Alberto Giacometti in Paris in 1951 | Foto: Leopold Museum Alberto Giacometti in Paris in 1951 | Foto: Leopold Museum

1961 hielt Henri Cartier-Bresson mit der Kamera fest, wie Alberto Giacometti seine Ausstellung in der Galerie Maeght in Paris auf- oder abbaute.

Alberto Giacometti, Maeght Gallery, Paris, 1961 © Henri Cartier-Bresson/Magnum Photos Alberto Giacometti, Maeght Gallery, Paris, 1961 © Henri Cartier-Bresson/Magnum Photos

Die Plastik L’Homme qui marche ist im Vordergrund zu sehen, während ihr Erschaffer geschäftig im Hintergrund umherläuft. Die großartige Momentaufnahme in mit geringer Schärfentiefe zeigt Mann und Skulptur in der gleichen Pose: leicht nach vorne gebeugt, machen sie mit dem rechten Bein einen Schritt nach vorn. Es ist eine Aufnahme mitten aus dem Leben eines bedeutenden Künstlers, die diesen inmitten seines Werkes zeigt. Zuversichtlich schreiten beiden in die Zukunft. Eine Zukunft, die jedoch bereits 5 Jahre später zu Ende gehen sollte.

Foto: knoll.com Foto: knoll.com

Ausbildung

Alberto Giacometti kam 1901 im Schweizer Kanton Graubünden als ältestes von vier Geschwistern zur Welt und begann sich bereits in jungen Jahren für die Kunst zu begeistern und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Seine ersten Werke waren Portraits seiner Familienmitglieder, die er im post-impressionistischen Stil seines Vaters Giovanni, der ebenfalls Künstler war, ausführte. Alberto besuchte die Kunsthochschule in Genf und ging im Alter von 21 Jahren nach Paris, um im Zentrum der Kunstwelt seine Ausbildung zu vervollkommnen.

Alberto Giacometti "Diego" (1959) | Foto: Tate Museum Alberto Giacometti "Diego" (1959) | Foto: Tate Museum

In Paris besuchte Alberto Giacometti das Atelier des Bildhauers Antoine Bourdelle im Künstlerviertel Montparnasse und beschäftige sich mit den Ecken und Kanten des Kubismus sowie den Linien afrikanischer Statuen, die aus den Kolonien in die französische Hauptstadt gebracht wurden. Letztere waren seine erste Inspirationsquelle. Doch unter dem Einfluss der Surrealisten entwickelte Alberto zusammen mit seinem Bruder Diego in seinem Atelier in der Rue Hippolyte-Maindron einen eigenen zeichnerischen und skulpturalen Stil, der seine lange Zeit von Zweifeln, Angst und Träumereien geprägte Haltung zu der ihn umgebenden gewalttätigen Welt definierte.

Alberto Giacometti "The Palace at 4 a.m." (1932) | Foto: MoMA Alberto Giacometti "The Palace at 4 a.m." (1932) | Foto: MoMA

1931 gehörte Alberto offiziell der Pariser Surrealistengruppe um André Breton an, wo er mit Joan Miró, Jean Arp, Michel Leiris, Salvador Dali und Tristan Tzara zusammenarbeitete. Er flirtete auch mit dem Symbolismus und begann sich mit Fragen zu Größenverhältnissen zu befassen, indem er kleine spindeldürre Figuren anfertigte, die einer seiner berühmtesten Skulpturen, L’Homme qui marche, vorausgingen.

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Alberto Giacometti "L’Homme qui marche I" (1960) | Foto: Sotheby’s Alberto Giacometti "L’Homme qui marche I" (1960) | Foto: Sotheby’s

Tatsächlich gibt es drei Versionen von L’Homme qui marche, die sich in Größe und Neigungswinkel unterscheiden. Die ersten beiden Versionen wurden, in zehn bzw. neun Exemplaren, in Bronze gegossen, in amerikanischen und europäischen Museen ausgestellt oder von privaten Sammlern aufgestellt. L’Homme qui marche III hingegen, wurde nie final ausgeführt. Ein Exemplar von L’Homme qui marche I kam 2010 bei Sotheby's London für 65 Millionen GBP (ca. 75,7 Millionen Euro) unter den Hammer und wurde so zum teuersten Werk des Künstlers und zur teuersten Skulptur, die jemals versteigert wurde. Beide Rekorde wurden 2015 gebrochen.

