Wie in jedem Jahr wird auch 2018 der LGBTG-Pride Month im Juni gefeuert, um an die Menschen und Ereignisse zu erinnern, die den Weg für Freiheit und das gleiche Recht für alle geebnet haben. Aber weshalb wurde eigentlich der Juni dafür gewählt?

Die Stonewall Riots

Die Stonewall Riots fanden in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 in Greenwich Village, New York statt. Demonstranten protestierten gegen die häufigen Razzien in den Schwulenbars des Stadtviertels. Solche Polizeirazzien waren in den 1960er Jahren üblich. An jenem Morgen jedoch, als das Stonewall Inn in der Christopher Street zum Ziel der polizeilichen Willkür wurde, geriet die Situation schnell außer Kontrolle und die Polizisten wurden vertrieben.

Die Stonewall-Riots | Foto: CBS News Die Stonewall-Riots | Foto: CBS News

Auch nach diesem Tag führte die angespannte Situation zwischen der Schwulenszene und der New Yorker Polizei zu neuen Protesten. Die Demonstranten schlossen sich Aktivistengruppen zusammen, mit dem Ziel, sichere Räume zu schaffen, in denen man seine sexuelle Orientierung nicht verbergen musste, wo man weder Diskriminierung, noch Gewalt oder eine Festnahme befürchten musste.

Demonstranten | Foto: Youtube Demonstranten | Foto: Youtube

Innerhalb von sechs Monaten wurden zwei große Aktivistengruppen und drei Zeitungen gegründet, die sich für LGBT-Rechte einsetzten. Ein Jahr später, im Juni 1970, wurden die ersten Pride-Märsche in New York, Los Angeles und San Francisco veranstaltet. Wiederum einige Jahre später waren Schwulenrechtsorganisationen überall auf Welt zu finden. Heute gehen jedes Jahr Millionen von Menschen in den Paraden rund um den Christopher Street Day auf die Straßen, um zu feiern, zu gedenken und den Kampf fortzusetzen.

Künstlerischer Ausdruck

Homosexualität ist so alt wie die Menschheit selbst und auch die Kunstgeschichte ist voller Leute, die ihre Neigungen offen oder im Verborgenen auslebten. Leonardo da Vinci soll in den jüngeren Florentiner Künstler Fioravante di Domenico vernarrt gewesen sein. Michelangelo schrieb liebevolle und leidenschaftliche Gedichte an Tommaso de Cavalieri - der auch Modell für die kraftvolle Statue Sieger stand.

Michelangelos "Sieger". Der Mann zwischen den Beinen des personifizierten Sieges soll angeblich Michelangelo selbst sein | Foto: tripimprover.com Michelangelos "Sieger". Der Mann zwischen den Beinen des personifizierten Sieges soll angeblich Michelangelo selbst sein | Foto: tripimprover.com

Aber wenden wir uns lieber einigen zeitgenössischen Künstlern zu, die die LGBTQ-Community repräsentieren.

Keith Haring

Keith Haring (1958-1990) war ein amerikanischer Pop Art- und Street Art-Künstler, der seine Karriere dazu nutzte, das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit für Homosexualität und das Thema AIDS zu öffnen. Zu Beginn seiner Karriere, zwischen 1980-1985, platzierte er seine Kunst auf Werbetafeln in der New Yorker U-Bahn. Auf diese Weise beschäftigten sowohl der Prozess der Schöpfung als auch die abschließende Arbeit die vorbeigehenden Menschen.

Keith Haring, 1989 | Foto: elle.fr Keith Haring, 1989 | Foto: elle.fr

Danach begann sein Ruhm zu wachsen. Als 1988 bei ihm AIDS diagnostiziert wurde, gründete Haring die Keith Haring Foundation, die Gelder und Kunst sammelte, um beides Kinderprogrammen und Organisationen, die sich der Bekämpfung des HI-Virus verschrieben hatten, bereitzustellen. Keith Haring selbst nutzte die letzten zwei Jahre seines Lebens, um mit seiner Kunst ein Bewusstsein und Verständnis für AIDS zu vermitteln.

Keith Haring, 'Silence Equlals Death' | Foto: Barnebys Keith Haring, 'Silence Equlals Death' | Foto: Barnebys

2008 wurden zwei der farbenprächtigen Skulpturen von Haring der UNAIDS ‘Art for AIDS-Sammlung hinzugefügt. Keith Harings Karriere war kurz aber intensiv und begründete seinen Status als Ikone der Schwulenbewegung, die er heute ist. Mit Farbe, Provokation und einer bewussten Bildsprache hatte er einen wichtigen Teil der schwulen Symbolik geschaffen.

