Der französische Maler Gustave Caillebotte (1848 Paris - 1894 Gennevilliers) entstammte als Sohn eines Tuchfabrikanten dem wohlhabenden Großbürgertum von Paris. Die Familie besaß sowohl einen weitläufigen Landsitz in Yerres in der Nähe der französischen Hauptstadt, als auch ein nobles Hôtel particulier in der kunstfreudigen Metropole selbst. Caillebotte begann im Alter von zwölf Jahren zu zeichnen und zu malen. 1873 studierte er an der École des Beaux-Arts.

Als er mit 25 Jahren seinen Vater beerbte, hatte er für alle Zeiten finanziell ausgesorgt. Dieser Umstand ermöglichte es ihm, seiner eigenen Malerei nachzugehen, aber auch befreundete Künstler als Mäzen zu unterstützen. Seine besondere Förderung erfuhren die von der Öffentlichkeit größtenteils abgelehnten Impressionisten, deren Stil er selbst übernahm und mit denen er befreundet war, u.a. mit Edgar Degas, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir. Er kaufte ihre Bilder und organisierte Ausstellungen.

GUSTAVE CAILLEBOTTE - Portrait de l'artiste, Öl/Lwd., 40 x 32 cm, Musée d'Orsay, Paris (B.436) GUSTAVE CAILLEBOTTE - Portrait de l'artiste, Öl/Lwd., 40 x 32 cm, Musée d'Orsay, Paris (B.436)

Als Caillebottes Mutter 1878 verstarb, wurde der Landsitz in Yerres verkauft. Drei Jahre später fand der Künstler ein neues ländliches Domizil in dem Örtchen Gennevilliers, nordwestlich von Paris an der Seine gelegen. Gennevilliers ist dem Ort Argenteuil am anderen Flussufer gegenübergelegen. Argenteuil spielte für die Impressionisten eine wichtige Rolle. Künstler wie Monet und Renoir malten immer wieder Ansichten der kleinen Stadt, die immer mehr Pariser Bürger zur Erholung anzog, und ihrer Umgebung.

Neben der Kunst hatte Gustave Caillebotte ein ausgesprochenes Faible für den Segelsport. Er segelte jedoch nicht nur, sondern baute auch die Boote dazu. Dieses leidenschaftlich praktizierte Hobby diente ihm wiederholt als Motiv für seine Bilder.

Auch das Gemälde Voiliers sur la Seine à Argenteuil, das von der Londoner Galerie Dickinson auf der TEFAF präsentiert wird, ist ein Beispiel für Caillebottes Liebe zum Segelsport. Dargestellt sind vier Boote, die am Ufer der sonnenbeschienen Seine liegen. Ein fünfte nähert sich mit vollem Segel. Bei dem weißen Boot handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Cul-blanc, die Caillebotte 1883 selbst gebaut hatte. Die genaue Wiedergabe der Landschaft und der Häuser am anderen Seineufer zeigt, dass Caillebotte das Bild nahe seines eigenen Hauses in Gennevilliers gemalt hat.

GUSTAVE CAILLEBOTTE (1848-1894) - Voiliers sur la Seine à Argenteuil, Öl/Lwd., 65 x 54 cm, signiert und datiert, 1886 GUSTAVE CAILLEBOTTE (1848-1894) - Voiliers sur la Seine à Argenteuil, Öl/Lwd., 65 x 54 cm, signiert und datiert, 1886, Privatsammlung

Voiliers sur la Seine à Argenteuil ist ein sehr persönliches Werk des Künstlers und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Als vermögender Mann hatte er es auch nicht nötig, für andere zu malen. Dennoch betrieb er die Malerei nicht leichtsinnig. Die Gemälde, die zu Caillebottes Lebzeiten nie ausgestellt worden waren, behielt der Künstler für sich oder verschenkte sie, wie auch wohl in diesem Fall, an Freunde. Dadurch sind viele seiner über 500 Werke nie in die Öffentlichkeit gelangt. Voiliers sur la Seine à Argenteuil entstand 1886. 1969 gelangte es in den Handel und war ab 1973 in einer privaten Sammlung. Nach fast einem halben Jahrhundert kann es jetzt wieder bewundert werden.

Die TEFAF New York Fall findet vom 22. bis 26. Oktober im Historic Park Avenue Armory in Manhattan statt. Galerien sowie Kunst- und Antiquitätenhändler aus aller Welt, darunter auch aus Deutschland, Italien und der Schweiz, stellen fantastische Gemälde und Kunstwerke aus. Alle Informationen zu der Messe erhalten Sie hier.

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