Tamara de Lempicka, Autoportrait dans la Bugatti verte (Detail), 1925 | Abb. via Fineartamerica Tamara de Lempicka, Autoportrait dans la Bugatti verte (Detail), 1925 | Abb. via Fineartamerica

Heute zählt Tamara Lempicka zu den bestbewerteten Künstlerinnen, nachdem eines ihrer Werke 2011 bei Sotheby's einen Auktionsrekord von 8,4 Millionen USD erzielte.

Tamara de Lempicka - geboren als Maria Górska in Warschau am 16. Mai 1898 als Tochter einer wohlhabenden und kultivierten Familie - verbrachte ihre Kindheit und Jugend zwischen ihrer polnischen Geburtsstadt, der Schweiz und St. Petersburg. 1914 zog sie in die Hauptstadt damaligen Zarenreiches, um sich zur Malerin ausbilden zu lassen.

Tamara de Lempicka, Danzatrice russa (Danseuse russe), 1924 | Abb.: ©Tamara Art Heritage Tamara de Lempicka, Danzatrice russa (Danseuse russe), 1924 | Abb.: ©Tamara Art Heritage

Dort traf sie Graf Tadeusz Lempicki, einen Rechtsanwalt, den sie zwei Jahre später heiratete. Die russische Revolution im Jahr 1917 zwang das junge aristokratische Paar, ins Exil zu gehen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kopenhagen ließen sie sich schließlich in Paris nieder.

Tamara de Lempicka malt das Portrait ihres Mannes Tadeusz Lempicki, ca. 1928 | Foto via Culturepl Tamara de Lempicka malt das Portrait ihres Mannes Tadeusz Lempicki, ca. 1928 | Foto via Culturepl

Wildes Paris

Unter der Obhut ihrer Cousins, die sei einiger Zeit im Pariser Exil lebten, setzte Tamara ihre Malausbildung bei Maurice Denis an der Académie Ranson und André Lothe an der Académie de la Grande Chaumière fort, während ihre Beziehung zu ihrem Ehemann, der seine verlorenen Privilegien vermisste und nicht viel von Arbeit hielt, verschlechterte. Tamara de Lempicka entwickelte einen Stil, der vom Renaissance-Manierismus und von Kubismus inspiriert war und versinnbildlichte damit den Geist einer Ära, indem die die Pariser Bohème der Années Folles festhielt: eine Gesellschaft, in der reiche Geschäftsleute und mehr oder weniger mittellose russische Fürsten mit Künstlern verkehrten, die nicht nur für ihre Kunst, sondern auch für ihre Exzentrik berühmt waren.

Tamara de Lempicka, Portrait Duchesse de Valmy, 1924 | Abb.: ©Christie's Tamara de Lempicka, Portrait Duchesse de Valmy, 1924 | Abb.: ©Christie's

1922 stellte Tamara de Lempicka im Salon d'Automne ein Portrait aus, das sofort ein Erfolg war. Drei Jahre später nahm sie an der ersten Internationalen Ausstellung für Kunst und Kultur in der französischen Hauptstadt teil. Im selben Jahr reiste sie nach Italien, wo sie bei früheren Aufenthalten Werke von Pontormo kopiert hatte, und präsentierte ihre Werke in Mailand.

Tamara de Lempicka, Le Turban Vert, 1929 | Abb. ©Christie's Tamara de Lempicka, Le Turban Vert, 1929 | Abb. ©Christie's

Im Jahr 1922 präsentierte sie auf dem Salon d'Automne ein Porträt, das ihr praktisch sofort Erfolg brachte. Im Jahr 1925 nahm sie an der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris teil. In diesem Jahr kehrte sie auch nach Italien zurück, wo sie Anfang des Jahrzehnts Werke von Pontormo kopierte und in Mailand Arbeiten zeigte. Weit davon entfernt, trotz ihrer gescheiterten Ehe, die 1928 geschieden wurde, ein Kind von Traurigkeit zu sein, hatte Tamara de Lempicka wechselnde Liebesaffären - sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Ihr gesellschaftliches Leben war in den 1920er Jahren ebenso reich wie ihr künstlerisches Schaffen. Sie selbst stellte sich moderne und befreite junge Frau dar, die keinen Versuch unternahm, ihre Bisexualität zu verbergen. Stattdessen malte sie Frauen in zweifelhaften Posen und kultivierte ihren "Bubikopf".