Erfahren Sie hier, um welche Skulptur es sich handelt.

Wendepunkt

1935 wurde Alberto aus der surrealistischen Gruppe ausgeschlossen, nutzte jedoch weiterhin deren Einfluss und pflegte die dort geschlossenen künstlerischen Freundschaften. Er begann eine Reihe von Büsten anzufertigen, für die sein Bruder Diego als Modell diente. 1941 kehrte er aus dem vom Krieg geprägten Paris nach Genf zurück, wo er seine Arbeit mit Miniaturen und Maßstäben fortsetzte. Gleichzeitig begann in ihm jedoch der Wunsch zu reifen, ein monumentaleres Werk zu schaffen. Das Ergebnis war Chariot, dessen Inspirationsquelle ein Traumbild war, das seinen Ursprung jedoch in einem realen Erlebnis hatte (siehe Link oben).

Alberto Giacometti "Chariot" | Foto: MoMa Alberto Giacometti "Chariot" | Foto: MoMa

Anerkennung

1945 kehrte der Bildhauer nach Paris zurück, wo er schon bald Annette Arm heiratete, eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, die er während des Krieges in der Schweiz kennengelernt hatte und die sein ständiges Modell werden sollte. Er lehnte André Bretons Vorschlag ab, die Verbindung zur surrealistischen Bewegung wiederherzustellen. Gleichzeitig gewann er durch die Beibehaltung seines neuen Stils Bewunderer, insbesondere Pierre Matisse, einen Kunsthändler (und Sohn des berühmten Malers), der über seine New Yorker Galerie wesentlich zum Ansehen von Alberto Giacometti in den USA beitragen sollte. Dank Matisse gelang es dem Bildhauer, seine Werke wieder in Bronze zu gießen und einige bedeutende Werke für Ausstellungen auf der anderen Seite des Atlantiks zu schaffen, die erste 1948, die nächste bereits zwei Jahre später.

Foto: biography.com Foto: biography.com

1956 zeigte die besonders mit den Surrealisten verbundene Galerie Maeght in Paris, Albertos erste Einzelausstellung in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung war ein Erfolg und der Künstler kehrte bis zu seinem Tod immer wieder dorthin zurück, um seine Werke zu präsentieren, die von den Schriftstellern Jean-Paul Sartre, Michel Leiris und Francis Ponge gefeiert wurden.

Alberto Giacometti "L'Homme au doigt" (1947) | Foto: Tate Museum Alberto Giacometti "L'Homme au doigt" (1947) | Foto: Tate Museum

Ebenfalls 1956 vertrat Alberto Giacometti Frankreich auf der Biennale in Venedig mit einer Reihe von Frauenfiguren, die den Höhepunkt seiner Forschung zu Repräsentation und Bewegung markierten. Sechs Jahre später kehrte er nach Venedig zurück, um den großen Preis der Biennale für Bildhauerei zu erhalten. Weitere bedeutende Auszeichnungen seiner Karriere waren der Carnegie Award und der Guggenheim Award.

Erbe

Als Alberto Giacometti 1966 kinderlos starb, war er ein Künstler, der auf der ganzen Welt als einer der größten Bildhauer des 20. Jahrhunderts geachtet wurde. Doch lässt  sich sein Werk nicht allein auf diese Kunstform reduzieren: auch seine Zeichnungen, Gemälde und Drucke zeugen gleichermaßen von seiner Sensibilität, Menschlichkeit und außergewöhnlichen Erforschung der Form.

Zeichnung von Giacometti | Foto: Catawiki Zeichnung von Giacometti | Foto: Catawiki

Seine Frau Annette strebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1993 den Aufbau der Fondation Giacometti an, für die Alberto Anfang der 1960er Jahre die Grundlagen in der Schweiz gelegt hatte. 2018 soll auf Initiative der Fondation ein Giacometti-Institut im Pariser Bezirk Montparnasse eröffnet werden.

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