Damien und Manuela Boquet gehören zu der Art von engagierten Galeristen, die Imstande sind, ihre Umgebung mit ihrer Liebe zur Kunst anzustecken. Wir trafen sie in ihrer Pariser Büro-Galerie, wo sie uns mit Wärme und Gemütlichkeit empfingen und mit einem italienischen Kaffee verwöhnten.

Bei Damien Boquet Art Foto: Courtesy of Barnebys Bei Damien Boquet Art
Foto: Courtesy of Barnebys

Das gab uns die Gelegenheit, die Geschichte der Galerie und des Paares, welches die Zeichnungen und Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts so liebt, zu verstehen. Seit 1997 ist Damien Boquet auf die moderne Kunst vom Impressionismus bis zur Nachkriegszeit spezialisiert.

In jüngerer Zeit hat die Galerie ihren Fokus vor allem auf die internationalen Avantgarden zwischen 1920 und 1950 (insbesondere Dada und Surrealismus) gerichtet.

Bei Damien Boquet Art Foto: Courtesy of Barnebys Bei Damien Boquet Art
Foto: Courtesy of Barnebys

Vom 22. bis 27. März stellt Damien Boquet im Salon du Dessin eine besonders interessante Auswahl an Zeichnungen unter dem Thema Le Masque et son Double, Une histoire des Avant-Gardes entre ombre et lumière [Die Maske und ihr Double. eine Geschichte der Avantgarde zwischen Licht und Schatten] (1922-1948) aus.

Ein schönes und ambitioniertes Thema für Damien Boquet, der die umfassende kuratorische Betreuung solcher Events betont: "Wir wollen die Geschichte von so vielen Arbeiten der Avantgardisten entlang eines roten Fadens erklären: Das Theater und die Masken."

GINO SEVERINI - (1883-1966), Tête de Polichinelle, Kohle/Papier, 48,2 x 41,7 cm, signiert, ca. 1922/23 GINO SEVERINI - (1883-1966), Tête de Polichinelle, Kohle/Papier, 48,2 x 41,7 cm, signiert, ca. 1922/23

Diese Ausstellung von musealer Qualität wird sich auf den Zeitraum zwischen 1922 und 1948 konzentrieren, als die Schöpfungskraft und künstlerische Erneuerung besonders dynamisch waren. Die Avantgarde enthüllte die Wahrheit, sie ist das Gegenteil der Illusion. Aber vor allem beginnt sie nun auch, sich in bei den darstellenden Künsten zu präsentieren, im Theater, beim Kabarett, bei den Kostümen usw.

Darin liegt der Widerspruch dieses spannenden Themas: Die Masken enthüllen mehr als sie verbergen. „Das sind die Darstellungen der Zerbrechlichkeit und der Einsamkeit derer, die etwas erschaffen (Maler, Schauspieler, Dichter, Modedesigner)“, schreibt Damien Boquet im Ausstellungskatalog. „Kurz gesagt, seltsamerweise sind diese Masken intime Portraits. Sie verraten mehr, als sie verbergen.“

VICTOR BRAUNER - Ohne Titel, Gouache u. Graphite/Papier, 21,5 x 13,5 cm, bezeichnet, signiert und datiert, 12.4.1941 Foto: Courtesy of Barnebys VICTOR BRAUNER - Ohne Titel, Gouache u. Graphite/Papier, 21,5 x 13,5 cm, bezeichnet, signiert und datiert, 12.4.1941
Foto: Courtesy of Barnebys

Egal um welche historische Epoche es sich handelt, die Künstler teilen mit ihrer Kunst das, was sie tief in sich selbst verspüren. In den 1920er Jahren herrschte nach dem Ende des Krieges eine Zeit der Freude und die Maske ist eher spielerischer Natur. Die 1930er Jahre mit dem in ihnen Aufsteigenden Totalitarismus und der Angst vor einem neuen Konflikt, brachten viel tragischere Masken hervor. Während des Zweiten Weltkrieges sind die Künstler von der anherrschenden Gewalt und einer schlechten Umgebung geprägt, sodass die Masken nun dämonische, beinahe schamanistische Züge annehmen.

ESTÉBAN FRANCĒS (1913-1976) - Masques fantastiques, Zeichenstift, Aquarell, Gouache u. Aufrauhung/Karton, 58,3 x 73,4 cm, ca. 1940-42 Foto: Courtesy of Barnebys ESTÉBAN FRANCĒS (1913-1976) - Masques fantastiques, Zeichenstift, Aquarell, Gouache u. Aufrauhung/Karton, 58,3 x 73,4 cm, ca. 1940-42
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Die Arbeiten auf Papier, die Damien Boquet präsentieren wird, sind ein lebendiges Zeugnis für diese turbulente Epoche unserer Geschichte. „Papier hat einen spontaneren Charakter, ist intimer und auch intellektueller“, erklärt uns der Experte für das 20. Jahrhundert.

Jenseits der Bildentstehung ist es tatsächlich der historische Kontext, der es uns ermöglicht, die Arbeiten in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen. Dazu braucht es eine sehr menschliche und realistische Leseweise. „Diese Künstler sind mehr als Künstler, sie sind Revolutionäre“, resümiert Damien Boquet.

Le Masque et son Double: Une histoire des Avant-Gardes entre ombre et lumière (1922-1948) wird vom 22. bis 24. März 2017 beim Salon du Dessin (Palais Brongniart, Place de la Bourse, Paris 2e) am Stand von Damien Boquet Art (Stand 34) zu sehen sein. Gehen Sie hin, Sie werden nicht enttäuscht sein!

In Kürze veröffentlicht Damien Boquet Art zudem einen Katalog, in dem die Ausstellung in ihrer Gesamtheit präsentiert werden wird.

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