Pablo Picasso | Foto: Variety.com Pablo Picasso | Foto: Variety.com

Pablo Picasso - ein Name, ein Begriff, der wie kein anderer in unser aller Unterbewusstsein verankert ist und uns wohlwollend auf das 20. Jahrhundert zurückblicken lässt. Und das, obwohl es von zwei verheerenden Weltkriegen geprägt wurde, aber eben auch von vielen neuen Strömungen in der Kunst, in denen Picasso oft eine bedeutende Rolle gespielt hat.

In seinem langen (Künstler-)Leben hat der visionäre Picasso, Kunstepochen geprägt, wenn nicht sogar initiiert. Er machte Politik in beispiellosem Ausmaß zu Kunst und war bereits zu Lebzeiten so populär, dass er - im Gegensatz zu den meisten anderen Künstlern - von seinem Beruf gut Leben konnte - von den Preisen, die seine Werke heutzutage erzielen, ganz zu schweigen.

"Les Femmes d’Alger (Version O)" (1955). Photo: Christie’s "Les Femmes d’Alger (Version O)" (1955). Photo: Christie’s

Das derzeit teuerste Gemälde von Picasso (Stand April 2018) ist Les Femmes d’Alger (Version O), das 2015 bei Christie's für ca. 179 Millionen USD versteigert wurde. Generell war es damals das teuerste Gemälde überhaupt, bevor es 2017 von Leonardo da Vincis Salvator mundi vom Thron gestoßen wurde.

"Fillette à la corbeille fleurie" (1905) | Foto: Christie’s "Fillette à la corbeille fleurie" (1905) | Foto: Christie’s

Seinen eigenen Verkaufsrekord könnte Picasso mit dem Gemälde Fillette à la corbeille fleurie übertrumpfen, das im Mai 2018 in der Rockefeller-Auktion von Christie's unter den Hammer kommen wird (Schätzwert: 100 Millionen USD).

In Blau und Rosa

Als er Fillette 1905 an die Sammler Leo und Gertrude Stein verkaufte, verdiente Pablo Picasso 150 Francs. Der damals 24 Jahre alte Maler war erst vor kurzem nach Paris gezogen und lebte im Bateau-Lavoir, wo seine blaue Periode von seiner rosa Periode abgelöst wurde. Bereits in seinem Heimatland Spanien hatte er für seine Arbeiten mehrere Preise gewonnen. Der Familientradition folgend, sein Vater arbeitete als Zeichenlehrer, studierte Picasso unterschiedliche künstlerische Disziplinen: Malerei an der Schule für Schöne Künste in A Coruña , Design und angewandte Kunst am La Llotja in Barcelona. Schließlich studierte er auch noch an der Königlichen Akademie von San Fernando in Madrid, die er jedoch vor seinem Abschluss verließ.

"Femme assise” (1902-03) aus Picassos blauer Periode | Foto: The Detroit Museum of Art "Femme assise” (1902-03) aus Picassos blauer Periode | Foto: The Detroit Museum of Art

Zwei tragische Ereignisse beeinflussten Picassos Malweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachhaltig: Der Diphtherie-Tod seiner jüngsten Schwester Conchita 1895 sowie der Selbstmord seines Freundes, des katalanischen Malers Carlos Casagemas sechs Jahre später. Das Gemälde El entierro de Casagemas, das er 1901 aus diesem Anlass malte, gilt als das erste Werk seiner blauen Periode.

”Les deux frères” (1905-06) aus Picassos rosa Periode | Foto: Kunstmuseum Basel ”Les deux frères” (1905-06) aus Picassos rosa Periode | Foto: Kunstmuseum Basel

Nachdem er ab 1903 hauptsächlich in Paris lebte und arbeitete, lernte er das kunstfördernde Geschwisterpaar Leo und Getrude Stein kennen sowie den Galeristen Ambrosia Vollard. Diese Begegnungen gaben ihm einen gewissen finanziellen Rückhalt, was seiner Kreativität zugute kam.

”Demoiselles d’Avignon” (1907) | Foto: pablopicasso.org ”Demoiselles d’Avignon” (1907) | Foto: pablopicasso.org

In Demoiselles d’Avignon, das Picasso 1907 malte, ist der Einfluss afrikanischer Kunst zu spüren und die ersten Anklänge des Kubismus sind spürbar.

Die Macht des Würfels

Zusammen mit Georges Braque schuf Picasso ab 1907 im Künstlerhaus Bateau-Lavoir, auf dem Montmartre, mehrere Gemälde, die Menschen und Objekte auf einfache geometrische Formen reduzierten. Mit diesem Rückschritt weg von der Realität wurde die Technik zu einer Bewegung. Maler wie Gris, Picabia, Delaunay, Brancusi und Gleizes folgten ihnen und die Anführer des Kubismus machten bis zum Ersten Weltkrieg künstlerische und intellektuelle Schlagzeilen. Portraits, Stillleben, Skulpturen, Collagen und eklektische Versammlungen demonstrierten die Fruchtbarkeit von Picassos Inspiration während dieser intensiven "zweidimensionalen" Periode.

