15 Uhr - Afrikanische Kunst

Der erste Auktionsabschnitt bei NEUMEISTER am 8. Juni umfasst 21 Lose mit afrikanischer Kunst. Die hauptsächlich aus Holz gefertigten Masken, Figuren und Objekte stammen aus West- und Zentralafrika. Ebenfalls in der Auktion vertreten ist eine Skulptur aus Neuguinea.

Unsere drei Beispiele aus der Auktion zeigen links ein Figurenpaar der nigerianischen Ethnie Igbo (oder "Ibo") und rechts einen außergewöhnlichen Häuptlingsstuhl der Tsokwe aus Angola. Bei der Mittag abgebildeten Maske handelt es sich um ein rituelles Objekt der im Gabun ansässigen Punu. Die Holzmaske, die 1920 von einem Offizier der französischen Armee nach Europa gebracht wurde, findet beim Okuyi Verwendung, einem Übergangsritus der Punu.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besuchte Pablo Picasso Ausstellungen mit afrikanischer Volkskunst in Paris, die nachhaltigen Einfluss auf sein Werk hatte. In seiner Rosa Periode von 1907-09 ist deutlich der Einfluss afrikanischer Masken zu spüren, die Picasso ein neues Gefühl für Ausdruck und Formen vermittelten, der in seinem Werk Demoiselles d'Avignon von 1907 erkennbar ist.

15:15 Uhr - Klassische Moderne

Im Anschluss an die Versteigerung afrikanischer Kunstwerke stehen die Künstler der Klassischen Moderne auf dem Programm. Eines der 146 Objekte ist die Bronzefigur Schlangenbändigerin, die der Bildhauer Fritz Klimsch um 1899 geschaffen hat. Die Figur, die zu Beginn der heute als Klassische Moderne bezeichnete Epoche, erscheint wie ein Symbol des Übergangs, das noch nicht ganz mit dem klassischen Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts abgeschlossen hat, aber bereits eine Linienführung aufweist, die auch dreißig Jahre später noch zu finden sein wird.

 

Zu den vielen ausländischen Künstlern, die es um 1900 ins tonangebende Paris zog, gehörte auch der Amerikaner Maurice Brazil Prendergast, der bereits in jungen Jahren davon geträumt hatte, die Welthauptstadt der Kunst zumindest einmal im Leben besucht zu haben. Diesen Traum erfüllte er sich, als er von 1891-95 in Paris Malerei studierte. Auch später kehrte er dorthin zurück. Eines seiner Liebsten Sujets waren belebte Parkszenen, die er im Stil des Post-Impressionismus festhielt. Die Motive dafür fand er diesseits und jenseits des Atlantik gleichermaßen. Vorliegend wählte er einen sonnigen Tag im Pariser Jardin du Luxembourg, der von spielenden Kindern und den sie beaufsichtigen Müttern und Kindermädchen bevölkert wird.

Zu dem Zeitpunkt, als Prendergast seine Parkansicht malte, hielt sich auch die dreißigjährige Gabriele Münter mit ihrem Lehrer und Verlobten Wassily Kandinsky in Paris auf. Von der dortigen Entwicklung der Malerei unbeeindruckt, blieb Münter ihrem post-impressionistischen Stil treu. Erst die dem Parisaufenthalt folgende Begegnung mit den Künstlern des Blauen Reiters führte zu einem Stilwechsel in Richtung des Expressionismus, deren bedeutende Vertreterin sie wurde.

Das vorliegende Werk entstand beim ersten gemeinsamen Aufenthalt von Münter und Kandinsky im oberbayerischen Murnau. Ein Jahr später erwarb die Malerin dort ein Haus, das sie auch nach der Trennung von Kandinsky zeitweilig bewohnte.

Im Jahr 1923 schwebte der Expressionist Herman Max Pechstein (erneut) auf Wolke 7, was sich auch in seiner Malerei zum Ausdruck kam. Im September heiratete er in zweiter Ehe Marta Möller, die seit zwei Jahren sein Lieblingsmodell war. In den Sommermonaten setzte Max Marta gerne in Strandbildern in Szene. Die Landschaftsmotive dazu fand er am Lebasee und am Gardersee, den beiden größten Strandseen in Hinterpommern im heutigen Polen, von wo aus die Ostseeküste, an der das vorliegende Gemälde entstand, ebenfalls leicht zu erreichen ist.

16:30 Uhr - Post War & Contemporary

Den Abschluss der Versteigerungen bilden Werke des Post War und der Zeitgenössischen Kunst, die in 152 Losen zum Aufruf kommen. Mit dabei sind viele bedeutende Künstler wie Markus Lüpertz, Andy Warhol, der kürzlich verstorbene Robert Indiana, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz oder Jörg Immendorff, von dem nachfolgend ein übermalter Farbholzschnitt von 1984 zu sehen ist. Das Werk ist ein Ausschnitt eines Bildes aus der 19 Arbeiten umfassenden Reihe Café Deutschland, die zwischen 1977 und 1982 entstanden waren.

Nach Beendigung seines Kunststudiums an erschienen Schulen in England konnte Tony Bevan schnell in der dortigen Kunstszene Fuß fassen. Außer in seinem Heimatland wurden seine Arbeiten vor allem in den USA und in Deutschland ausgestellt. Bevan konzentriert sich in seinem Oeuvre hautsächlich auf Darstellungen des Menschen, den er im Kontext mit der politischen und gesellschaftlichen Situation darstellt. Eine positive Prognose für die Zukunft scheint The Seer von 1986 nicht zu haben, ebenso wenig wie der vier Jahre zuvor entstandene Prophet, den Bevan mit gefesselten Händen darstellte.

Das folgende Werk stammt von der im damaligen Ost-Berlin geborenen Künstlerin Cornelia Schleime, die nicht nur als Malerin und Zeichnerin, sondern auch als Musikerin, Filmemacherin, Autorin und mit Selbstinszenierungen Erfolge feiern konnte und kann. In den 1990er Jahren beschäftigte sie sich vorwiegend mit der Malerei und entwickelte eine eigene Technik für die Mischung von Acrylfarben mit Schellack. Auch Adler von 2007 gehört zu diesen Arbeiten.

Im Gegensatz zu Tony Bevan hat der 1939 in Leipzig geborene Ben Willikens rein gar nichts für figürliche Motive übrig. 1977 entfernte er sogar auch sämtliche Figuren aus seiner Version von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl, um einzig den Raum wirken zu lassen. Seinen streng durchkomponierten Idealräumen ohne jede Figurenstaffage blieb er auch anschließend treu und schuf ab den 1990er Jahren Serien von beispielsweise die Cuts, zu denen das folgende Werk gehört.

Wer sich alle Werke vorab der Auktion ansehen möchte, hat vom 3. bis 6. Juni im Auktionshaus NEUMEISTER in der Barer Straße 37 in München Gelegenheit dazu.

Oder man entdeckt sie gleich hier bei Barnebys.

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