1 Blick auf die Installationen von Alberto Giacometti: In His Own Words. Sculptures 1925 - 34. © The Estate of Alberto Giacometti (Fondation Giacometti, Paris and ADAGP, Paris), licensed in the UK by ACS and DACS, London 2016.

Daraus hat sich die Ausstellung Giacometti: In his own words bei Luxembourg & Dayan entwickelt. Alle Exponate stammen aus den Jahren 1925-34; einer Zeit in Giacomettis Leben und Karriere, in der er vielleicht nicht immer so gefeiert worden war, wie es hätte sein sollen. Die Ausstellung bietet einen seltenen Einblick in Giacomettis Entwicklung und seine künstlerischen Kämpfe, die der Katalysator für seine späteren, typischeren Werke waren. Mit mehr als 18 Skulpturen, von denen viele noch nie zuvor in Großbritannien zu sehen waren, erinnert uns die Ausstellung daran, weshalb Giacometti noch immer als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts gefeiert wird.

Die Werke fangen das Gefühl von Giacomettis Schwierigkeiten, seinen unnachgiebigen Willen die Wahrheit auszudrücken, auf existentielle Weise ein. In jenem Jahrzehnt war die Erinnerung grundlegend für Giacometti. Zur selben Zeit experimentierte er mit Primitivismus, Kubismus und Surrealismus.

Um die Bedeutung dieses radikalen Werkkomplexes zu untersuchen, veranstaltete Luxembourg & Dayan unter dem Vorsitz von Yuval Etgar, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Luxembourg & Dayan sowie Doktorand der zeitgenössischen Kunstgeschichte und Theorie an der Ruskin School of Art, University of Oxford, ein Gespräch mit dem Künstler Antony Gormley und Casimiro Di Crescenzo, dem ehemaligen Erforscher von Giacomettis früher Karriere sowie stellvertretender Direktor des Sainsbury Centre Calvin Winner.

2 Blick auf die Installationen von Alberto Giacometti: In His Own Words. Sculptures 1925 - 34. © The Estate of Alberto Giacometti (Fondation Giacometti, Paris and ADAGP, Paris), licensed in the UK by ACS and DACS, London 2016.

Die drei Redner wurden gebeten, ein Objekt der Ausstellung auszuwählen und anhand daran zu diskutieren, was es für Giacomettis künstlerische Auseinandersetzung bedeutete, die er als seine „Wahrheit“ betrachtete. Casimiro Di Crescenzo wählte „Torso“, ein Werk, das einen Wendepunkt in Giacomettis Karriere bedeutet hatte. Drei Jahre bevor er die Skulptur fertigte, studierte Giacometti Bildhauerei und Zeichnen bei Emile-Antoine Chaumière an der Pariser Académie de la Grande Chaumière. Zu diesem Zeitpunkt war Giacometti völlig unzufrieden damit, seine Werke nach lebenden Modellen zu schaffen. „Torso“ hatte er völlig aus dem Gedächtnis geschaffen und ist eines der ersten der Werke, die von Giacometti auf diese Weise gefertigt wurden, in einer Ausstellung.

Im April diesen Jahres wird das Sainsbury Centre for Visual Arts dem 50. Todestag Giacomettis (†1966) mit einer großen, neuen Ausstellung gedenken – Alberto Giacometti: A Line through Time. Calvin Winner von Centre bezeichnet die frühen 1920er als eine Zeit, in der Giacometti „versuchte, seine eigene, visuelle Sprache zu entdecken.“ Auch wenn Giacomettis Nachkriegs-Arbeiten weitverbreitet als eine der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts angesehen werden, so sind wir doch auch oft „geblendet von dieser Nachkriegs-Periode“ und seine frühen Werke nun in solch gebündelter Form zu sehen, zwingt uns, Giacometti aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Die frühen Werke sind sowohl wichtig für das Verstehen des Künstlers, wie sie auch die „kostbare Natur seines Talentes“ vor uns ausbreiten.

Winner wählte aus den Exponaten "Femme", eine schlichte Figur, die im starken Gegensatz zu Giacomettis späteren Arbeiten steht. "Femme" ist „weich und sanft“. Winner betont auch den großen Einfluss, den Giacometti auf die britische Kunstszene, aus der zu jener Zeit viele Künstler, wie Henry Moore, nach Paris gingen und dortige Künstler trafen – darunter auch Giacometti.

Antony Gormley sagte, dass die Ausstellung einen „ehrgeizigen, hungrigen jungen Mann [portraitiert], der Dinge, die er zum ersten Mal gesehen hat, isst und wieder hochwürgt“. Für Giacometti spielte der Kubismus eine wichtige Rolle bei seiner Suche nach der Wahrheit, da er ihm „eine Welt [zeigte], die er auseinandernehmen und wieder zusammenbauen konnte“.

Gormley wählte "Objet désagráble à jeter", ein Objekt, das er als „Befreiung der Skulptur von der Präsentation“ beschreibt. Das Werk stammt aus einer Zeit, in der Afrikanische Kunst ihren Weg in die Pariser Kunstszene fand. Eine Zeit, in der das Objekt machtvoll war und „zum Fetisch wurde“. Dieses Werk, das ursprünglich für den Boden bestimmt war und nicht im herkömmlichen Sinne gezeigt werden sollte, „befreite die Skulptur zurück in die Welt“ und nicht auf einem Sockel gefesselt. Eine Empfindung, die, wie Gormley betont, auch heute noch relevant ist – so wie es auch Louise Bourgeois mit ihren öffentlichen Arbeiten hält.

„Zur Besessenheit in [Giacomettis] Leben... [wurde], die Idee von einem Stil zugunsten von etwas Universellem zurückzustellen. Eine Trennlinie zwischen uns und dem Anderen.“

Die Tatsache, dass Giacometti 1.400 Briefe schrieb, unterstreicht diese Besessenheit von ihm noch zusätzlich. In seinen Briefen bleibt er kritisch. Er spricht vom Versagen nicht als etwas Negatives. Stattdessen bedeutete es für ihn etwas Kreatives, das ihn weiter antrieb. Gormley erklärte, wie Giacometti „seine Schreiben als ein Werkzeug nutzte, um seine eigenen Annahmen, seine eigene Geschichte zu hinterfragen. Er konzentriert und analysiert eine Erfahrung in seinen Schriftstücken.“

Alberto Giacometti: In his own words bei Luxembourg & Dayan wurde in Zusammenarbeit mit der Fondation Alberto et Annette Giacometti, der Alberto Giacometti Stiftung, der Pierre and Tana Matisse Foundation, der Morgan Library und anderen privaten Geldgebern verwirklicht. Dabei handelt es sich zum jetzigen Zeitpunkt um die umfassendste Ausstellung, die einzig dieser Periode in Giacomettis Œuvre. Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet, der ein neues Essay von Casimiro di Crescenzo enthält. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.

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