Zwei spielende Knaben und ein Papagei 1799 Zwei spielende Knaben und ein Papagei 1799. Foto: Städel Museum

Ungewiss ist ob Städel jemals direkten Kontakt zum Boissieu hatte. Boissieu war nicht nur Künstler, sonder auch Kunstkenner und Sammler. Als Teil des Kommitees, dass ein Museum in Lyon gründete war er nicht nur ein Zeitgenosse sodern auch ein "Kollege" des Museumsgründers Städel.

Besucht werden kann die Ausstellung vom 11. Februar bis 10. Mai 2015. Die Werke gehören nicht nur zum ältesten Bestand der Sammlung, sondern stellen auch die umfassendste Sammlung von Werken Boissieus in Deutschland dar. Gezeigt werden nun 13 Zeichnungen und 38 Radierungen, mit denen das Museum das Schaffen des Künstlers eindrucksvoll beleuchtet.

stadel-2 Ausstellung Jean-Jacques de Boissieu. Ein Zeitgenosse Städels. Foto: Städel Museum.

Obwohl die Werke aus einer Zeit revolutionärer Umwälzungen in Frankreich stammen, haben sie die Provinz rund um Lyon zum Thema und reflektieren das Leben dort als ruhig und von Stabilität geprägt. Lyon war nicht nur Boissieus Geburtstadt; als die zweitgrößte Stadt Frankreichs genügte sie den Bewohnern als Lebenszentrum, während sich der Fokus anderer Regionen Frankreichs ausschließlich auf Paris beschränkte. Die Genreszenen, die er schuf, setzen sich mit fast philosophisch anmutenden Themen auseinander. Zuhören, sehen, lernen und lehren, geben und nehmen, Arbeit und Handwerk, ruhen und spielen, jung und alt  - werden in eindringlicher Detailgenauigkeit beschrieben.

Selbst-Portrait Jean-Jacques de Boissieu. Foto: Städelmuseum Selbst-Portrait Jean-Jacques de Boissieu. Foto: Städel Museum

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Zeitlebens konzentrierte er sich hauptsächlich auf Zeichnungen und Radierungen. Es ist nur eine kleine Anzahl an Gemälden bekannt. Seine Natur und Alltagsstudien sind lebensnah und unbeeindruckt von akademischen Normen, was daran liegen kann, dass Boissieu zwar aus einer adeligen Familie kam, aber, da sein Vater früh verstorben war, an einer kostenlosen Schule lernte, anstatt die professionelle Kunstakademie zu besuchen. Anfangs arbeitete er vor allem im Auftrag bürgerlicher Familien.

Unter den Werken, die ausgestellt werden, befinden sich auch ein paar Radierungen, die besondere Ereignisse in Lyon beschreiben, wie zum Beispiel den Besuch von Pabst Pius VII 1804.

Desweiteren gibt es Radierungen in denen Boissieu Kompositionen holländischer Künstler erforscht hat, wie zum Beispiel im Werk „Les grand charlatans" (1772) nach einem Gemälde von Karel Dujardin. Mit diesem Interesse an holländischer Kunst lag Boissieu am Puls seiner Zeit.

Deichdurchbruch 1782 Deichdurchbruch 1782. Foto: Städel Museum

Obwohl er seine meiste Zeit in Lyon verbrachte, pflegte er gute Kontakte mit Verlegern in Paris, Nürnberg und Mannheim, die er am Anfang seiner Karriere für Veröffentlichungen nutzte. Ab 1764 – 1807 war Boissieu selbstständig für den Druck seiner Werke zuständig. Nur im hohen Alter gab er diese Aufgabe wieder an Verleger ab, dieses Mal Frauenholz in Nürnberg und Artaria in Mannheim.

Letztendlich war er auch Mitglied des Institut de France und der Akademien in Lyon, Florenz und Bologna. Von 1762 bis 1764 hielt der Künstler sich in Paris auf und kam mit einflussreichen Künstlern wie Jean-Baptiste Greuze (1725-1805) als auch Sammlern wie Pierre-Jean Mariette (1694-1774) in Kontakt. Als Teil der Entourage von Louis-Alexandre de La Rochefoucauld (1743-1792) reiste er sodann nach Genua, Neapel und Rom. Auf dieser Reise machte er auch Bekanntschaft mit dem Philosophen Voltaire und dem Archäologen und Historiker Johann Joachim Winckelmann.

Landschaftseindrücke und vorallem das Spiel des Lichts, das ihn auf diesen Reisen beeindruckte, hielt er mit schnellen Pinselstrichen fest. Die Zeichnungen fungierten später häufig als Vorlagen für andere Radierungen, eine dieser Zeichnungen ist auch in der Sammlung Städels zu finden.

Ab 1771 bis zum Ausbruch der Französischen Revolution war Boissieu im Dienst des Hofes, was ihm für mehrere Jahre ein geregeltes Einkommen beschert hatte, dann aber beinahe das Leben gekostet hätte, wäre er nicht auf Grund seiner Arbeit unter Schutz gestellt worden.

Wunderschön am Wasser gelegen: Das Städelmuseum in Frankfurt am Main Wunderschön am Wasser gelegen: Das Städelmuseum in Frankfurt am Main

Jutta Schütt, Leiterin der Abteilung für Drucke und Zeichnungen nach 1750 am Städel Museum, bemerkt, dass die Werke Boissieus auch Zeugen des geschulten Auges des Bankiers und Gewürzehändelrs Städel sind. Als Sammler erwarb er nicht nur Werke großer Meister sondern konnte auch fachmännisch zu Werken seiner Zeit Stellung beziehen. Sogar eine Kopie des catalogue raisonné, den der Künster 1801 mit 65 Jahren herausgab, findet sich in der Sammlung Städels.

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