Das Modell

Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann (1755 - 1843) wurde in Meißen geboren. Sein Vater verdiente sein Geld eher schlecht als recht an der dortigen Porzellanmanufaktur, weshalb Samuel, der äußerst begabt war, ohne Schulgeld zahlen zu müssen, die Schule besuchen durfte. Im Alter von 20 Jahren nahm er ein Medizinstudium an der Universität Leipzig auf, das er 1779 mit der Promotion an der Universität Erlangen abschloss.

Bereits während seiner Studentenzeit war sein Leben von ständigen Ortswechseln geprägt. Kürzere oder längere Aufenthalte verschlugen Hahnemann u.a. nach Göttingen, Braunschweig, Eilenburg, Dresden, Altona, Torgau und schließlich (1811) nach Leipzig, wo er die folgenden 10 Jahre sesshaft werden sollte - sicherlich zur großen Erleichterung seiner Frau Johanna Leopoldine Henriette, denn ständige Umzüge mit einer auf schließlich 11 Kinder angewachsenen Nachkommenschaft sind kein Vergnügen.

Der ständige Ortswechsel lag in der wirtschaftlich schlechten Situation der Familie begründet. Samuel Hahnemann war nicht nur als praktizierender Arzt tätig, sondern bisweilen auch als Übersetzer, Hauslehrer oder Bibliothekar. Und natürlich nahmen auch seine Studien im Bereich der alternativmedizinischen Behandlungsmethoden (gerne auch in Selbstversuchen) einen Großteil seiner Zeit in Anspruch. 1796 veröffentlichte Hahnemann einen ersten Aufsatz über seine Erkenntnisse, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen (similia similibus curentur). 1810 publizierte er schließlich mit dem Organon der Heilkunst das Grundlagenwerk der Homöopathie.

Trotz der Skepsis, die ihm teilweise entgegenschlug, sprachen seine erfolgreichen Behandlungen für sich und seine Praxis in Leipzig florierte. Außerdem konnte er sein Wissen an Schüler weitergeben. 1821 zog die Hahnemannsche Familie nach Köthen, wo Samuel Hahnemann als Leibarzt des Herzogs von Anhalt-Köthen arbeitete. Weitere Erfolge konnte er durch seine Behandlungsmethoden der 1830/31 grassierenden Cholera für sich verbuchen.

Ein trauriges Ereignis war jedoch 1830 der Tod seiner Frau nach 48-jähriger Ehe, was vier Jahre später zu einem Skandal führte (und zu einem letzten Ortswechsel), als sich der fast 80 Lenze zählende Hahnemann noch einmal so richtig verliebte, nämlich in die exzentrische französische Malerin Mélanie d'Hervilly (1800 - 1878), die er ohne kirchlichen Segen heirate.

Das auf den ersten Blick so ungleiche Paar zog 1835 nach Paris, wo Hahnemann bis zu seinem Tod 1843 weiter erfolgreich praktizierte und forschte, mit großer Unterstützung seiner Frau, die eine glühende Anhängerin der homöopathischen Lehre war und 1840 zur weltweit ersten zugelassenen Homöopathin der Welt wurde.

Der Künstler

In Paris wurde Samuel Hahnemann vom Bildhauer Pierre Jean David d'Angers (1800 - 1856) 1837 portraitiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte d'Angers gerade seine Arbeit am Giebel des Pariser Panthéons vollendet, den er mit den Abbildern berühmter Männer seit der Zeit der Französischen Revolution schmückte.

Wie auch Hahnemann durfte sich auch d'Angers über eine prominente Klientel freuen. Auf einer Reise durch Deutschland in den frühen 1830er Jahren hatte er u.a. Goethe, den Dichter Ludwig Tieck und seinen Bildhauerkollegen Christian Daniel Rauch portraitiert. D'Angers Bildnissen war eine, dem Realismus verbundene große Lebhaftigkeit zu eigen, mit der er sich gegen den damals vorherrschenden klassizistischen Stil wandte.

Christian Vogel von Vogelstein - David d'Angers bei der Arbeit an der Büste von Ludwig Tieck, 1834 Christian Vogel von Vogelstein - David d'Angers bei der Arbeit an der Büste von Ludwig Tieck, 1834

Ein wenig kurios ist die Tatsache, dass d'Angers ständige Suche nach ausdrucksstarken Gesichtern, ihn zu einer Art frühen Paparazzo machten. Er lauerte berühmten Männern auf und hielt ihre so eingefangenen Portraits in Medaillons fest.

Der Ingenieur

Ein Medaillon ist auch auf der Rückseite der vorliegenden Büste Samuel Hahnemanns zu finden. Dieses weist den Bronzeabguss als eine Arbeit des Ingenieurs Achille Collas (1795 - 1859) aus.

Gießereistempel Reduction Mecanique A.LL Collas Brevete auf der Rückseite der Hahnemann-Büste Gießereistempel Reduction Mecanique A.LL Collas Brevete auf der Rückseite der Hahnemann-Büste

Achille Collas macht im Laufe seines Lebens zwei wichtige Erfindungen. Zum einen entwickelte er eine Methode, die es ermöglichte, Portraits von Kameen und Medaillen in Buchillustrationen zu übertragen, zum anderen entwarf er ein Gerät, mit dem er dreidimensionale Bildnisse in kleineren Maßstäben und verschiedenen Materialien reproduzieren konnte.

1838 gründete Collas mit dem Fabrikanten und Bildgießer Ferdinand Barbedienne (1810 - 1892) eine Firma, die sich auf diese Reproduktion von Plastiken spezialisierte. Zu den Produkten gehörten genauso bekannte Arbeiten seit der Renaissance als auch solche von zeitgenössischen Künstlern.

Aus der Zusammenarbeit von Collas und Barbedienne liegt in der Auktion mit einer seltenen Schreibtischgarnitur ein weiteres Objekt vor, dessen Bronzeverzierung vermutlich Samuel Hahnemann darstellt.

Die Auktion bei Kiefer Buch- und Kunstauktionen findet am 4. und 5. Mai in Pforzheim statt. Ab 15 bzw. 11 Uhr kommen in mehr als 5000 Losen Alte und Moderne Kunst sowie Antiquitäten und Bücher zu den unterschiedlichsten Themengebieten zum Aufruf. Eine Besichtigung der Objekte kann zwischen dem 30. April und dem 3. Mai jeweils von 11-18 Uhr im Auktionshaus vorgenommen werden.

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