Die Auktionswoche startet am 15. Mai um 18 Uhr mit den Künstlern der Klassischen Moderne. Neben dem Werken internationaler Künstler wie Henri Matisse, Edward Cucuel, Edgar Degas oder Marino Marini liegt ein besonderer Fokus auf der Wiener Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts, von deren bedeutenden Vertretern Gustav Klimt und Egon Schiele sich der jeweilige Todestag 2018 zum 100. Mal jährt.

Aus dem Besitz der Erben Egon Schieles stammt ein beidseitig mit Bleistiftzeichnungen versehenes Papier, das der Künstler selbst mit der Jahreszahl 1914 versehen hat. Dargestellt ist jeweils ein Frauenakt, einmal in kniender, einmal in liegender Position. Vermutlich entstanden die Zeichnungen in Schieles Atelier im damaligen Wiener Vorort Hietzing. Die Kolorierung des "knienden Aktes" stammt jedoch nicht von Egon Schiele selbst. Sie wurde der Zeichnung nachträglich hinzugefügt, sehr wahrscheinlich von Anton Peschka, der ebenfalls ein Wiener Künstler war und seit dem Entstehungsjahr der Zeichnungen mit Schieles Schwester Gertrude verheiratet.

Eine "Schönheit im Exil" kommt mit der Großen Stehenden von Fritz Wotruba zum Aufruf. Wotruba, der seit 1927 eine eigene Werkstatt in Wien leitete, ging nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland ins Schweizer Exil. Er und seine Frau Marian ließen sich bis zu ihrer Rückkehr in die Heimat 1945 in Zug nieder. Ein zeitweiser Ortswechsel führte sie nach Genf, wo 1942 die Große Stehende, aufgrund ihres "Geburtsortes" auch Genfer Venus genannt, entstand. Die Skulptur gehört noch in Wotrubas figürliche Periode der Plastik, die in der Nachkriegszeit allmählich in abstrakte Formen überging.

Mit einem weiblichen Halbakt, der etwa zeitgleich mit jenen Egon Schieles entstanden war, ist Gustav Klimt in der Auktion vertreten. Aber auch mit weiteren Arbeiten. Unter der Losnummer 14 kommen zwei Kreidestudien zu Klimts Werk Irrlichter von 1903 zum Aufruf. Die Rückseite des verwendeten Papiers zeigt eine weitere Studie, die 1900/01 entstanden war und zu dem Portrait der Bergsteigerin Rose von Rosthorn-Friedmann führen sollte.

Links: GUSTAV KLIMT - Rose von Rosthorn-Friedmann, 1901 | Foto: Wikipedia Rechts: GUSTAV KLIMT - Irrlichter, 1903 | Foto: klimt.com Links: GUSTAV KLIMT - Rose von Rosthorn-Friedmann, 1901 | Foto: Wikipedia Rechts: GUSTAV KLIMT - Irrlichter, 1903 | Foto: klimt.com

In der Auktion würdig vertreten ist Frankreich mit Zeichnungen von Henri Matisse und Edgar Degas. Mit der Zeichnung Danseuse debout, les mains derrière le dos ("Stehende Tänzerin, die Hände hinter dem Rücken") befinden wir uns inmitten Degas' liebsten Umfeld, bei den Tänzerinnen der Pariser Oper, die er meist während ihres Trainings abseits der Bühne malte, was auch auf die vorliegende Zeichnung zutrifft. Degas scheint die dargestellte Tänzerin vor deren Auftritt eingefangen zu haben, als diese noch einmal Hand an ihr Kostüm legt und ganz in Gedanken auf ihr wichtigstes Werkzeug hinunterblickt: ihre Füße.

Als die in Pittsburgh geborene Mary Cassatt 1894 ihre handkolorierte Druckgrafik Beim Füttern der Enten anfertigte, lebte sie seit 20 Jahren in Frankreich. Nachdem sie sich zunächst auf die Klassiker des Barock gestürzt hatte, konnte Edgar Degas sie überzeugen, sich den Impressionisten anzuschließen. Durch ihre Arbeiten und ihre Vermittlung, half sie dabei, den neuen Malstil auch in den Vereinigten Staaten populär zu machen. Cassatts bevorzugtes Motiv waren Szenen mit Müttern und Kindern.

Ein Meisterwerk des kolumbianischen Malers Fernando Botero liegt mit seiner Odalisque vor, bei der er nicht nur eines der beliebtesten Motive der Orientmalerei im 19. Jahrhundert aufgreift, sondern auch sein eigenes Werk, das für ihn in den 1950er Jahren stilbildend werden sollte. Mit einem Mandolinen-Stillleben begann Botero in jener Dekade, sein eigenes Empfinden für überdimensionierte Proportionen und Formen zu entwickeln, die heute seinen unverkennbaren Stil ausmachen.

Mit dem im selben Jahr wie Botero geborenen Gerhard Richter und seinem nicht betitelten Werk von 2008 wechseln wir nun von der Klassischen Moderne zur Zeitgenössischen Kunst, die das Dorotheum im Zuge der Auktionswoche in zwei Blöcken versteigert: am 16. Mai um 18 Uhr sowie am 17. Mai um 17 Uhr.

Von Andy Warhol kommt am 16. Mai das Diptychon Two Diane Keaton von 1984 zum Aufruf, das dieser im Auftrag der Zeitschrift Vanity Fair ausführte. Als Vorlage wählte Warhol ein Bild der Schauspielerin aus deren im selben Jahr erschienen Film Flucht zu Dritt (Original: "Mrs. Soffel"). Die Handlung des Films spielt im Jahr 1901 und Keaton war entsprechend gekleidet. Ein Umstand, den Warhol aufgriff und die Schauspielerin für das Diptychon in eine Art mystische Ikone mit Schleier zu verwandeln.

So voller Gegensätzlichkeiten wie seine Heimatstadt Venedig sind auch die Werke des Malers Emilio Vedova. Vedova setzte in sein informellen Arbeiten auf Kontraste zwischen Hell und Dunkel und definierte seine Raumbildung aus den daraus resultierenden Flächen. Als Vertreter des Informell ließ er sich dafür ganz von seinem Unterbewusstsein leiten, die Linienführung und geometrische Muster traten mit der Zeit immer weiter in den Hintergrund.

Mit den beiden höchsten Schätzpreisen der Auktionswoche gehen zwei Arbeiten des italienischen Künstlers Lucio Fontana an den Start. Seit den 1940er Jahren perforierte Fontana seine Leinwände, um den Arbeiten eine dreidimensionale Note zu geben und die flache Leinwand aufzubrechen. Die so geschaffene Verbindung zwischen Kunst und realer Welt, hat er in seinem Spätwerk, aus dem die beiden vorliegenden "Raumkonzepten" stammen, so sehr vervollkommnet, dass es, nach eigener Aussage, keiner Verbesserung mehr bedurfte.

Die drei Kunstauktionen der Auktionswoche vom 15.-18. Mai werden ergänzt durch die Versteigerung von Juwelen am 17. Mai um 13 Uhr sowie einer Uhren-Auktion am 18. Mai um 16 Uhr. Ab dem 5. Mai ist die Ausstellung zu den Auktionen im Dorotheum geöffnet. Der Schmuck darf dort bereits seit dem 28. April in Augenschein genommen werden.

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