Sofia Silfverstolpe hat für Barnebys den schwedischen Museumsdirektor Lars Nittive zum Frühstück getroffen.

Lars Nittve, der internationale Stolz der schwedischen Kunstszene, ehemals Chef von Tate Modern, Moderna Museet, Rooseum und nun auf dem leitenden Posten der Institution von der man ausgeht, dass sie das wichtigste zeitgenössische Museum in ganz Asien wird, M+ in Hong Kong. M+ zieht mit mindestens einer Milliarde für Kunsteinkäufe reserviert, der großen Spende zeitgenössischer chinesischer Kunst des Schweizers Uli Sigg und die Zusammenarbeit mit dem vielleicht wichtigsten Architekturbüro, Herzog & Meuron, viele zu seiner Vernissage.

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Wie weit sind die Pläne mit dem neuen Museum M+ vorangeschritten?

Vor drei Jahren berechneten wir in der zweiten Hälfte von 2017 zu eröffnen. Das gilt immernoch. Das Team wächst ohne Aufenthalt, auch wenn es noch ein Stück weit hin ist zu den mehr als 400 Personen die bei M+ einmal arbeiten sollen. Die Sammlung wächst so schnell, nicht zuletzt Dank der phantastischen Spenden, aber auch mit Hilfe der harten Arbeit des Kuratorenteams. Schon jetzt sind 2600 Werke Teil unserer Sammlung. Mit dem Bau des Gebäudes (jenes das Ende 2017 eröffnet) sind wir auch voll zugange. Wir arbeiten intensiv mit den Architekten Herzog & Meuron und rechnen damit, Anfang Juni-Juli nächstes Jahr mit dem Bau anzufangen.

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Sie haben viel Erfahrung aus der Museumswelt, welche Kriterien muss ein gelungenes Museum erfüllen?

Das ist eine große Frage – einfach ausgedrückt ist das Museum der Ort wo sich Kunst und Publikum treffen. Im Fall von M+ bezieht dieses Ziel auch andere Teile der visuellen Kultur, wie Design oder Architektur u.a. ein. Für beide Seiten ist es wichtig, dass die Begegnung zwischen Kunst und Publikum so gut wie nur möglich wird. Wir wollen den Künstlern und Schöpfern vollkommen kompromisslos entgegenkommen – und wir wollen gleichzeitig ein Museum erschaffen, in dem das Publikum die besten denkbaren Voraussetzungen erhält für eine gelungene Begegnung mit den Werken. „Public Trust", das Vertrauen der Allgemeinheit ist ein entscheidender Schlüssel für den Erfolg.

Mit welcher Ausstellung träumen Sie das Museum zu eröffnen?

Das wichtigste bei der Eröffnung ist, die Sammlung und das Haus zu zeigen. Sicherlich wird das gesamte Augenmerk darauf liegen. Die erste Ausstellung... die Liste an Traumausstellungen ist bisher zu lang, um veröffentlicht zu werden.

Was bedeutet The Sigg Collection für M+?

Dass M+ von Anfang an und wahrscheinlich für alle Zeiten das Museum in der Welt sein wird, dass am besten die makellose Geschichte der Entwicklung zeitgenössischer Kunst in China seit Mitte der 1970er Jahre bis heute erzählen kann. Ungefähr so wie das MoMA das Museum ist, dass die Geschichte der Geburt des Modernismus am besten erzählen kann. Dass wir diese phantastische Spende so früh im Prozess bekommen haben, hat natürlich dazu beigetragen, dass unser Vertrauenskapital gegenüber der Kunstwelt als Ganzes einen großen Satz nach vorne machte.

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Wie viel nicht-asiatische Kunst wird das Museum beherbergen?

Wir sind ein globales Museum, genau wie das MoMA oder Tate Modern, aber unsere Perspektive ist eine andere. Wir sehen die Welt aus einer Hongkong- und Chinaperspektive. Schlussendlich wird unsere Sammlung 20-30% aus nicht-asiatischer Kunst bestehen.

Wie unterscheidet sich die Kunstwelt in Hongkong von der europäischen?

Der Unterschied zwischen verschiedenen Teilen Europas ist schon genauso groß wie der Unterschied zwischen Hongkong und den europäischen Ländern im Allgemeinen. In vielerlei Hinsicht befindet sich Hongkong i einer Situation, die Stockholm in den 1960er und 1970er Jahren ähnelt. Aber alles geschieht so schnell hier, wir absolvieren ein Jahrzehnt Entwicklung in einem Jahr, würde ich sagen. Das Hongkong in das ich vor drei Jahren kam war komplett anders, als das Sie heute sehen, vor allem, wenn man über Ausstellungen, Diskussionen und Aktivitäten spricht. Gute Künstler hat es schon länger gegeben, aber sie haben ein Schattendasein gelebt.

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Haben sie irgendwelche Lieblingskünstler?

Nach 35 Jahren in der Branche habe ich mir angewöhnt nicht über Lieblingskünstler zu sprechen, aber selbstverständlich sind alle Künstler die wir sammeln und zeigen Favoriten... Ich habe Lee Knits Ausstellung auf der Venedigbiennale kuratiert, er ist somit einer von mehreren Favoriten...

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Wann und wie wurde ihr Kunstintresse geboren?

Mein Kunstinteresse kam spät, als ich auf die Handelshochschule ging, ein guter Freund führte mich dankenswerterweise in die Welt der Kunst ein. Ich wuchs in einem Umfeld auf, dass mich in die Richtung führte.

Welches war Ihr wichtigster Karriereschritt?

Ich tue mich schwer mein Leben als eine Karriere zu betrachten... Aber angeblich war es das Angebot vom Dasein als Dozent an der Stockholmer Universität und Kunstkritiker zum Moderna Museet als erster Intendent zu wechseln. Ich sah ein, fass ich recht gut darin bin Ausstellungen zu machen.

Was sind Ihre Stärken im Beruf?
Eine Mischung sowohl als Unternehmer zu denken und gleichzeitig ein guter Leiter zu sein (ich wage das mal zu behaupten).

Wie verbringen Sie einen freien Sonntag?
Wenn der Sonntag wirklich komplett frei ist, was er nicht häufig ist, auf Skiern wenn es Winter ist und ich nicht in Hongkong bin, oder auf einer Bergwanderung in Hongkong oder in einer Berghütte im Edsåsdalen in Jämtland in Schweden.

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Was essen Sie zum Frühstück?

Levainbrot mit Käse, Schinken und Tomate. Dajeerlingtee und Tomatensaft.

Das Interview führte Sophia Silfverstolpe. Silfverstolpe schreibt regelmäßig in unserem schwedischen Blog „Form Observateur" , sie ist Kommunikationsmanagerin im Kunstbereich und Spezialistin auf dem Gebiet Design 20. Jahrhundert sowie Silber und Schmuck.

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