ZERO und Forma, Minimalismus und Abstraktion, Informel und Tachismus - Die Avantgarde im Nachkriegs-Deutschland und -Italien hatte sich zum Ziel gesetzt, mithilfe der reinen Form eine neue Art der künstlerischen Sprache zu entwickeln, die von Vorangegangenem unbelastet sein sollte.

In Deutschland war es vor allem die 1958 von Otto Piene und Heinz Mack gegründete Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, die dieses Ziel verfolgte. Als einer ihrer bedeutendsten Vertreter kam 1961 Günther Uecker hinzu, der mit seinen fein komponierten Nagelbildern Bekanntheit erlangte. Eines dieser Nagelbilder - Feld von 2012/13 - führt die Offerte der Auktion mit Post-War und Zeitgenössischer Kunst an, mit der das Wiener Dorotheum am 27. November seine letzte Auktionswoche 2018 eröffnet.

In dieser Auktion besonders hervorzuheben sind Arbeiten der wichtigsten Vertreter der deutschen und italienischen Nachkriegskunst. Einer der wichtigsten Künstler dieser Epoche nördlich der Alpen war Ernst Wilhelm Nay, von dem ein Werk zum Aufruf kommt, das aus jener Schaffensperiode stammt, in der sich Nay mit dem Einfluss von Musik auf den Vorgang des Malens beschäftigte. Weitere wichtige Arbeiten der Auktion stammen von Anselm Kiefer, Martin Kippenberger und Hans Hartung.

In Italien gehörte Künstlerin Carla Accardi  1946 zu den Gründern der Gruppo Forma 1, die sich, ebenso wie die deutsche Avantgarde, die Abkehr von allem bereits da gewesenen auf die Fahnen geschrieben hatte. Carla Accardi verfolgte dieses Ziel vor allem mit der von ihr präferierten Weiß-auf-Schwarz-Malerei.

Alberto Burri entwickelte im Laufe seiner Karriere eine eigene Interpretation des Informel, wofür er die unterschiedlichsten Materialien verwendete, wie Holz, Säcke, Eisen oder eben, wie vorliegend, Celotex, ein Dämmmaterial aus gepressten organischen Stoffen. Nach dem Auftrag einer pastosen Farbschicht, begann die eigentliche Arbeit, für die der studierte Arzt Burri die Oberfläche analytisch untersuchte und veränderte.

Wie ein maschineller Bewegungsablauf wirkt die Graphitzeichnung in Mario Schifanos Werk A la Balla von 1965. Bedeutsam war für Schifano, der sich von Vertretern der italienischen Renaissance genauso inspirieren ließ wie von jenen des Futurismus, seine Beteiligung an der Ausstellung "New Realists" in New York, in der auch Werke von Andy Warhol und Roy Lichtenstein gezeigt wurden. Fortan fanden auch Elemente der Pop Art ihren Weg in Schifanos Arbeiten, mit denen er die zunehmend technisierte Gesellschaft thematisierte.

Neben Vertretern aus Italien und Deutschland sind natürlich auch zeitgenössische Künstler anderer Länder in der Auktion vertreten, darunter Alex Katz und Tom Wesselmann aus den Vereinigten Staaten, Bernar Venet aus Frankreich, Victor Vasarely aus Ungarn sowie Julije Knifer aus Kroatien. Aus Österreich, dem Gastgeberland der Auktion, sind Hans Staudacher, Arnulf Rainer, Alfons Schilling, Hans Bischoffshausen und Maria Lassnig zu nennen.

Die Auktion mit Post-War und Zeitgenössischer Kunst wird am 29. November fortsetzt. Am 28. November wird nach der Versteigerung von erlesenem Schmuck Moderne Kunst aufgerufen.

In den dicken schwarzen Linien, die typisch sind für Bernard Buffets Werk, kommt die Tatsache zum Tragen, dass der Künstler nicht nur Maler, sondern vor allem auch ein hervorragender Grafiker war. Buffets Umgang mit der Nachkriegssituation war ein anderer als der seiner gegenstandslosen Zeitgenossen. Bei ihm stand, wie vor dem Krieg, die Figur als Motiv im Mittelpunkt, die er als hagere, vom Krieg gezeichnete Gestalt wiedergab. Wie auch im vorliegenden Fall, diente ihm oft seine Frau Annabel als Motiv, die er hier mit ungewohnt farbenfroher Palette als Torero inszenierte.

Dem gegenüber sitzt, im eigentlichen wie auch im übertragenen Sinne, die mit weichem Duktus darstellte Badende des großen Impressionisten Pierre-Auguste Renoir. Das kleinformate Bild ist dem Spätwerk Renoirs zuzuordnen, als der Künstler mit den Symptomen einer Arthritis zu kämpfen hatte, aber mit ungebrochener Leidenschaft und technischem Können seiner Passion nachging.

Der in Russland geborene und in München ausgebildete Alexej von Jawlensky suchte nach einem eigenen Malstil und fand diesen schließlich im Expressionismus. Sein größtes Vorbild war Vincent van Gogh, dessen Werk er vor allem während einer Frankreichreise 1905/06 zu schätzen lernte. Daran angelehnt ist auch Oliven, Mauer, Wind von 1907, das im Dorotheum zum Aufruf kommt.

Neben Werken von Carl Moll und Giorgio de Chirico kommt in der Auktion auch die bronzene Stehende Figur des bedeutenden österreichischen Bildhauers Fritz Wotruba zum Aufruf. Die lediglich 1958 in einer Auflage von nur 12 Stück geschaffene Figur gehört dem Spätwerk Wotrubas an, in dem dieser die zuvor verfolgte figürliche Harmonie zugunsten einer abstrakten Geometrie aufgegeben hatte.

Den Abschluss der Auktionswoche bildet die Versteigerung von Armband- und Taschenuhren am 30. November. Sehen Sie hier noch einmal alle Termine im Überblick.

27. November, 18 Uhr - Zeitgenössische Kunst Teil I

28. November, 14 Uhr - Juwelen

28. November, 17 Uhr - Moderne Kunst

29. November, 17 Uhr - Zeitgenössische Kunst Teil II

30. November, 16 Uhr - Armband- und Taschenuhren

Die Versteigerungen finden alle im Palais Dorotheum in Wien statt. Dort werden ebenfalls alle Objekte der Auktionswoche ab dem 10. (Juwelen), 16. (Uhren) bzw. 17. November (Kunst) ausgestellt.

Entdecken Sie alle aktuellen Lose des Dorotheums hier bei Barnebys.

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