Wilhelm von Gloeden

Wilhelm von Gloeden kam 1856 als Sohn adeliger Eltern in Deutschland zur Welt. Im Alter von 23 Jahren ging er nach Sizilien, um eine Tuberkuloseerkrankung auszukurieren - er blieb jedoch für immer. Von Gloeden ließ sich in Taormina nieder, wo er begann, die jungen Männer und Jungen aus der Umgebung, nackt oder entsprechend gekleidet, als antike Griechen zu fotografieren.

Wilhelm von Gloeden, Männlicher Akt | Foto: Lempertz Wilhelm von Gloeden, Männlicher Akt | Foto: Lempertz

Von Gloeden Fotografien wurden zunehmend bekannter und in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt - mit unterschiedlichen Reaktionen. Als Wilhelm von Gloeden 1931 starb, erbte sein Lebenspartner Pancrazio Buciuni, genannt "Il Moro", seinen Besitz und seine Fotografien. Viele betrachteten von Gloedens Kunst als pornographisch und ein großer Teil davon wurde 1936 bei einer Polizeirazzia in Buciunis Haus zerstört. Heute existiert noch ein Drittel von Wilhelm von Gloedens Werk.

Andy Warhol

Eine Einführung ist nicht nötig, wenn man über diesen Pop Art-Künstler, Filmemacher und Grafikdesigner spricht. Warhol hatte in Interviews, Gesprächen und Publikationen nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht und schuf mehrere erotische Fotografien und Zeichnungen nackter Männer. Ein großer Teil seiner Arbeit wurde von der schwulen Untergrundkultur beeinflusst und beeinflusste diese im Gegenzug wieder, indem sie Fragen und ein Bewusstsein für die Komplexität von Sexualität und Begehren aufkommen ließ.

Andy Warhol, 'Self-Portrait' | Foto: Barnebys Andy Warhol, 'Self-Portrait' | Foto: Barnebys

Gran Fury

Gran Fury wurde 1988 als ein Kollektiv von Kunstaktivisten gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hatte, die Öffentlichkeit aufzuklären, direkte Aktionen zu fördern und die Vernachlässigung der AIDS-Pandemie durch Bürger und Regierung aufzudecken.

Gran Fury, 'Kissing doesn't kill', 1990 | Foto: tomkalin.com Gran Fury, 'Kissing doesn't kill', 1990 | Foto: tomkalin.com

Um mehr Menschen zu erreichen, setzte Gran Fury mehr auf die Straße, denn auf Museen und Galerien. Eines der bekanntesten Werke des Kollektivs ist das Bild von drei gemischtrassigen Paaren, die sich, als Schwule, Lesben und Heteros, küssend begegnen. Das Bild trägt die Unterschrift: "Küssen tötet nicht: Gier und Gleichgültigkeit tun das".

Annie Leibovitz

Annie Leibovitz ist eine der profiliertesten Fotografinnen unserer Zeit mit einem langen und beeindruckenden Lebenslauf. Ihre bekannteste Arbeit dürfte das Foto von John Lennon sein, der seinen nackten Körper um seine Frau Yoko Ono gewunden hat.

In einem sehr persönlichen und berührendem Projekt fotografierte sie ihre Lebenspartnerin, die Essayistin Susan Sontag, über einen Zeitraum von 15 Jahren. Die Reihe umfasst liebevolle Fotografien, die Sontag zuhause zeigen, Portraits, die während ihres Kampfes gegen ihre Krebserkrankung entstanden waren und auch die kontroversen Aufnahmen, die erst nach Sontags Tod gemacht wurden.Das umfangreiche Projekt wird von vielen als Annie Leibovitz "ikonischstes Werk" bezeichnet.

Annie Leibovitz, 'Susan Sontag' | Foto: Pinterest Annie Leibovitz, 'Susan Sontag' | Foto: Pinterest

Dies ist natürlich nur eine Handvoll der erwähnenswerten Künstler. Wir hoffen, dass wir durch das Feiern und Gedenken dieser kultigen Schöpfer einen Beitrag zum Kampf gegen Vorurteile und Diskriminierung gegen die LGBTQ-Community leisten können - nicht nur während des Monats Juni, sondern jeden Tag das ganze Jahr über.

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