Andy Warhols Selbstportrait von 1963/64 Schätzpreis: 5 - 7 Millionen GBP (ca. 5,7 - 8 Millionen EUR) Andy Warhols Selbstportrait von 1963/64
Schätzpreis: 5 - 7 Millionen GBP (ca. 5,7 - 8 Millionen EUR)

In den frühen 1960er Jahren hatte der legendäre Pop Art-Pionier großen Erfolg mit seinen Portraits von Stars wie Marilyn Monroe, Jackie Kennedy und Elizabeth Taylor. Mit seinem 1963/64 geschaffenen Selbstportrait wird der Künstler zum ersten Mal zu seinem eignen Motiv. Es ist sozusagen sein erstes Selfie - um einen aktuellen Terminus zu verwenden.

Dies war ein Wendepunkt, der in seinem gesamten Oeuvre widerhallen sollte und mit dem er es Rembrandt, van Gogh und Picasso gleichtat, indem er in die Reihen der bedeutendsten und einflussreichsten Selbstportraitisten der Kunstgeschichte eintrat. Warhol schuf das Werk im Alter von 35 Jahren. Nun, 30 Jahre nach Warhols Tod, wird es zum ersten Mal in einer Auktion angeboten.

„Im Zeitalter von Instagram, fühlt sich Warhols Prophezeiung ‚in der Zukunft wird jeder für 15 Minuten weltberühmt sein‘ so wahr an wie nie zuvor und das erste Selbstportrait des Künstlers, für das dieser Fotos aus einem New Yorker Fotoautomaten verwendete, war nie relevanter für die zeitgenössische Kultur. Das Werk ist von immenser kunsthistorischer Bedeutung, da es den Moment markiert, in dem Warhol sich den großen Selbstportraitisten anschließt“, sagt James Sevier, Spezialist für Zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s.

Zu der Zeit, als das Selbstportrait entstand, erblühte Warhols Ruhm in der Kunstwelt. 1963 wollte die berühmte Kunstsammlern Florence Barron ihr eigenes Portrait im damals bereits ikonischen Stil. Ivan Karp, Händler der legendären New Yorker Leo Castelli Gallery, konnte allerdings Künstler und Förderin davon überzeugen, dass ein Selbstportrait passender wäre. Der Händler, der davon überzeugt war, dass eine Reihe von Selbstportraits, Andy Warhol in ganz neue Sphären emporheben würden, hatte schon seit längerem versucht den Künstler dazu zu überreden: „Du weißt, dass die Leute dich sehen wollen. Dein Aussehen hat teilweise zu deinem Ruhm beigetragen - er nährt die Fantasie.“

Das Selbstportrait wurde mit Bildern erstellt, die aus einer New Yorker Fotokabine stammten. Die Verwendung eines solch unkonventionellen Ausgangsmaterials war zu jener Zeit äußerst innovativ und erweiterte Warhols Aura der technischen Erfindungen, die diesen umgab, seitdem er einige Jahre zuvor den Einsatz des Siebdruckverfahrens in der Kunst vorangetrieben hatte. Das Technik, die er nun für sein Selbstportrait verwendete, war bereits zuvor für ein Portrait der bekannten New Yorker Sammlerin Ethel Scull zum Einsatz gekommen.

Die Fotostreifen aus den Automaten eigneten hervorragend für Warhols Vision einer neuen Ära der Kunst der Pop-Kultur: Sie waren mechanisch, demokratisch und durch und durch amerikanisch. Im Zeitalter, bevor die Fotografie allgegenwärtig wurde, konnte sich auf dieser Art und Weise jeder in Szene setzen wie ein berühmter Star.

1968 wurde Andy Warhol durch einen auf ihn abgefeuerten Schuss schwer verwundet. Und obwohl er überlebte, wurden Themen wie die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens in seinem Werk immer deutlicher. In seinem Werk Self-Portrait with Skull von 1978 sowie in der berühmten Fright Wig-Serie von 1986, konfrontiert sich Warhol selbst mit der Realität in einer Rembrandt ähnlichen Intensität.

Mehr als bei jedem anderen Künstler vor ihm, waren Warhols Image, Identität und konstruierte öffentliche Person untrennbar mit seiner Kunst verbunden. Seine Selbstportraits wurden zu den reichsten und fruchtbarsten Objekten seiner Selbsterfindung. Sie machten ihn zu einer Ikone mit einem Wiedererkennungswert, den vorher nur Stars wie Elvis, Marilyn Monroe oder Elizabeth Taylor für sich beanspruchen konnten.

In seinem ersten Selbstportrait sowie in allen folgenden präsentiert sich Andy Warhol als konstruierte Fiktion. Es erinnert uns an ein Statement des Künstlers von 1967: „Wenn du etwas über Andy Warhol erfahren möchtest, dann schau dir einfach die Oberfläche meiner Bilder an, meine Filme und mich und da bin ich dann: da ist nichts dazwischen.“

Andy Warhols erstes Selbstportrait wird am 28. Juni bei Sotheby’s in London versteigert.

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