Die Herbstauktion im Palais Kinsky beginnt am 23. Oktober um 15 Uhr mit der Versteigerung von Werken Alter Meister. Hier kommt mit dem höchsten Schätzpreis eine Gemeinschaftsarbeit aus den 1530er Jahren von Lucas Cranach d. Ä. und Mitarbeitern seiner Werkstatt zum Aufruf.

Das mit Ölfarbe auf Holz ausgeführte Gemälde hat ein Motiv zum Thema, das Cranach wiederholt dargestellt hat: Das ungleiche Paar. Es zeigt einen betagten wohlhabenden Herrn, der einem wesentlich jüngeren Fräulein einen Ring an den Finger steckt. Das Paar stellt zum einen die Personifizierung von Lust und Gier dar, zum anderen schlicht und einfach die Realität eines ungleichen Paares - eine Realität, die im 16. Jahrhundert gerne zur Zielscheibe von Spott und Hohn wurde und als solche muss wohl auch Cranach Werk aufgefasst werden.

Als ironisches Stilmittel ist oftmals auch der Affe in der Kunst aufzufassen. Und zwar einer den Menschen imitierenden Rolle, die vor allen die Schwächen und Sünden aufzeigen soll. Gemälde dieser Art sind, wie hier bei Marten van Cleve, in der flämischen Renaissance beliebt. Auch im 18. Jahrhundert haben solche "Singerien" eine neue Hochsaison und führten in der Porzellanmanufaktur Meissen zu J. J. Kändlers berühmter Affenkapelle von 1753.

Auch auf dem scheinbar fröhlichen Kirmesfest, das Abraham Teniers um 1646 nach einem Werk seines Bruders und Lehrmeisters David Teniers d. J. schuf, hat sich die eine oder andere Sünde eingeschlichen. Während die meisten der Leute essen, tanzen und flirten, scheint es in der linken Bildhälfte zu einer ernsthaften Auseinandersetzung gekommen zu sein, in deren Verlauf sogar die Messer gezückt wurden. Glücklicherweise können drei Frauen, zwei Männer und ein Besen die beiden Streithähne wieder trennen.

Natürlich gibt es unter den Werken Alter Meister auch Beispiele, auf denen es friedlich zugeht, wie beispielsweise auf einem Blumenstillleben von Jan Brueghel d. J., dem Portrait einer lesenden Dame von Gabriel François Doyen oder dem Hirtenidyll von Philipp Peter Roos, genannt Rosa da Tivoli. Und das triff auch für zwei hochinteressante Kinderportraits zu, die sich lange in hochadeligem Privatbesitz in Wien befunden haben. Die Gemälde, die einzeln aufgerufen werden, waren einst Teil einer Portraitreihe, die der nachmalige Kaiser Ferdinand I. von seinen neun ältesten Kindern 1537 anfertigen ließ. Der beauftragte Maler, war der bedeutende Renaissancekünstler Jakob Seisenegger, der wiederholt für die Familie Habsburg tätig gewesen ist.

Die beiden vorliegenden Portraits zeigen Ferdinands älteste Tochter Elisabeth, die später Königin von Polen werden sollte, und seinen Nachfolger, den späteren Kaiser Maximilian II.

Kinderdarstellungen gehören auch zu den führenden Losen in der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts, die am 23. Oktober um 17 Uhr beginnt. Die besagten Werke stammen von zwei wahren Meistern der realistischen Genremalerei des 19. Jahrhunderts: Ferdinand Georg Waldmüller und Franz von Defregger.

Während von der Tiroler Landschaft eingerahmte Kinderszenen von Anfang an Teil von Defreggers Œuvre waren, wandte sich Waldmüller erst relativ spät der Genremalerei zu, die er in der für ihn typischen Perfektion ausführte, den für ihn spielte nicht nur eine realistische Ausführung eine Rolle, sondern auch die realistische Darstellung der meist ärmlichen Lebensverhältnisse im bäuerlichen Umfeld.

Weitere Gemälde zu dieser Thematik sind mit zwei Arbeiten von Edmund Adler in der Auktion vertreten. In eine von Kühen und Wildtieren bevölkerte Bergwelt nimmt uns der österreichische Maler Friedrich Gauermann mit. Weitere interessante Werke der Auktion stammen von den Künstlerinnen Olga Wisinger-Florian, Tina Blau und Marie Egner.

Nach den vielen Gemälden des ersten Auktionstages erwartet uns am 24. Oktober ab 15 Uhr eine spannende und abwechslungsreiche Offerte mit Antiquitäten aus unterschiedlichen Epochen, darunter Holzplastiken der Gotik, Möbel und Porzellan des 18. Jahrhunderts, Buddhafiguren aus Fernost und moderne Uhren.

Aber es geht auch ganz weit zurück in die Antike. Unter anderem mit drei rotfigurigen apulischen Oinochoi aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Die drei Keramikgefäße werden dem Baltimore-Maler zugeordnet, der der bedeutendste Vasenmaler Apuliens zu jener Zeit war. Da die echten Namen der griechischen Vasenmaler in der Regel nicht überliefert sind, werden Notnamen verwendet, die meist auf dem Aufbewahrungsort der ersten bekannten  Arbeit ihres Œuvres basieren.

Die Auktion umfasst nicht nur moderne Uhren, sondern auch seltene antike Stücke. Zu diesen zählt eine oktogonale Halsuhr mit vergoldetem Messinggehäuse, die um 1580 in Augsburg, einem Zentrum der frühen Uhrenherstellung, angefertigt wurde.

Äußerst selten nur zu finden ist eine kreuzförmige Halsuhr, die im 17. Jahrhundert von einer französischen Äbtissin getragen wurde. Ihr teilweise feuervergoldetes Gehäuse ist mit zahlreichen religiösen Gravuren verziert.

Entdecken Sie jetzt alle Lose des Auktionshauses im Kinsky hier bei Barnebys.

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