Traumzeit und Leben, Schönheit und Energie: In ihrem größten Werk Earth's Creation I erschuf die Aborigines-Künsterlin Emily Kame Kngwarreye ein Abbild ihres Daseins und der Welt, die sie umgab. Zum Zeitpunkt des Entstehens war Kngwarreye bereits über 80 Jahre alt und hatte ihr Talent als Malerin erst wenige Jahre zuvor entdeckt.

Emily Kngawarreye, geboren um das Jahr 1910, verbrachte ihr Leben im Gebiet des Aborigines-Stammes der Anmatyerre in Zentralaustralien nördlich der Stadt Alice Springs. Das Land war den australischen Ureinwohnern erst 1981 wieder vollständig zugesprochen worden. Eine wichtige Rolle hatte dabei eine Gruppe von Künstlern gespielt, die in Utopia im Northern Territory lebten. Überregionale Aufmerksamkeit erhielten Ende der 1980er Jahre die äußerst qualitätsvollen Batikarbeiten einer Gruppe von acht Frauen, eine von ihnen war die damals etwa 80-jährige Emily Kame Kngwarreye.

Nachdem die Batiken ihre Bedeutung verloren hatten, wechselten die Künstlerlinnen zur Malerei mit Acrylfarben. Emily Kngwarreyes Arbeiten widerspiegeln ihr Leben im australischen Outback und die damit verbundene Abhängigkeit von der Natur. Gleichzeitig zeigen sie die Traumzeit als Quelle der allumfassenden Existenz.

Sie selber sagte über ihre Werke: "Whole lot, that's all, whole lot, awelye, arlatyeye, ankerrthe, ntange, dingo, ankerre, intekwe, anthwerle and kame. That's what I paint: whole lot. My dreaming, pencil yam, mountain devil lizard, grass seed, dingo, emu, small plant emu food, green bean and yam seed." („Das Ganze, das ist alles, das Ganze: awelye, arlatyeye, ankerrthe, ntange, dingo, ankerre, intekwe, anthwerle und kame. Das ist was ich male: das Ganze.“)

Diese Symbolik wird vor allem in Kngwarreyes bedeutendsten Werk Earth's Creation deutlich, das 1994 während eines Workshops in Utopia entstand. Die Arbeit wurde auf vier einzelnen Leinwänden ausgeführt, die zusammen 275 x 632 cm messen. Diese enormen Maße sind allerdings gering, bedenkt man, dass die Künstlerin mit dieser Arbeit die ganze Welt darstellte.

Die Arbeit aus leuchtenden Farben, die mit einem breiten Duktus auf die Leinwände übertragen wurden, wirkt erdverbunden und mystisch zugleich. Während des Entstehens lag das Trägermaterial auf dem Boden unter der australischen Sonne, während die Künstlerin darauf saß und herumkroch - immer einen Plan über das Ganze im Inneren, dem sie unbeirrbar und im stetigen Fluss folgte.

Earth's Creation I machte Emily Kngwarreye zur bedeutendsten Aborigines-Künstlerin. Ihr Stil wurde mit den Werken des Impressionisten Claude Monet und mit dem abstrakten Expressionisten Jackson Pollock verglichen. Kngwarreyes Gemälde wurden über die Grenzen Australiens hinaus bekannt, waren Teil von Gruppenausstellungen in Deutschland, London, Russland, Japan und in den USA. In Einzelausstellungen gelangten sie bis nach Amsterdam.

2015 wurde Earth's Creation I auf besonderen Wunsch des Kurators Okwui Enwezor auf der 56. Biennale in Venedig ausgestellt. Acht Jahre zuvor war es in Sydney von der Mbantua Gallery für die Summe von 1.056.000 Australische Dollar (ca. 700.000 Euro) ersteigert worden. Emily Kame Kngwarreye erlebte diese Erfolge nicht mehr. Sie starb 1996, zwei Jahre nach der Entstehung von Earth's Creation I.

Earth's Creation I wird am 16. November in Sydney versteigert. Veranstalter der Aboriginal & Oceanic Fine Art Auction sind Fine Art Bourse gemeinsam mit CooeeArt MarketPlace. Emily Kame Kngwarreyes Meisterwerk wird vom 10.-14. November im Chiefly Tower ausgestellt. Die übrigen 83 Lose der Auktion können in der CooeeArt Gallery in der Oxford Street Paddington besichtigt werden.

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