Calvin Hui, Direktor der INK ASIA Foto: Courtesy of INK ASIA Calvin Hui, Direktor der Ink Asia
Foto: Courtesy of INK ASIA

Wie wurden Sie zum Direktor der Ink Asia 2016? Erzählen Sie uns von Ihrem beruflichen Werdegang.

Ich bin Co-Vorsitzender und Direktor der Kunstmesse Ink Asia, die von der Art & Antique International Fair Ltd. organisiert wird. Andy Hui, der Direktor der Fine Art Asia, ist ebenfalls Vorsitzender und wir leiten das Unternehmen gemeinsam. Es gibt drei von uns organisierte Messen: Fine Art Asia, Ink Asia und Guardian Fine Art Asia.

Von der Fine Art Asia haben Sie vielleicht bereits gehört. Die Ink Asia habe ich erst im vergangenen Jahr gegründet und die Guardian Fine Art-Messe entstand in Peking in Partnerschaft mit China Guardian Auction House. Unser Teil der Partnerschaft ist es nun, die Fine Art Asia nach Peking zu bringen. Neben meiner Arbeit für die Ink Asia-Messe habe ich die letzten fünf Jahre für Fine Art Asia gearbeitet und gerade erst im letzten Jahren haben wir uns dort dafür entschieden, eine neue Messe namens Ink Asia zu begründen. Mittlerweile habe ich eine echte Leidenschaft für die Ink Art (Tuschmalerei) entwickelt und möchte sie der Welt näher bringen. Ich denke, im Hinblick auf die Definition der Marke und der Werbestrategie ist es gut, dass ich mich auf die Ink Asia konzentriere und Andy Hei weiterhin auf Fine Art Asia, da wir unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen haben, um unsere Partner-Galerien und den Markt entsprechend fördern zu können.

INK ASIA 2015 Ink Asia 2015

Was hat Sie dazu inspiriert, die Ink Asia ins Leben zu rufen?

Dafür gibt es zwei hauptsächliche Gründe: Zum einen sehe ich das Geschäftspotenzial in dieser Branche. Viele Leute haben mich gefragt, ob es nicht riskant wäre, eine Kunstmesse zu schaffen, die sich ausschließlich auf einen ganz bestimmten Bereich der Kunst konzentriert. Ich sehe das genau anders herum, da ich die Tuschmalerei als ein Sprachrohr der Geschichte und Kultur Chinas und weiterer Regionen betrachte. Zudem sind große Mengen dieser Kunst in Sammlungen, Galerien und bei ihren Erschaffern „auf Lager“.

Für mich ist die Kunst mit der Tusche ein Teil meiner chinesischen DNA. Tusche entspricht einer Spiritualität oder Philosophie, ganz immateriell, und ich fühle mich sehr stark mit der Kunst, die man mit ihr erschaffen kann, verbunden. Im Hinblick darauf habe ich mich gefragt, weshalb man sie nicht stärker fördern und eine entsprechende Plattform gründen sollte, so wie es auch Barnebys getan hat, um Menschen zusammen zu bringen. Ich hoffe sehr, dass diese Messe Leute dazu bringen wird, über die Tuschmalerei zu sprechen, sie zu sammeln, Erfahrungen auszutauschen und so einen Dialog mit der Welt einzuleiten. Ich glaube, das nötige Potenzial ist vorhanden.

Zweitens liegt es in meinen Ambitionen und meiner Kultur begründet. Da ich, wie bereits erwähnt, eine große Leidenschaft für die Tuschmalerei empfinde, war ich der Ansicht, dass eine ihr gewidmete Messe unbedingt geschaffen werden sollte. Wir kennen unsere Geschichte und teilen dieselbe Kultur und dasselbe Selbstverständnis in dieser Region. Und noch wichtiger ist, das China in den letzten Jahren enorm aufgeholt hat, vor allem in finanzieller Hinsicht. Infolge dessen wird der Schwerpunkt nun auf die Kultur gelegt werden, indem wir beginnen, über Kunst zu sprechen, mit der Welt zu interagieren und die Kunst der Welt auch anzubieten. Nach einem Brainstorming darüber, welche Art der Kunst der chinesischen Bevölkerung angeboten werden könnte, war die Antwort ganz klar: Tuschmalerei, da die Tusche einfach zur östlich-chinesischen Kultur gehört. Es wäre doch schön, eine solche Plattform in Hongkong zu realisieren, in einer so offenen und internationalen Stadt. Ich lade alle Galerien und Sammler herzlich dazu ein, mehr über die Kunst mit der Tusche zu erfahren.