Tamara de Lempicka, La chemise rose I, ca. 1927 | ©Christie's Tamara de Lempicka, La chemise rose I, ca. 1927 | ©Christie's

Lockruf aus Amerika

Nach ihrer Scheidung reiste Tamara de Lempicka 1929 zum ersten Mal nach New York, wo sie das Portrait der Verlobten des reichen Geschäftsmannes Rufus T. Bush, der sein Vermögen mit Öl verdient hatte, zu malen.

Tamara de Lempicka, Portrait Mrs. Bush, 1929 | Abb.: ©Christie's Tamara de Lempicka, Portrait Mrs. Bush, 1929 | Abb.: ©Christie's

Der Besuch erwies sich als äußerst fruchtbar: Neben der Auftragsarbeit malte sie mehrer Bilder von den Wolkenkratzern des Big Apple in ihrem unverwechselbaren Stil. Während ihres Amerikaaufenthaltes wurden ihre Arbeiten im Carnegie Institute in Pittsburgh ausgestellt. Zurück in Europa wurden sie in gleich mehreren Pariser Galerien gezeigt. Zudem wurde die Künstlerin in ihrer Heimat Polen bei der Internationalen Kunstausstellung in Posen mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.

Tamara de Lempicka, Gratte-ciels, 1929 | Abb. via DeLempicka.org Tamara de Lempicka, Gratte-ciels, 1929 | Abb. via DeLempicka.org

In Paris bezog Tamara de Lempicka ein Haus mit Atelier in der Rue Méchain im 14. Arrondissement und setzte zunächst ihr Leben als Art déco-Ikone fort, bis sie 1933 den schwerreichen österreichischen Baron Raoul Kuffner kennenlernte und schließlich heiratete. Die Vermählung bedeutete eine Veränderung ihres gesellschaftlichen Status' und sie wandte sich von ihrem wilden und so inspirierenden Lebensstil ab.

Tamara de Lempicka, Portrait Baron Raoul Kuffner, 1932 | Abb. via Centre Pompidou Tamara de Lempicka, Portrait Baron Raoul Kuffner, 1932 | Abb. via Centre Pompidou

Vergessen und Erneuerung 

Auf der Flucht vor dem Krieg emigrierte das Ehepaar 1939 in die Vereinigten Staaten, wo Tamara de Lempickas Gespür für Kommunikation und ihre Vorliebe für Raffinesse sich schnell etablierten. Ihre Werke wurden oft ausgestellt, besonders gefeiert wurde sie für ihre Portraits. Stilistisch wandte sie sich allmählich der Abstraktion zu.

Tamara de Lempicka, Model in the Studio (abstract), ca. 1960 | Abb. via DeLempicka.org Tamara de Lempicka, Model in the Studio (abstract), ca. 1960 | Abb. via DeLempicka.org

Trotz ihrer Berühmtheit und der allgemeinen Bewunderung, die ihr vielerorts zuteil wurde, geriet Tamara de Lempicka nach dem Zweiten Weltkrieg ein wenig in Vergessenheit. Erst in den 1970er Jahren, als das Art déco wieder in Mode kam, wurden auch ihre Werke wiederentdeckt. Eine erste große Retrospektive fand 1972 in der Galerie du Luxembourg statt. Die Ausstellung trug enorm dazu bei, dass Tamara de Lempicka wieder ins Bewusstsein von Kritikern und Sammlern zurückkehrte.

Tamara Baronin Kuffner mit ihrem zweiten Ehemann Raoul Kuffner 1962 in Venedig | Foto via Pinterest Tamara Baronin Kuffner mit ihrem zweiten Ehemann Raoul Kuffner 1962 in Venedig | Foto via Pinterest

Tamara de Lempicka starb am 18. März 1980 im mexikanischen Cuernavaca, wo sie zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahren lebte. Ihre Tochter aus aus erster Ehe, Marie-Christine, genannt Kizette, verstreute die Asche der unerschrockenen und lebenshungrigen Künstlerin von der Spitze des Vulkans Popocatépetl.

Tamara de Lempicka, Le rêve (Rafaëla sur fond vert), 1927 | Abb.: ©Sotheby's Tamara de Lempicka, Le rêve (Rafaëla sur fond vert), 1927 | Abb.: ©Sotheby's

Ihr im Jahr 2011 bei Sotheby's New York für 8,4 Millionen USD verkauftes Gemälde Le Rêve (Rafaëla sur fond vert) von 1927 ist möglicherweise nicht der letzte von Tamara de Lempicka erreichte Gipfel.

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