Salvador Dalí, Die Beständigkeit der Erinnerung, 1931 | Foto: MoMA Salvador Dalí, Die Beständigkeit der Erinnerung, 1931 | Foto: MoMA

Lautréamonts Roman Les Chants de Maldoror ("Die Gesänge des Maldoror") von 1868, der den Satz "So schön wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Operationstisch" enthält, war den Surrealisten wohlbekannt und ein wegweisend für ihre Kunstbewegung, da er sowohl mit der Natur des surrealistischen Denkens in Einklang steht, als auch mit der surrealistischen Dislokation der Realität, die die Bewegung verzerrt.

Jener Satz und der gesamte Roman sollten eine der wichtigsten Quellen der Inspiration werden, die die Geburtsstunde des Surrealismus einläuten würde.

Psychoanalyse und Tabus

Das Unterbewusstsein anzuerkennen und unsere innersten Gedanken zu untersuchen, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ziemlich neue Praxis, bekannt als Psychoanalyse. Der Psychologe Sigmund Freud machte diese Praxis durch seinen Schriften berühmt, die sich auf das Unterbewusstsein seiner Patienten konzentrierten.

Sigmund Freud | Foto: Biography.com Sigmund Freud | Foto: Biography.com

Durch die Infragestellung des rationalen Denkens durch die Psychoanalyse begannen Tabus in Bezug auf Sex, Religion und Verlangen zusammenzubrechen, genauso wie konventionelle Ideen zum Thema einer breiten Diskussion wurden. Als der Streit um soziale Normalität immer mehr größer wurde, begann der Geist die Hauptquelle für Künstler des 20. Jahrhunderts zu werden.

André Breton und das Surrealistische Manifest

André Breton ist bekannt als der Pionier der surrealistischen Bewegung. Breton war ein Dichter und Schriftsteller, zu dessen bemerkenswertesten Werken das 1924 erschienene Surrealistische Manifest gehört. Für Breton war der Surrealismus vor allem eine revolutionäre Bewegung hinsichtlichen dessen, wie er sich durch den Widerstand der Rationalität in der Realität gegen soziale Normen stellte. Der Surrealismus wurden zum umstürzenden Mittel aller Konventionalität in der Kunst und knüpfte Verbindungen zur der philosophischen Idee von der "Kunst um der Kunst willen".

Das Manifest legte die Grundprinzipien des Surrealismus fest und hob insbesondere hervor, dass Träume und das Unterbewusstsein die Hauptquellen für surrealistische Inspiration sein sollten. Dieses Manifest inspirierte später die berühmten surrealistischen Künstler, deren Werke uns heute immer noch faszinieren.

Ceci n'est pas une pipe

Dieses ikonische Bild einer Pfeife über den Worten Ceci n'est pas une pipe ("Das ist keine Pfeife") ist ebenso provozierend wie faszinierend. René Magrittes Werk La trahison des images ("Der Verrat der Bilder") von 1928 charakterisiert die surrealistische Disziplin, die unsere Wahrnehmung des konventionellen Denkens herausfordert. Die Gegenüberstellung von Elementen und Wörtern, die zusammen keinen rationalen Sinn ergeben, ruft ein Gefühl der Unsicherheit gegenüber unseres eigenen Verständnisses der Realität hervor.

René Magritte, La trahison des images, 1928 | Foto: MoMA René Magritte, La trahison des images, 1928 | Foto: MoMA

René Magritte war ein belgischer Künstler, der in den späten 1920er Jahren ein führendes Mitglied der surrealistischen Bewegung in Paris war. Seine Kunst ist vor allem für ihren Witz und ihre Irrationalität bekannt und verkörpert vor allem die traumähnlichen Eigenschaften der surrealistischen Dimension.

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Dalí und der Hummer

Salvador Dali, ein Name, der den Surrealismus definiert und dessen bekanntester Vertreter ist. Dalís Kunst ist geprägt von seiner rätselhaften Bildsprache und von der Deformation von Subjekten und Objekten, die zusammen eine chaotische, unsinnige Szene ergeben.

