Wie eine Märchenfigur erscheint Alfred Kubins Dame im aufgebauschten Abendkleid, die er unter der Verwendung von Kleisterfarbe auf Papier bannte. Diese Technik war ihm  im Frühjahr 1905 von Koloman Moser gezeugt worden, Kubin verwendete sie jedoch nut für wenige Arbeiten. Der mit Aquarellfarbe vermischte Kleisterauftrag bewirkte eine schillernde Oberfläche, die Kubin mit Ritzlinien akzentuierte.

In der pointellistischen Manier, die ihm im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu eigen war, hielt Carl Moll das ihm vermutlich vertraute Interieur eines eleganten Salons fest. Der halbdunkle Raum wird partiell durch Sonnenlicht beleuchtet, das durch eine geöffnete Terrassentür fällt. Das Bild erinnert an die stillen Stunden eines sommerlichen Sonntagnachmittag. Wahrlich meisterhaft hat Moll das durchscheinende Glas einer großen Vase und das durch die Struktur einer Spitzendecke entstandene Lichtspiel wiedergegeben.

Sehen und gesehen werden zeigt das Gemälde Der rote Reiter von Arnold Clementschitsch. Der Fokus des Betrachters ist auf das prachtvolle Pferd mit seiner leuchtenden Fellfärbung gerichtet. Sein Reiter nimmt diese Bewunderung jedoch nicht war, sondern hat seinen Blick nach hinten gerichtet, wo er sich mit jenem einer Frau am Wegesrand kreuzt. Eine männliche Figur, die im Halbdunkel zu lauern scheint, beobachtet Ross und Reiter. Das Gemälde, bei dem mit einem Pferd Clementschitschs Lieblingsmotiv im Zentrum steht, entstand in jener Zeit, die der Maler in München studierte.

Im Abstand von 20 Jahren haben hier die beiden Meister der Wiener Moderne mit schwarzer Kreide Männerportraits zu Papier gebracht. Bei Klimts Arbeit handelt es sich lediglich um eine Studie für das Wandgemälde, das er 1907 für die medizinische Fakultät der Universität Wien fertig stellte. Egon Schiele und der dargestellte Wiener Kunsthändler Paul Wengraf lernten sich 1917 kennen. Gleich dreimal ließ sich Wengraf von Schiele in unterschiedlichen Techniken portraitieren.

Ein äußerst rätselhaftes Selbstportrait liegt uns hier mit jenem von Ernst Fuchs von 1946 vor. Fuchs war in jenem Jahr in das vom Krieg zerstörte Wien zurückgekehrt und besuchte dort die Akademie der bildenden Künste. Der Einfluss des Surrealismus ist unverkennbar, jedoch kannten Fuchs und seine Kommilitonen diesen weitgehend nur vom Hörensagen. Dennoch konnten in dieser Zeit viele Werke entstehen, deren Schöpfer später als die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ betrachtet wurden.

Zwischen 1968 und 1980 lebte Maria Lassnig in New York. In der Zeit, in der das vorliegende Bild entstand, bewohnte sie ein Loft in Soho, das ihr einen fantastischen Ausblick auf die Skyscraper von Lower Manhattan bot. Lassnig war fasziniert von dem Häusermeer der urbanen Landschaft, die sie in New York umgab. Und so ist es auch nicht die zentral platzierte und das Bild dominierende Karin Rudolph, auf die der Betrachter seine Aufmerksamkeit richtet, sondern die Ansicht Manhattans und dem East River dahinter

Vom Regen überrascht wurden einige Spaziergänge bei ihrem Aufenthalt in der Natur. Zum Glück habe einige einen Regenschirm dabei. Die Personen in Bergs Gemälde gehen einerseits eine Einheit mit der sie umgebenden Landschaft ein, wirken andererseits aber wie bedrohliche Außerirdische, so wie sie vor dem leuchtenden Gewitterhimmel aufragen. Gleichsam wirken die aufgespannten Schirme wie UFOs. Berg schafft es, auf einer alltäglichen Situation und einem alltäglichen Gegenstand wie einem Regenschirm eine zweite Ebene zu geben.

Eine interessante Fassade, ein spannender Schatten oder eine unwohnliches Ornament - mehr brauchte  Franz Zadrazil nicht, um bei seinen Spaziergängen auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Später im Studio projizierte er die in Schwarzweiß gehaltenen Fotografien auf einen großen Bildträger auf ergänzte das Bild aus seiner Erinnerung heraus mit Farbe. So schuf Franz Zadrazil eine Art fotorealistischen Impressionismus. Die vorliegende Arbeit zeigt eine Häuserfassade in New York.

Alle vorgestellten Werke werden in der kommenden Auktion des Auktionshauses im Kinsky versteigert. Am 5. Dezember kommen Jugendstil & Design (16 Uhr) sowie Werke der Klassischen Moderne (18 Uhr) zum Aufruf. Am 6. Dezember folgt die Zeitgenössische Kunst in zwei Sitzungen um 16 und 18 Uhr. Die Ausstellung zur Auktion kann vom 30. November bis 6. Dezember besucht werden.

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