JEAN-HONORÉ FRAGONARD - Der gestolene Kuss, 1788 Abb. via artble.com JEAN-HONORÉ FRAGONARD - Der gestolene Kuss, 1786-88
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Der französische Maler Jean-Honoré Fragonard (1732-1806) war das Kind einer recht frivolen Epoche. Doch auch im Zeitalter des sinnenfrohen Rokokos gab es Regeln, die selbstverständlich hauptsächlich für das weibliche Geschlecht galten. Da die Ehen in der Regel Zweckbündnisse waren, kam es oft zu außerehelichen Eskapaden. War der Ehemann tolerant, durfte sich auch eine Frau (sehr diskret) einen Liebhaber suchen, zumindest nachdem sie für einen Erben gesorgt hatte. Amouröse Abenteuer vor der Ehe waren Mädchen natürlich generell verboten. Eine heimliche Begegnung dieser Art hat Fragonard in Der gestohlene Kuss festgehalten.

FRANCESCO HAYEZ - Der Kuss, 1859 Abb. via mein-italien.info FRANCESCO HAYEZ - Der Kuss, 1859
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Standen im Zeitalter der Romantik eigentlich andere Motive im Vordergrund, dürfen aber auch dort Liebende nicht fehlen. Der italienische Historienmaler Francesco Hayez (1791-1882) malte 1859 ein mittelalterlich gekleidetes Paar in inniger Umarmung.

FRANK BERNARD DICKSEE - Romeo and Juliet, 1884 Abb. via dailymail.co.uk FRANK BERNARD DICKSEE - Romeo and Juliet, 1884
Abb. via dailymail.co.uk

25 Jahre später war der Historismus immer noch aktuell. In diesem Sinne portraitierte der englische Maler Frank Bernard Dicksee das tragischste, wenn auch fiktive, Liebespaar aller Zeiten: Romeo und Julia.

HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC - Im Bett: Der Kuss, 1892 Abb. via totallyhistory.com HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC - Im Bett: Der Kuss, 1892
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1892 wählte Henri de Toulouse-Lautrec sogar zwei Damen des horizontalen Gewerbes, die sich im Bett liegend zärtlich küssen, als Motiv. Toulouse-Lautrec sah darin den "Inbegriff sinnlicher Freude".

EDVARD MUNCH - Der Kuss, 1897 Abb. via weheartit.com EDVARD MUNCH - Der Kuss, 1897
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Im wahrsten Sinne des Wortes "miteinander verschmolzen" ist das Liebespaar auf Edvard Munchs Version eines Kusses. Das Motiv tritt im Werk des norwegischen Symbolisten wiederholt auf. Die Arbeit von 1897 ist Teil des sog. Lebensfries, der die bekanntesten Werke Munchs zusammenfasst, darunter auch Der Schrei. 

GUSTAV KLIMT - Der Kuss, 1908/09 Abb. via Wikipedia GUSTAV KLIMT - Der Kuss, 1908/09
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Das wohl bekannteste "Kuss-Gemälde" ist jenes des österreichischen Jugendstil-Malers Gustav Klimt. Es entstand während Klimts goldener Phase und hieß ursprünglich Liebespaar. Gilt das Gemälde auch allgemein als Allegorie der Liebe, werden immer wieder Vermutungen angestellt, dass Klimt sich selbst und seine Gefährtin Emilie Flöge darauf verewigt hat.

MARC CHAGALL - Der Geburtstag, 1915 Abb. via totallyhistory.com MARC CHAGALL - Der Geburtstag, 1915
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Den akrobatischsten Kuss liefert uns Marc Chagall. Der rückwärts über der dargestellten Frau schwebende Mann muss seinen Kopf äußerst verrenken, um sie küssen zu können. Wie der Name des Werkes verrät, handelt es sich dabei um einen Geburtstagskuss. Gleichzeitig ist es aber auch der Kuss zwischen zwei Liebenden, denn Chagall hat sich und seine Verlobte Bella, die er wenig später heiratete, wiedergegeben. Schwebende Liebespaare sind ein sich wiederholendes Motiv in den Werken Chagalls.

RENÉ MAGRITTE - Die Liebenden, 1928 Abb. via renemagritte.org RENÉ MAGRITTE - Die Liebenden, 1928
Abb. via renemagritte.org

Bilder von Surrealisten werfen nicht selten Fragen auf. Bei den Gemälden René Magrittes ist das nicht anders. So fragt man sich doch, weshalb er die Köpfe seiner Liebenden II verhüllt hat. Distanziert er die beiden damit nicht voneinander? Macht sie so zu Fremden? Die eigentliche Anonymität gilt allerdings dem Betrachter, die Dargestellten bleiben auf diese Weise ungestört.

ROY LICHTENSTEIN - Kiss II, 1962 Abb. via Wikipedia ROY LICHTENSTEIN - Kiss II, 1962
Abb. via Wikipedia

Im Oeuvre von Roy Lichtenstein wird oft geküsst, häufig mit Tränen in den Augen der Geküssten. In Kiss II von 1962 ist das allerdings nicht so. In Lichtensteins typischer Comic-Manier treffen hier die Liebenden in inniger Umarmung aufeinander. Und da ein Kuss mehr sagt als tausend Worte, bedarf es dieses Mal auch keiner Sprechblase...

 

 

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