Salvador Dali in seinem Atelier | Foto: El Pais Salvador Dali in seinem Atelier | Foto: El Pais

Eines von Dalís bekanntesten Werken (und vielleicht auch das simpelste) ist das Lobster Telephone, von dem eine sexuelle Konnotation durch die Augen des Künstlers ausgeht. Mit seiner häufig doppelten Bedeutung von Essen und Sex, stellt der Hummer bei diesem Kunstwerk vor allem ein erotisches Merkmal dar, indem sein saftiger Schwanz über der Sprechmuschel platziert wurde.

Salvador Dalí, Lobster Telephone, 1936 | Foto: Tate Salvador Dalí, Lobster Telephone, 1936 | Foto: Tate

Die intime Platzierung von völlig unzusammenhängenden Objekten, die im Traum hingegen oft eine verborgene Verbindung offenbaren, ist eine gängige Darstellungsweise des Surrealismus. Das Lobster Telephone ist geradezu ein Paradebeispiel.

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"Attentat auf die Malerei"

Joan Miró ist einer der renommiertesten Namen sowohl in der Kunstgeschichte als auch im Surrealismus. Seine Arbeit steht im Einklang mit der Idee, die Kunstwelt durch das sogenannte "Attentat auf die Malerei" zu revolutionieren, indem er seine abstrakten Formen und unpassende Bildsprache den Verzicht auf Konventionalität in der bildenden Kunst vermitteln lässt.

Seine ikonischsten Werke schuf er unter dem Einfluss der Surrealisten in Paris, deren Gruppe unter der Leitung von André Breton er sich anschloss.

Joan Miró, Birth of the World, 1925 | Foto: MoMA Joan Miró, Birth of the World, 1925 | Foto: MoMA

Die Geburt der Welt stellt eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Beginn des Lebens dar. Mirós Schaffensprozess hatte zunächst aus dem Verspritzen von Farbe auf die Leinwand bestanden, um einen unsteten und beunruhigenden Hintergrund zu schaffen. Anschließend fügte er verschiedene Formen hinzu, die in keinerlei Assoziation zueinander stehen und verarbeitete alles zu einem konsequent unlogischen Meisterwerk.

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Surrealismus und die Fotografie

Eine weitere Ikone des Surrealismus war der Fotokünstler Man Ray. Nachdem er von den Vereinigten Staaten ins Pariser Künstlerviertel Montparnasse gezogen war, kam er in Kontakt mit der surrealistischen Bewegung, die in den 1920er Jahren in der französischen Hauptstadt entstand.

Le Violon d'Ingres zeigt auf verspielte Weise den Rücken einer Frau, der, gleich einer Geige mit ihren Schalllöchern, mit zwei derart gestalteten F's verziert ist. Der Begriff "violon d'Ingres" stellt sowohl eine französische Redewendung für "Hobby" dar, als auch eine Anspielung auf den Maler Dominique Ingres, der sich bevorzugt der Aktmalerei und dem Geigenspiel gewidmet hatte.

Man Ray, Le Violon d’Ingres, 1924 | Foto: WikiArt.org Man Ray, Le Violon d’Ingres, 1924 | Foto: WikiArt.org

Bei der abgebildeten Frau handelte es sich um Man Rays Muse und Lebensabschnittspartnerin Kiki de Montparnasse, die eine Pariser Berühmtheit war und vielen Künstlern Modell stand, aber auch selbst malte und als Sängerin auftrat. Die "Verwendung" von Kikis Körper ist auch eine intime Darstellung der Beziehung zwischen ihr und Man Ray und spielt mit dem Unterbewussten Bereich ihrer Gefühle und Wünsche.

René Magritte, The Son of Man, 1964 | Foto: WikiArt.org René Magritte, The Son of Man, 1964 | Foto: WikiArt.org

Die Surrealisten des 20. Jahrhunderts haben es geschafft, die öffentliche Vorstellungskraft zu fesseln, als sie mit metaphysischen Ideen spielten, die auf dem Höhepunkt der Bewegung revolutionär wurden.

Der monumentale Einfluss des Surrealismus auf die Gesellschaft veränderte sowohl die Kunstwelt als auch das moderne Leben.

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