Der erste Auktionstag startet um 15 Uhr mit der Versteigerung von 263 Losen aus dem Katalog "Jugendstil & Design". Besonders gut vertreten sind hier die Wiener Keramiken von Michael Powolny, die Stücke von Kurt Ohnsorg, der als Pionier der modernen österreichischen Keramik nach 1945 gilt, die eleganten Arbeiten der Brüder Franz und Karl Hagenauer sowie ihrer Werkstätten und die polychromen Gläser der Manufaktur Johann Lötz Witwe im böhmischen Klostermühle.

Über den großen Teich haben es einige frühe Favrile-Glasarbeiten von Louis Comfort Tiffany nach Wien geschafft. Und natürlich sind auch die Künstler der Wiener Werkstätte mit dabei, darunter Josef Hoffmann, Otto Prutscher und Dagobert Peche.

Am Abend des 19. Juni bleibt das Auktionshaus der Epoche treu und bietet ab 18 Uhr 207 gemalte und gezeichnete Werke der Klassischen Moderne an. Mehrere Arbeiten liegen dabei von Egon Schiele, Gustav Klimt und Oskar Kokoschka vor, darunter Zeichnungen weiblicher Modelle, die alle zwischen 1911 und 1914 entstanden sind und zu einem interessanten Vergleich der drei großen Künstler einladen.

Bei der Dame, die Kokoschka als Modell diente, könnte es sich um Alma Mahler handeln, einer Persönlichkeit der Wiener Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts, die nicht nur (nacheinander) mit Gustav Mahler, Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet gewesen war, sondern auch andere bekannte Künstler, darunter Kokoschka, als ihre Liebhaber bezeichnen durfte.

Jeweils mit mehreren Werken in der Auktion vertreten sind die beiden großen österreichischen Gebirgsmaler Alfons Walde und Oskar Mulley, die sich nach dem Ersten Weltkrieg diesem Sujet intensiv zuzuwenden begannen. Die Motive des bäuerlichen Lebens fanden beide Maler in den Bergen Tirols. Während Walde vermehrt auf Winterlandschaften unter strahlenblauem Himmel setzte, die auch für touristische Werbeplakate für die Region Verwendung fanden, fielen die Arbeiten Mulley zwar ebenfalls farbintensiv, doch ein wenig düsterer aus. Auch Personenstaffagen sucht man auf seinen Werken vergeblich.

Ein sehr persönliches Werk stammt vom Bregenzer Maler Rudolf Wacker. Es handelt sich dabei um das zweite Portrait, das er 1926 von seiner Mutter Marianne malte, zu der er eine sehr enge Bindung hatte. Wacker hielt den Arbeitsfortschritt und kompositorische Einzelheiten in seinem Tagebuch fest. Im Hintergrund ist eine Fotografie Marianne Wackers wiedergegeben, die diese als vierjähriges Mädchen zeigt. Der Vergleich zwischen der Mutter als Kind und als alte Frau symbolisiert das Fortschreiten der Zeit und das unaufhaltsame Nahen ihres Todes. Dieses von Rudolf Wacker sehr gefürchtete Ereignis trat drei Jahre nach der Arbeit an dem Portrait ein.

Der zweite Auktionstag ist ganz der Zeitgenössischen Kunst gewidmet, die in 249 Losen und zwei Sitzungen (16 Uhr und 18 Uhr) angeboten wird. Hier darf auf wichtige Werke von Künstlern wie Ernst Fuchs, Rudolf Hausner oder Hermann Nitsch geboten werden oder auf die einen Neubeginn symbolisierende Arbeit Grau, die Gerhard Richter 1973 malte.

Die Versteigerung wird angeführt von einem der populärsten und poetischsten Werke Friedensreich Hundertwasser, das dieser 1982 malte. Zu diesem Zeitpunkt lebte der in Wien geborenen und weit gereiste Künstler seit etwa 10 Jahren in Neuseeland, wo er seinen Traum vom Leben und Arbeiten in der Natur verwirklichte. Zu seinem Lebensstil gehörten auch Ausflüge zu Wasser, die er mit dem hier als Motiv dienenden Dinghi seines Schiffes Regentag unternahm.

Nicht ins sondern über das Wasser führt uns Anruf Rainers Werk Brücke aus dem Jahr 1951. Diese Rarität entstammt der Frühphase Rainers, als sich dieser vom Surrealismus abwendete und seine eigentliche Bestimmung in der Abstraktion fand, für die er das Verhältnis von bemalter und unbemalter Fläche in den Fokus seiner Arbeiten rückte. Rainer begann in dieser Phase seines Schaffens auch mit Übermalungen von Fotografien oder Bildern, die entweder von ihm selbst stammten oder die ihm von anderen Künstlern zur Verfügung gestellt wurden. Besonders bekannt sind seine Face Farces genannten Überholungen von Portraitfotos.

Die Vorbesichtigungen zu den Auktionen am 19. und 20. Juni finden vom 13.-20. Juni in den Räumen des Auktionshauses im Palais Kinsky statt.

Entdecken Sie die alle aktuellen Lose des Auktionshauses im Kinsky hier bei Barnebys.

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