Weihnachten 1793 heirateten die beiden herzoglichen Schwestern Luise und Friederike zu Mecklenburg-Strelitz den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm bzw. dessen jüngeren Bruder Ludwig. Kurz darauf machte Staatsminister Friedrich Anton von Heynitz, der außerdem Leiter der Königlichen Porzellan-Maufaktur in Berlin war, König Friedrich Wilhelm II. den Vorschlag, die beiden schönen Schwestern in einem lebensgroßen plastischen Doppelportrait für die Ewigkeit festhalten zu lassen. Als Bildhauer wurde Johann Gottfried Schadow gewählt, der in jenem Jahr die Quadriga für das Brandenburger Tor fertiggestellt hatte.

1794/95 fertigte Schadow zunächst Portraitbüsten der Prinzessinnen aus Ton an, anschließend eine erste Version des Standbildes aus Ton, das bei seiner Ausstellung vom Publikum hoch gelobt wurde. Hervorgehoben wurde die Umsetzung klassisch-griechischer Ideale sowie die gekonnte Ausführung eines lebendigen Faltenwurfes der Kleidung. Es folgte die Ausarbeitung als Marmorskulptur.

Links: KPM BERLIN - Prinzessinnengruppe aus Biskuitporzellan nach Johann Gottfried Schadow, 1962-92 | Rechts oben: Königin Luise von Preußen, Portrait von Josef Maria Grassi (1802) | Rechts unten: Prinzessin Friederike von Preußen, Portrait von Johann Tischbein (1796) Links: KPM BERLIN - Prinzessinnengruppe aus Biskuitporzellan nach Johann Gottfried Schadow, 1962-92 | Rechts oben: Königin Luise von Preußen, Portrait von Josef Maria Grassi (1802) | Rechts unten: Prinzessin Friederike von Preußen, Portrait von Johann Tischbein (1796)

Die schönen Prinzessinnen erfreuten sich damals in Preußen großer Beliebtheit. Vor allem die Kronprinzessin war ungemein populär. Ein Detail der Skulptur machte Luise darüber hinaus auch noch zur Modeikone: Die Halsbinde. Schadow hatte Luise mit diesem ungewöhnlichen Accessoire dargestellt, da diese damals anscheinend an einer Halsschwellung gelitten hatte. Ob das der wahre Grund war oder auch nicht, mag dahin gestellt bleiben. Tatsache ist jedoch, dass eine solche Halsbinde von anderen Frauen in ihrer Garderobe übernommen wurde.

Kurz nach der Fertigstellung der Marmorskulptur starb der preußische König. Sein Sohn folgte ihm als Friedrich Wilhelm III. auf den Thron, Luise war nun Königin. Dem neuen König, eine eher nüchterner und fantasieloser Zeitgenosse, missfiel die Skulptur, da er vor allem seine Gemahlin als viel zu nackt und würdelos dargestellt empfand. Daraufhin war das Standbild 90 Jahre lang nicht mehr öffentlich zu sehen.

Luise wurde unterdessen als Idealbild einer (Landes-) Mutter ungemein populär, die nicht nur ordnungsgemäß einer ganzen Reihe Kindern das Leben schenkte, sondern sich auch tapfer dem Erzfeind Napoleon entgegenstellte, bevor sie 1810 im Alter von nur 34 Jahren starb. Friederike machte, nachdem sie 1796 zur Witwe geworden war, durch eine Reihe von Skandalen auf sich Aufmerksam. Nach einer unehelichen Schwangerschaft, einer nicht standesgemäßen zweiten Ehe, war ihr erst bei ihrer dritten Heirat Glück vergönnt und sie wurde dadurch sogar noch Königin von Hannover.

In einer ca. 55 cm hohen Ausführung aus Biskuitporzellan wird die Prinzessinnengruppe seit 1796 bis heute von der KPM Berlin hergestellt. Bei den Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf kommt nun eine Ausführung 1. Wahl aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Aufruf.

Die Auktion, die vom 15.-17. März in Düsseldorf stattfindet, umfasst neben Skulpturen auch Asiatika, Teppiche, Kunsthandwerk, Zeichnungen, Grafiken sowie Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts. Einige weitere Highlights sehen Sie hier.

Bei seiner Ansicht der Stadt Arnheim von 1641 setzte der niederländische Maler Jan van Goyen auch die ländliche Umgebung ab. Rund zwei Jahrhunderte später bediente sich auch Carl Spitzweg einer solchen Bildaufteilung, wobei er jedoch die Feldarbeit der Bauern in den Fokus rückte.

Eine gemeinschaftliche Arbeit der böhmischen Glasmanufaktur Loetz Witwe und der Berliner Bronzegießerei Arndt & Marcus liegt in der Auktion in Form einer außergewöhnlichen Stehlampe vor, deren Mittelteil mit Karneolglas verziert wurde.

Die 1850 gegründete in Klostermühle Glashütte Johann Loetz Witwe gehörte zu den bedeutendsten ihrer Art in der Epoche des Jugendstils. Besonders bekannt war sie für ihre Mineralsteine imitierenden Glaskompositionen. Die Karneol-Stehlampe wurde 1889 auf der Pariser Weltausstellung vorgestellt und von der Kritik hoch gelobt. Fünf Exemplare wurden dort direkt nachbestellt.

Die Versteigerungen der Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf beginnen an allen drei Auktionstagen  (15.-17. März) um 10 Uhr. Vom 7. bis 13. März können alle 2500 Lose der Auktion vor Ort begutachtet werden. Oder Sie schauen sie sich gleich hier bei Barnebys an!

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