Werk von Shen Ai bei der INK ASIA Werk von Shen Ai bei der INK ASIA

Welche Art von Besuchern interessiert sich für die Messe?

Bei den Sammlern gibt es zwei Kategorien: Zum einen der allgemeine Kunstliebhaber, zum anderen der wirklich professionelle Sammler. Der Markt ist so groß und er wächst immer weiter. Daher möchte ich gerne für jede Gruppe engagieren. Die Messe zielt auch darauf ab, Fachleute anzuziehen und die Anerkennung der akademischen, aber auch der kommerziellen Welt zu gewinnen. Zwei unterschiedliche Richtungen der Tuschkunst werden auf der Messe vorgestellt. Wir zeigen Künstler, die die Tusche als Medium bewusst verwendet haben, um Kunstwerke zu erschaffen. Außerdem präsentieren wir Künstler, die uns helfen, die Geschichte und die Entwicklung der Tusche-Kultur zu verstehen.

Was bedeutet „Tusche-Kultur“? Wir wird die (zeitgenössische) chinesische Ink Art von chinesischen und internationalen Sammlern angenommen?

Bei der Kultur der Tuschmalerei geht es um Spiritualität und die Verbundenheit mit der Natur. Wir haben viele Künstler in China, die ihre Leidenschaft mit anderen teilen wollen, um ihnen ihr Erbe und ihre Geschichte näher zu bringen. Einige von ihnen versuchen auch, die Tuschmalerei zu innovieren, indem sie neue Konzepte ausprobieren oder die traditionelle Ästhetik neu interpretieren.

Auf der einen Seite widerspiegelt die Tusche die ästhetische Schönheit der chinesischen Kultur. Auf der anderen Seite ist sie ein sehr aufregendes Medium für Künstler. Im letzten Jahr sagten viele Besucher, wie sehr sie von der Ink Asia-Messe begeistert und überrascht worden waren, da sie auf ihr die Tuschkunst in einer neuen Dimension jenseits der traditionellen Wahrnehmung sahen. Die Tusche ist eng mit Papierrollen verbunden. So wird sie von uns Chinesen wahrgenommen. Im vergangenen Jahr habe ich auf fünf Säulen, den Kontext der Ink Asia definiert. Diese fünf Säulen sind die Grundlage, aber ich versuche, sie jedes Jahr weiterzuentwickeln und keine Grenzen zu setzen. Am Anfang stellte ich die fünf Säulen auf, da niemand das abstrakte Konzept verstand: „Ink Art, was ist das?“. Letztendlich wurde die Messe der Öffentlichkeit in einem zeitgenössischen Rahmen präsentiert, der Fotografien und Installationen genauso beinhaltete wie traditionelle Papierrollen. Ich denke, sowohl das chinesische als auch das internationale Publikum war von der Messe sehr beeindruckt, da sie dem Markt neue Möglichkeiten aufzeigte.

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Was ist auf der Ink Asia 2016 neu und was sind ihre Highlights?

In diesem Jahr haben wir die neue Kategorie SPOTLIGHT, die Ausstellungen von Solo-Künstlern präsentiert und ein weiteres Programm namens HIGHLIGHT. Im Gegensatz zum letzten Jahr, haben wir dieses Mal nicht auf das Fünf-Säulen-Konzept gesetzt. HIGHLIGHT präsentiert zwölf Galerien, die viel Aufwand in die Förderung der Ink Art investiert haben. Es sind etablierte Galerien, die die Möglichkeit haben, Einfluss zu nehmen. Diese zwölf Galerien geben eine Ausblick auf zukünftige Trends. Für SPOTLIGHT ermutigte ich Galerien, einen einzelnen Künstler zu nominieren, dessen Werke in ihrer Solo-Ausstellung gezeigt werden sollten. Dadurch haben wir jetzt eine Gruppe individueller Messestände.

