Bildelemente seines Lehrers für seine eigenen Kompositionen. Das vorliegende Werk Maria mit dem Kind, dem Johannesknaben und dem Lamm Gottes ist eindeutig an das Gemälde Anna selbdritt des Meisters aus Vinci angelehnt, sowohl was die Gestaltung der Gesichtszüge als auch das Spiel Jesu mit dem Lamm Gottes betrifft.

Bernardino Luini war vor kurzem in die Schlagzeilen geraten, nachdem die Theorie laut geworden war, er sei der wahre Urherber der Leonardo-Gemäldes Salvator mundi, das im vergangenen Jahr für 450 Millionen USD den Besitzer gewechselt hatte.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die beiden Bildnisse junger Männer, die um 1480 entstanden. Ein Schüler des Venezianischen Malers Giovanni Bellini verewigte einen jungen Mann in rotem Gewand und roter Kappe. Der Bildhintergrund erschient zweigeteilt: während der untere Teil an eine hölzerne Kirchenbank erinnert, ist der obere Teil die Farben des Himmels aufzugreifen.

Auch der Hans Memling zugeschrieben junge Mann trägt eine Kappe über einer im Nacken länger getragenen Haarpracht - offenbar ein länderübergreifender Trend jener Zeit. Die Darstellung erinnert an andere Männerportraits Memlings, aber vor allem auch an sein Selbstportrait, mit dem er sich auf dem Marienaltar für den walisischen Edelmann Sir John Donne 1479 verewigte.

Die Septemberauktion des Auktionshauses Hampel findet am 26. September ab 10 Uhr in der Schellingstraße 44 in München statt. Neben Gemälden Alter Meister, des 19. Jahrhunderts und der Moderne wird auch eine großartige Offerte mit Möbeln, Ikonen, Uhren, Schmuck, Skulpturen, Grafik, außereuropäischer Kunst und allerhand Dekorativem aufgerufen.

Die Ausstellung zur Auktion ist vom 20.-24. September jeweils von 10-17 Uhr sowie am 25. September von 9-12 Uhr für interessierte Besucher geöffnet.

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