Das bedeutende Cranach-Gemälde war bis 1940 Teil der Kunstsammlung des Bankiers Friedrich (Fritz) Gutmann (1886-1944) gewesen, der es in den 1922 erworben hatte.

LUCAS CRANACH DER ÄLTERE (1472 Kronach - 1553 Weimar) - Portrait des Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen, Öl/Holz, 1530er Jahre LUCAS CRANACH DER ÄLTERE (1472 Kronach - 1553 Weimar) - Portrait des Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen, Öl/Holz, 1530er Jahre | Foto: Christie's

Fritz Gutmann entstammte einer kunstsinnigen Familie. Sein Vater Eugen Gutmann (1840-1925), der 1872 die Dresdner Bank und später die Deutsche Orientbank sowie die Deutsch-Südamerikanische Bank gegründet hatte, war ein begeisterter Sammler von Gold- und Silberobjekten aus der Zeit der Renaissance. Der ältere Bruder Herbert (1879-1942) war als Präsident der Deutschen Orientbank viel in Nordafrika sowie im Nahen und Mittleren Osten unterwegs, wo er mit dem Sammeln von islamischer Kunst begann. Fritz wurde nach dem Tod des Vaters die Verwaltung von dessen Kunstsammlung übertragen, die er durch Gemälde des 15. bis 19. Jahrhunderts erweiterte, wobei der Schwerpunkt auf der deutschen Renaissance lag.

Die Familie Gutmann hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Landsitz Bosbeek nahe Amsterdam niedergelassen, von wo aus sie die Zweigstellen ihrer Bank in den Niederlanden leitete. Bereits 1889 war die gesamte Familie vom Judentum zum Christentum konvertiert.

Dieser Umstand sollte für die Nationalsozialisten jedoch keine Rolle spielen, als sie während des Zweiten Weltkriegs Hand an die Sammlung Gutmann legten. Fritz und seine Frau Louise von Landau waren zunächst in Bosbeek unter Hausarrest gestellt worden. 1943 mussten sie ihr Haus jedoch verlassen und wurden 1944 in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz ermordet.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bemühen sich Fritz Gutmann Erben, die entwendeten Kunstwerke, zurückzubekommen. Ein Teil der Kunstwerke waren von Fritz Gutmann noch vor den Plünderungen der Nazis zur sicheren Aufbewahrung nach Paris und New York verschickt worden, wo über ihren Verbleib nicht viel bekannt war. Das Cranach-Gemälde fand sich zuletzt in einer amerikanischen Privatsammlung, von deren Besitzern es nun an die Gutmann-Erben zurückgegeben worden ist.

Die Erben Fritz Gutmanns erhielten darin Unterstützung durch das Auktionshaus Christie's in New York, wo das Gemälde am 19. April in einer den Werken Alter Meister gewidmeten Auktion zum Aufruf kommen wird. Der Schätzpreis liegt bei 1.000.000 bis 2.000.000 USD.

Detail des Portraits Detail des Portraits | Foto: Christie's

Dargestellt ist der sächsische Herzog Johann Friedrich I. (1503-1554) im Alter von etwa 30 Jahren. Als Kurfürst zählte Johann Friedrich zu den bedeutendsten Fürsten im Deutschen Reich, da die Kursfürsten die Wahl des Römisch-Deutschen Kaisers unterlag. Die Regierungszeit Johann Friedrichs war jedoch von seiner Opposition zum damaligen Kaiser Karl V. geprägt. Johann Friedrich stand nämlich auf Seiten der Reformation, wie bereits zuvor sein Vater und sein Onkel Friedrich, der Martin Luther vor der Reichsacht bewahrt und auf der Wartburg versteckt hatte.

Gemeinsam mit dem Landgraf von Hessen stand Johann Friedrich an der Spitze des Schmalkaldischen Bundes, jenes Zusammenschlusses protestantischer Fürsten, der schließlich vom katholischen Kaiser zerschlagen wurde. Als Folge wurde Johann Friedrich die Kurwürde entzogen.

LUCAS CRANACH DER ÄLTERE (1472 Kronach - 1553 Weimar) Links: Martin Luther als Junker Jörg, 1521, Museum der Bildenden Künste Leipzig | Rechts: Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve, 1926, Weimarer Stadtschloss LUCAS CRANACH DER ÄLTERE (1472 Kronach - 1553 Weimar)
Links: Martin Luther als Junker Jörg, 1521, Museum der Bildenden Künste Leipzig | Rechts: Bildnis der Prinzessin Sibylle von Cleve, 1926, Weimarer Stadtschloss

Johann Friedrich ließ sich wiederholt vom sächsischen Hofmaler Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) portraitieren, den er förderte und der sein vertrauter Freund war. Auch Johann Friedrichs Ehefrau Sibylle von Jülich-Kleve-Berg (1512-1554) wurde mehrfach von Cranach verewigt, genauso wie Martin Luther, dessen Anhänger er war - so wie auch sein kurfürstlicher Gönner.

 

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