Wandgemälde, Drucke, Münzen, Medaillen, Skulpturen, Sgraffiti, Mosaiken, Illustrationen, Briefmarken, Tapisserien, Banknoten, Bühnenbilder, Kostüme, Keramiken und sogar eine Galionsfigur - als der Schweizer Künstler Hans Erni 2015 im Alter von 106 Jahre starb, hatte ein Leben hinter sich, in dem er sein Dasein als Künstler voll und ganz und auf vielfältige Art und Weise ausgelebt hatte.

Hans Erni kam 1909 als Sohn eines Schiffsmaschinisten in Luzern zur Welt. Nach dem Abschluss an der Volksschule begann er eine Lehre als Vermessungs- und später als Bauzeichner. Sein wahres Interesse galt jedoch kreativeren Dingen und im Alter von 18 Jahren besuchte er schließlich die Kunstgewerbeschule in seiner Heimatstadt. Als er ein Jahr später die französische Hauptstadt besucht, gewinnt er den Jahreswettbewerb der Académie Julien. Anschließend vervollkommnet Erni seine Technik an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.

Anfang der 1930er Jahre hält sich Hans Erni wiederholt in Paris auf und steht in Kontakt mit Künstlern wie Hans Arp, Piet Mondrian oder Wassily Kandinsky. Am meisten beeindrucken ihn jedoch die Arbeiten von Georges Braque und vor allem von Pablo Picasso, über den er 2006 anlässlich von dessen 125. Geburtstag sagt: "Pablo Picasso ist ein Leitbild für die Kunst des 20. Jahrhunderts, auch für mich“.

Hans Erni beginnt sich vermehrt mit der abstrakten Malerei auseinanderzusetzen als er Aufträge für großformatige Wandgemälde erhält. Auch beteiligt er sich an den ersten Ausstellungen und wird 1937 Mitbegründer der Schweizer Künstlergruppe allianz. 

Hans Erni bereiste im Laufe seines Lebens viele Länder: Um an Ausstellungen teilzunehmen, für Aufträge, Studienzwecke und später auch um Ehrungen entgegenzunehmen. Seine Wege führen in viele Länder Europas, nach New York und Montreal, Indien, Japan und China, in den Nahen Osten sowie Mauretanien, Guinea und den Senegal. Jeder Aufenthalt in der Fremde war eine Inspiration.

Besonders häufig hielt sich Hans Erni jedoch in Paris auf, wo er ab den 1950er Jahren ein Atelier besaß, in dem er vierzig Jahre lang immer wieder arbeitete. In den 1980er Jahren kam ein weiteres Atelier in St. Paul-de-Vence in Südfrankreich dazu. Dennoch blieb er seiner Geburtsstadt Luzern ein Leben lang treu, deren Ehrenbürger er 2004 wird. Dort wurde er zudem 1979 anlässlich seines 70. Geburtstags mit einem eigenen Museum geehrt. 30 Jahre später erhielt er den Schweizer Lifetime Award.

Hans Erni stellte seine Fähigkeiten als Künstler gerne für politische Zwecke zur Verfügung, mit denen er sich identifizieren konnte. Er setzte sich für den Naturschutz und das Frauenwahlrecht sowie die atomare Abrüstung ein. Auch der Klimawandel beschäftige den 90-jährigen Künstler in dessen später Schaffensphase.

Angeregt durch seine Reisen und seine persönlichen Überzeugungen, war die Völkerverständigung eines seiner größten Anliegen, die UNO war wiederholt sein Auftraggeber. Die gezeichnete Friedenstaube wurde zu einer Art persönlichem Symbol des Künstlers.

Auch der Sport war ein wichtiger Faktor des sehr asketisch lebenden Hans Erni. Er entwarf Plakate und Medaillen für verschiedene Wettbewerbe, darunter verschiedene Olympische Spiele. 1948 war Hans Erni selbst Teilnehmer der Spiele in London gewesen: Im Bereich Kunst, die damals noch Teil der Wettbewerbe war. Aus dieser Begeisterung für körperliche Aktivität resultierte wohl auch seine Leidenschaft für die Aktmalerei und die damit verbundene Körperlichkeit.

Was das Geheimnis ist, um am Ende eines 106 Jahre währenden Lebens ein allgemein anerkannter und verehrter Künstler zu sein? Mit Sicherheit die Beibehaltung einer positiven Neugier und Offenheit, Disziplin (Hans Erni arbeitete bis kurz vor seinem Tod täglich in seinem Atelier) und vor allem die "Fähigkeit sich immer wieder neu zu erfinden, um jung zu bleiben", wie er selbst einmal sagte.

Die vorgestellten Werke von Hans Erni sind Teil der 58. Auktion des Auktionshauses Zofingen, die vom 30. November bis 2. Dezember stattfindet. Die Ausstellung dazu ist vom 18.-26. November für Interessenten geöffnet. Der Katalog mit über 2200 Losen beinhaltet eine schöne Offerte mit Gemälden und Grafik, Silber, Porzellan, Glas und Möbeln, Uhren und Schmuck sowie asiatische Kunst.

Alle Objekte der Auktion finden Sie hier bei Barnebys.

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