Proteste gegen das Establishment, Krieg und Staatsgewalt prägten die 1960er Jahre. Die internationale Kunstszene nahm die Strömungen ihrer Zeit auf und prägte sie entscheidend mit. Mit Fluxus und Happening entstanden Aktionskunstbewegungen, die es zum Ziel hatten, den traditionellen Kunstbegriff in Frage zu stellen, ihn zu erweitern und Kunst und Politik miteinander zu verbinden.

Die geschah oft auf provokante Art und Weise mittels Aktionen, die das Publikum schockieren sollten und auf diese Weise von alt hergebrachten Denkmustern befreien sollte. Die Kunst hatte die Leinwand verlassen und fand stattdessen mitten im Leben statt.

An diesen Performances waren oft mehrere Künstler einer Bewegung beteiligt, die live vor Publikum, unter vollem Körpereinsatz, Handlungen an sich selber oder aneinander vollführten, wobei bewusst von der Gesellschaft diktierte Grenzen überschritten wurden.

In Wien entstand 1962 der Wiener Aktionismus, in dessen Mittelpunkt die Künstler Hermann Kitsch, Günter Brus, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler standen. Die Gruppe war bis 1970 aktiv, wobei der Begriff "Wiener Aktionismus" erst 1969 auftauchte.

Die erste Aktion, mit der der Wiener Aktionismus in Erscheinung trat, war Die Blutorgel 1962, an der Adolf Frohner, Hermann Nitsch und Otto Muehl beteiligt waren, in dessen Kelleratelier die Aktion durchgeführt wurde. Die Künstler ließen sich dort drei Tage lang einmauern und jeder schuf ein Kunstwerk. Nach der "Befreiung" der Aktionisten folgte die Kreuzigung, Ausweitung und Zurschaustellung eines toten Lamms. Die Kombination der Dauer von drei Tagen, die Kreuzigung und die Einbindung eines Lamms machte deutlich, dass diese Aktion nicht nur eine politische sondern auch eine religiöse Bedeutung hatte.

OTTO MÜHL (1925 Grodnau - 2013 Moncarapacho) Links: Kopf, Gouache, signiert und datiert, 1983 Rechts: Klavierspieler, Gouache/Papier, datiert, 1983 OTTO MÜHL (1925 Grodnau - 2013 Moncarapacho) Links: Kopf, Gouache, signiert und datiert, 1983 Rechts: Klavierspieler, Gouache/Papier, datiert, 1983

Die provokanteste Aktion fand am 7. Juni 1968 unter dem Namen Kunst & Revolution in einem Hörsaal der Universität Wien vor zahlreichen Zuschauern und Journalisten statt. Beteiligt waren Günter Brus, Otto Muehl, Peter Weibel, Oswald Wiener sowie Malte Olschewski, die gleich gegen mehrere gesellschaftliche Tabus verstießen, als sie so öffentlich diverse Aktionen aus dem Gewalt-, Sexual- und Fäkalbereich vollführten.

Publikum und Öffentlichkeit waren entsetzt, die Aktion wurde bald nur noch als die "Uni-Ferkelei" bezeichnet. Die Folge war eine strafrechtliche Verfolgung der beteiligten Künstler, was dazu führte, dass Günter Brus ins Exil nach West-Berlin ging. Er wandte sich vornehmlich der Zeichnung zu.

Auch Hermann Kitsch verließ Österreich vorübergehend. Mit dem von ihm erdachten "Orgien-Mysterien-Theater", einer Mischung aus Performance, Malaktionen und Musik, erregte er ab Ende der 1960er Jahre weltweite Aufmerksamkeit und tourte damit auch durch die USA. Diese Inszenierungen sind neben den seit 1960 geschaffenen Schüttbildern Nitschs nachhaltigste Arbeiten.

Alle vorgestellten Arbeiten der Wiener Aktionisten werden am 15. Mai bei Lehner Kunstauktionen in Wien versteigert. Die Auktion mit Moderner und Zeitgenössischer Kunst umfasst mehr als 150 Lose mit Werken von Erwin Wurm, Andy Warhol, Otto Rudolf Schatz, A.R. Penck, Friedensreich Hundertwasser, Ernst Fuchs und anderen.

Auktionsbeginn ist um 19 Uhr. Am Abend des 8. Mai wird die Ausstellung zur Auktion mit einer Vernissage eröffnet und ist anschließend am 9., 11.-12. sowie 14.-15. Mai für das interessierte Publikum zugänglich.

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