Was hat Sie dazu bewogen, in den Kunsthandel einzusteigen?

„Mein Interesse an der Kunst und meine Liebe zu ihr entwickelten sich bei mir schon während der Schulzeit. Dadurch entschloss ich mich nach dem Abitur zu einem Studium der Kunstwissenschaften. Großartige Ausstellungen wie die Dalí-Retrospektive in Paris 1978 oder jene über die Russische Avantgarde in Frankfurt und Los Angeles bestärkten mich darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ein Übriges taten bis heute zahlreiche Besuche in Galerien sowie Begegnungen und Freundschaften mit großen Künstlern der Pop-Art, der Transavanguardia-Bewegung und jungen Akademiekünstlern.“

AV1 ROY LICHTENSTEIN (1923–1997) - Brushstrokes, 1967 Preis: 1.750 EUR

felixmüller_christian_rohlfs CONRAD FELIXMÜLLER (1897–1977) - Christian Rohlfs, 1927 Preis: 2.950 EUR

Was bedeutet der Begriff „Kunst“ für Sie?

„Kunst ist ein Vereinbarungsbegriff innerhalb einer Gesellschaft. Jede Zeit findet ihren eigenen ästhetischen Ausdruck. Historisch gesehen entwickelten sich die Künste aus ihrem Beitrag zur materiellen Organisation von Kulten und Ritualen. Heute verstehen wir unter Kunst eine gekonnte schöpferische Gestaltung, die weitgehend auf Intuition beruht und außerhalb der Zweckhaftigkeit steht, somit jenseits der Wissenschaft. Der Terminus „Kunst“ ist gleichbedeutend für bildnerische Kunstwerke geworden und gilt als das Ergebnis menschlicher Kreativität und schöpferischer Leistung. Der Kunstliebhaber entwickelt häufig eine besondere Objektbeziehung. Dann kann Kunst ein Übertragungsobjekt sein, Erinnerungen und Wünsche wachrufen, oder auch Macht und Abgrenzung ausdrücken. Kunst stellt im Idealfall das dar, was wir nicht in Worte kleiden können, etwas, was uns tief berührt.“

AMS_John_Lennon_IV_20155 ARMIN MÜLLER-STAHL (*1930) - John Lennon IV, 12/2015 Preis: 1.250 EUR

barlach_maedchen_seitlich ERNST BARLACH (1870–1938) - Sitzendes Mädchen, 1908 Preis: 1.450 EUR

Welche Art von Kunst verkaufen Sie bzw. welche Voraussetzungen muss ein Kunstwerk erfüllen, damit es in Ihr Angebot aufgenommen wird?

„ARTEVIVA fokussiert auf originale Papierarbeiten und limitierte Skulptureneditionen der Klassischen Moderne und etablierten Gegenwartskünstler. Grundsätzlich sehen wir sehr genau hin, aus welcher Quelle ein Kunstwerk stammt. Darüber hinaus überprüfen wir in angemessenem Umfang die Echtheit, auch mithilfe eines Restaurators.“

AV2 NIKI DE SAINT PHALLE (1930–2002) Das Monster, 1995 Preis: 1.990 EUR

Welchen Service bieten Sie Ihren Kunden?

„Vor dem Kauf zählen dazu Beratung, individuelle Kunstsuche und auf Wunsch eine Kurzbeschreibung und Werkeinordnung des Kunstwerks. Falls vorhanden, erhält der Kunde einen Auszug aus dem Werkverzeichnis. Außerdem garantieren wir zeitlich unbegrenzt für die wertbestimmenden Angaben und für die Echtheit. Nach dem Kauf übernehmen wir auf Wunsch die Einrahmung der Bilder unter konservatorischen Gesichtspunkten und den sicheren Versand in transportgerechter Verpackung. Für diesen Service berechnen wir nur einen kleinen Aufschlag auf unsere Selbstkostenpreise, sogar wenn wir dem Kunden Leistenmuster zur Auswahl für eine Sondereinrahmung zur Verfügung stellen. „Mondpreise“ für Rahmen, die bei normaler Qualität bis zu 1.000 Euro wie auf Kunstmessen beispielsweise kosten, gibt es bei uns nicht. Wir versenden ein Kunstwerk bereits nach Bestelleingang in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen – fertig gerahmt. Damit sind wir sicherlich einer der servicefreundlichsten in der Kunstbranche.“

Welches war das teuerste Objekt, das bei Ihnen verkauft wurde?

„Eine sehr seltene, originale Dalí-Grafik für 17.500 Euro. Unser Schwerpunkt liegt derzeit auf dem Segment bis 10.000 Euro.“

Heckel_Eukalyptusblätter ERICH HECKEL (1883–1970) - Eukalyptusblätter, 1966 Preis: 2.950 EUR

Immendorff_Duchamp JÖRG IMMENDORFF (1945–2007) Queen of Duchamp, 1988 Preis: 1.950 EUR

Ist zurzeit ein Objekt in Ihrem Angebot, das Sie besonders empfehlen können?

„Markus Lüpertz ist ein zeitgenössischer Künstler, dessen Werk in der Tradition der Klassischen Moderne verwurzelt ist, aber einen ausgeprägten Personalstil entwickelt hat. Deshalb empfehle ich seine Originalgraphik „Mann mit blauer Trompete“ von 2015. Als passionierter Jazzer hat Lüpertz darin beiden seiner Leidenschaften Ausdruck verliehen: Der bildenden Kunst und der Musik.“

Luepertz_Mann_Hut_blaue_Trompete MARKUS LÜPERTZ (*1941) - O.T., Mann mit blauer Trompete, 2015 Preis: 1.400 EUR

Wie schätzen Sie das Potenzial des Internets bei dem Verkauf von Kunst und Antiquitäten ein?

„Das Internet wird – wie alle Gütermärkte – auch den Kunstmarkt deutlich verändern, mehr Transparenz schaffen als bisher und den Kunstkauf demokratisieren, also das Herrschaftswissen über Quellen und Kunstpreise zugänglicher machen. Das heißt aber nicht, dass Sachkenntnis überflüssig würde – im Gegenteil. Der Kunstkunde wird künftig erwarten, dass der Händler seine Kompetenz öffentlich macht und das Kundenvertrauen fachlich rechtfertigt. Ich glaube, wir stehen erst am Anfang einer grundlegenden Transformation des Kunstmarkts durch die Möglichkeiten des Internets. Heute gilt die soziale Website Instagram als ein recht bedeutender Kunstumschlagplatz für jüngere Käufer, aber auch Informations- und Handelswebseiten verändern das Marktgeschehen. Es gibt derzeit noch keine weltweit führende, große Plattform für die sichere und seriöse Abwicklung von Kunstverkäufen. Sotheby’s hatte vor zehn Jahren einen Anfang gewagt, aber neben anderen Gründen auch aufgrund aufgeblähter administrativer Strukturen das Projekt als zu kostenaufwendig wieder aufgeben müssen. Wünschenswert für beide Seiten – Handel und Kunstkäufer – wäre eine solche international weitumspannende Plattform, die Kunst von überprüften Kunsthändlern anbietet, aber auch die Zahlung des Kunstkäufers sicherstellt.
Jetzt freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Barnebys und die Möglichkeiten, die sich daraus für mein Geschäft ergeben werden.“

Vielen Dank, Dr. Dagmar Gold, für die Beantwortung unserer Fragen. Auch Barnebys freut sich auf eine gute Zusammenarbeit.

Alle Angebote von ARTEVIVA bei Barnebys finden Sie hier.

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