Um 1900 beschäftigen sich zwei Bildhauer in Berlin und zwei Bildhauer in Paris mit der Modellierung von bronzenen Kinderfiguren. Ihre Namen waren Franz Iffland, Julius Paul Schmidt-Felling, Juan Clara Ayats und Demétre Chiparus. Während Iffland und Schmidt-Felling in ihrer Heimatstadt Berlin arbeiteten, hatten sich Clara und Chiparus, die aus Spanien und Rumänien stammten wie viele andere Künstler jener Zeit in Paris niedergelassen.

Chiparus war über Italien nach Frankreich gereist und hatte in Florenz Bildhauerei studiert. Später sollte er vor allem für seine eleganten Tänzerinnen-Skulpturen aus Chryselephantin bekannt werden, die zu den emblematischsten Objekten des Art déco gehören. 1914 stellte er in Paris jedoch seine erste Serie aus, die aus realistischen Kinderfiguren bestand.

Über die erste Zeit von Schmidt-Fellings Karriere ist nur wenig bekannt. Nachhaltig in Erscheinung trat er um die Jahrhundertwende mit seinen vom Geist des Jugendstils geprägten Arbeiten, die antike Themen, Sportler, Arbeiter und eben auch Kinderfiguren umfassten. Wie Chiparus beherrschte er auch die Chryselephantin-Technik.

Ein ähnliches Œuvre wie sein Berliner Kollege kann auch Franz Iffland vorweisen. Die Gemeinsamkeiten der Arbeiten widerspiegeln die Bedeutung dieser Themen zu jener Zeit: Auf der einen Seite der Luxus, mit dem sich die Oberschicht umgab und der in der hohen Dekorationskunst des Art déco gipfelte. Zum anderen war es der Alltag der im Laufe des 19. Jahrhunderts massiv angewachsenen Arbeiterschicht, deren Probleme am Vorabend des Ersten Weltkriegs immer deutlicher zutage traten.

Auch die Auffassung der Kindererziehung hatte sich ab dem späten 18. Jahrhundert verändert. Pädagogen und Sozialreformer wie Friedrich Fröbel betrachteten die Kindheit als eine besondere Phase im Leben eines Menschen. Zuvor waren Kinder in der Regel wie kleine, "unfertige" Erwachsene behandelt worden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts treten Kinderfiguren in Kunst und Kunsthandwerk häufig auf. Neben den hier vorgestellten Bronzearbeiten sind vor allem die meist spielende Kinder darstellenden Porzellanfiguren zu nennen, die Julius Konrad Hentschel für die Porzellanmanufaktur Meissen schuf. 1934 kamen noch die ähnlich gearteten "Hummel-Figuren" der Porzellanfabrik W. Goebel hinzu.

Als ein weiterer Bildhauer in Paris, der Kinderfiguren aus Bronze modellierte, war der in Spanien geborene Juan Clara Ayats. Clara hatte die Kunst der Bildhauerei in seiner Heimat erlernt bevor er sich gemeinsam mit seinem Bruder José, der ebenfalls Bildhauer war, in Paris niederließ und dort ein Atelier betrieb. Ab 1907 konnte er seine Kinderfiguren regelmäßig in den Pariser Salons präsentieren.

Alle vorgestellten Bronezfiguren werden am 22. September im Auktionshaus Zwack in Gunzenhausen versteigert. Die Auktion mit rund 290 Losen umfasst außerdem Gemälde und Grafiken, Möbel und Historika, Schmuck, Uhren und noch viele weitere Kategorien. Versteigerungsbeginn ist um 13 Uhr.

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