Im Fokus der Auktionswoche des Dorotheums im November stehen die Werke moderner und zeitgenössischer Künstler. Die Klassische Moderne wird am 21. November um 18 Uhr versteigert, die Zeitgenössische Kunst folgt in zwei Teilen am 22. November um 18 Uhr sowie am 23. November um 17 Uhr.

Cherchez la femme - Zeichnungen von Schiele und Matisse

Als Egon Schiele 1917 nach zweijähriger Abwesenheit nach Wien zurückkehrte, avancierte er nach und nach zur führenden Persönlichkeit in der dortigen Kunstszene, vor allem nach dem Tod Gustav Klimts im Februar 1918. Es war jedoch nicht der Egon Schiele von früher, der sein Atelier in Hitzing bezog, sondern ein gereifter Charakter, der durch die 1915 eingegangenen Ehe mit Edith Harms sowie die Erfahrungen im Militärdienst während des Ersten Weltkriegs geprägt war. Der weniger brutale und expressionistische Stil, der Schieles Arbeiten nun prägte, machten ihn zum begehrten Portraitmaler, der nun eine gewisse Sensibilität seinen Modellen gegenüber empfand. Zwei seiner Modelle, die sich dem Künstler nur selten in völliger Nacktheit präsentierten, waren seine Frau Edith und deren Schwester Adele, die vermutlich auch für die beiden vorliegenden Zeichnungen Modell gestanden hatten. Die Frage, welche künstlerische Höhen der ohnehin schon geniale Zeichner Schiele noch hätte erreichen können, wird durch dessen frühen Tod im Jahr 1918 leider unbeantwortet bleiben.

Mit direkter und indirekter weiblicher Nacktheit sehen wir uns in den beiden Zeichnungen von Henri Matisse konfrontiert. Die Zeichnung von 1928 zeigt uns einen Einblick und Ausblick seines Ateliers in Nizza, wo er seit 1917 lebte, arbeitete und das warme Klima genoss. Auf einem dreibeinigen Hocker vor der halboffenen Balkontür steht die Skulptur eines weiblichen Torsos, an den Wänden hängen Zeichenblätter. Der weibliche Akt von 1930 zeigt, dass sich Matisse zwischenzeitlich in einer klassischen Periode befand, in der er von den Odalisken Delacroix' und Ingres' inspiriert wurde.

 

Innerhalb und außerhalb des Dinosaurier-Eis

In dem Gemäldepaar Innerhalb und außerhalb der Leinwand hat sich die österreichische Malerin Maria Lassnig mit gewohnt intensiver Selbstreflexion selbst dargestellt. Sie durchdringt förmlich das Thema, sein eigenes Modell zu sein. Die Bereiche vor und hinter der Leinwand verschmelzen zu einem Ganzen, die Barriere des Bildträgers wird zu einer erzählerischen Ebene. Die Gemälde gehören in die Reihe der Körpergefühl-Bilder, die Maria Lassnig zu jenem Zeitpunkt bereits seit beinahe vierzig Jahren malte. In diesen Selbstportraits drückt sie ihre Emotionen durch individuelle Farben aus.

Ab den 1980er Jahren wurde das Ei zu einem zentralen Motiv im Oeuvre des Künstlers Martin Kippenberger. Das Ei mit seiner schlichten Gestalt übte auf ihn eine Faszination aus, das unter seiner unscheinbaren Oberfläche eine enorme Komplexität besitzt - aus scheinbar Nichts kann Großes entstehen. Bei dem vorliegenden Ei handelt es sich um die Aufsicht eines Dinosaurier-Eis, für das eine Abbildung in der Zeitschrift National Geographic Inspiration gewesen war. Kippenberger, der zum Zeitpunkt des Entstehens des Gemäldes bereits an dem Krebsleiden erkrankt war, an dem er im Jahr darauf sterben sollte, hat sich mit dem Dinosaurier-Fötus gewissermaßen selbst portraitiert und drückte damit sein Bedürfnis nach Geborgenheit aus. Als Gegenpol zur Geborgenheit des Eis hat Kippenberger diesem eine Laterne gegenübergestellt, ein weiteres wiederkehrendes Symbol seines Oeuvres, das Pate für Unsicherheit und Alkoholismus aber auch die Fröhlichkeit des unsteten Nachtlebens steht.

MARTIN KIPPENBERGER (1953 Dortmund - 2007 Wien) Links: Ohne Titel, Öl/Lwd., monogrammiert und datiert, 1996 Rechts: Selbstporträt als Thomas Mann, Öl/Lwd. MARTIN KIPPENBERGER (1953 Dortmund - 1997 Wien)
Links: Ohne Titel, Öl/Lwd., monogrammiert und datiert, 1996
Rechts: Selbstporträt als Thomas Mann, Öl/Lwd.

Abgerundet wird das Angebot der Auktionswoche mit Armband- und Taschenuhren am 24. November um 16 Uhr sowie einer Juwelenauktion mit wunderschönem Schmuck am 23. November um 14 Uhr.

Links: ROLEX Oyster Perpetual Cosmograph Daytona, Gold, Perlmutt, um 2001 Rechts: Collier, Gold, Roségold, Silber, Rubine, Diamanten Links: ROLEX Oyster Perpetual Cosmograph Daytona, Gold, Perlmutt, um 2001
Rechts: Collier, Gold, Roségold, Silber, Rubine, Diamanten

Die Ausstellung zu den Versteigerungen der Auktionswoche ist ab dem 11. November im Palais Dorotheum für interessierte Besucher geöffnet. Entdecken Sie das aktuelle Angebot des Dorotheums hier bei Barnebys.

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