"Three Musicians” (1921) | Foto: pablopicasso.org "Three Musicians” (1921) | Foto: pablopicasso.org

Während des Ersten Weltkriegs, an dem Spanien nicht teilnahm, und Picasso in Frankreich nicht zum Kriegsdienst eingezogen werden konnte, arbeitete der Künstler an der Schaffung von Kulissen und Broschüren für das Ballets russes unter der Leitung von Serge Diaghilev, mit dem er sich, wie mit so vielen anderen Künstlern und im Kunstbereich arbeitenden Menschen, anfreundete.

Wer Picassos treuester Freund war, erfahren Sie hier.

Im Universum des Tanzes lernte er auch den Komponisten Igor Strawinsky und die Ballerina Olga Chochlova kennen, die seine Muse und erste Frau werden sollte und mit der er einen Sohn, Paulo, hatte. Der Schriftsteller und Maler Jean Cocteau, der Dichter Apollinaire und der Malerdichter Max Jacob waren Zeugen, als das Ehepaar 1918 heiratete. Der Einfluss surrealistischer Dichter war in Picassos Gemälden, Stichen und Skulpturen in der Zwischenkriegszeit deutlich und er nahm in den 1920er Jahren aktiv an einer Reihe surrealistischer Ausstellungen teil.

”Tête de femme " (Dora Maar, 1941) | Foto: Christie’s. ”Tête de femme " (Dora Maar, 1941) | Foto: Christie’s.

In den 1930er Jahren tauchten die Minotaurus-Thematik und Stierkampfszenen in seiner Arbeit auf, während er auf emotionaler Ebene weiterhin Musen sammelte (darunter Marie-Thérèse Walter und Dora Maar). In Paris und in der Schweiz wurden Retrospektiven organisiert, während der Spanische Bürgerkrieg am Horizont sein finsteres Haupt erhob.

Engagement

Durch Guernica, ein monumentales Werk voller kraftvoller Symbolik, das nach der Bombardierung der gleichnamigen Baskenstadt durch die Legion Condor entstand, nahm Picasso eine radikalere Haltung gegenüber dem Weltgeschehen ein. Er verwandelte seinen Pinsel in eine politische Waffe, und die Präsentation des Gemäldes auf der Weltausstellung in Paris 1937 war eine militante Tat, die am Vorabend des Zweiten Weltkriegs eine beachtliche Schlagkraft hatte.

”Guernica” (1937) | Foto: pablopicasso.org ”Guernica” (1937) | Foto: pablopicasso.org

Als er Ende der 1940er Jahre mit der Kommunistischen Partei des Louis Aragon sympathisierte, wählte Picasso die Seite, auf der er stehen wollte: die des Friedens. Als Symbol griff er jenes der Taube auf, das er nicht nur in seinem Schaffen einsetzte, sondern auch in seinem familiären Umfeld verankerte - durch die Geburt seiner Tochter Paloma (spanisch für "Taube"), geboren 1949, aus seiner Beziehung mit Françoise Gillot.

In den 1950er Jahren, als er in sein achtes Lebensjahrzehnt eintrat, widmete sich Picasso noch einmal einem neuen Betätigungsfeld: der Töpferei im südfranzösischen Vallauris. Zudem huldigte er in einer Reihe von 44 Variationen dem Werk Las Meninas des spanischen Barockmalers Diego Velázquez. Und auch in der Liebe wagte er noch einmal den entscheidenden Schritt und heiratete (zum letzten Mal) seine Muse Jacqueline Roque. 

”Les Ménines” (1957) | Foto: barcelonasecreta.com ”Les Ménines” (1957) | Foto: barcelonasecreta.com

Die Werke Picassos, der nun auf der Höhe seines Ruhms war, waren bereits damals in Gallerien und Museen auf der ganzen Welt zu sehen.

Als Pablo Picasso am 8. April 1973 starb, trugen fast 50.000 Werke seine Signatur (darunter Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Keramiken, Tapisserien und Gravuren). Sein Nachlass, den seinen vier Kindern hinterließ, wurde auf 700 Millionen Euro geschätzt. Aber wenn wir der Wahrheit näher kommen wollen, ist "unbezahlbar" eine viel bessere Bewertung.

Umsonst sind die Werke Picassos natürlich nicht zu bekommen. Endecken Sie realisierte Preise in unserer Datenbank!

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