Im ersten Jahr war es noch recht schwierig, ein Konzept für die Tuschkunst zu entwickeln, da alles noch neu war. Daher hatte ich die Idee mit den fünf Säulen, um eine erste Beschreibung der Messe zu präsentieren. Ich war sehr beeindruckt, dass die Anerkennung so früh nach der ersten Messe erfolgte. Daher habe ich in diesem Jahr neue Themen geschaffen, darunter SPOTLIGHT und HIGHLIGHT. Neben den Ausstellungen, haben wir nun auch ein akademisches Programm der Ink Society.

Welchen Rat würden Sie den neuen Sammlern geben?

Sie müssen wissen, was sie wollen. Sie sollten sich über ihr Budget im Klaren sein, recherchieren, im Internet surfen, um Neuheiten zu sehen, eine Vielzahl von Ausstellungen und Messen besuchen und sich mit Künstlern treffen. Das ist sehr nützlich. Sollten sie nur des Vergnügens wegen sammeln, sollten sie sich nicht unnötigem Stress aussetzen. Einfach nur sammeln! Sie sollten sich dann nicht in erster Linie fragen, wieviel ein Objekt in ein paar Jahren wohl wert sein könnte. Darüber muss man sich nur den Kopf zerbrechen, wenn man seine Sammlung als Investition betrachtet. Dabei rückt dann meist der persönliche Geschmack in den Hintergrund. Investition in Kunst ist ein ganz anderes Spiel und ein anderes Thema.

Guan Weibangs großflächige Installation "Song bi dense" Guan Weibangs großflächige Installation "Song bi dense"

Wie hat sich der Kunstmarkt, vor allem der der Ink Art, seit Ihren Anfängen verändert?

Seit dem wirklichen Boom der Ink Art 2011/12 sind mittlerweile vier Jahre vergangen. Ich denke, der Markt für die Tusche-Kunst und der chinesische Kunstmarkt im Allgemeinen sind noch recht primitiv. Der Markt begann 2006/07 zu existieren. Seitdem erlebten wir die Finanzkrise sowie politische Turbulenzen. Der chinesische Kunstmarkt wird von den Auktionsmärkten stark dominiert und beeinflusst. Daher glaube ich, dass sich das System der Ink Art und des Kunstmarktes generell noch in der Entwicklung befindet. Es gibt viele Bereiche in diesem System, die eingerichtet und gepflegt werden müssen, wie Museen. Wir haben kein Museum vom Maßstab eines Tate Modern und die akademische Unterstützung ist vergleichsweise dünn.

Trotz meiner Erwähnung der Dominanz des Auktionsmarktes, die eine gewisse Instabilität verursacht, schafft sie doch ein Bewusstsein für die Kunst und den Bedarf an Kunst. Es ist schön zu sehen, wie neue Galerien entstehen und Kunstliebhaber teilhaben. Ich sehe viele Chancen in diesem sich entwickelnden Markt. Vor allem ist der Markt so groß, weil die chinesische Bevölkerung so groß ist und eine wachsende Zahl von Sammlern und Künstlern entsteht.

Ich hoffe, dass Ink Asia eine professionelle und anerkannte Plattform wird, um die Entwicklung der Ink Art zu bestimmen oder eine Gelegenheit zu schaffen, die es ermöglicht, gemeinsam die Zukunftstrends zu diskutieren und zu gestalten.

Was denken Sie über Barnebys, eine Online-Suchmaschine, die alle Künste an einem Ort sammelt?

Es ist eine sehr wichtige und nützliche Plattform, um Kunstinformationen einfach zugänglich und transparent zu machen. Die Suchmaschine hilft, Sammler und das allgemeine Publikum zu fördern und auf dem Laufenden zu halten. Ih denke, dass es gut ist, immer mehr Websites zu haben, die sich auf Kunst spezialisieren und so den Wissensaustausch verbessern. Ich hoffe, zukünftig noch weitere spezialisierte Kunstportale zu sehen und ich glaube, dass das der zukünftige Trend ist.

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