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Sensing Spaces - Das ist ein passendes Motto für die Initiative der Royal Academy: Räume eröffnen für Menschen ohne eigene vier Wände.

Es war BNY Mellon, ein wichtiger Sponsor der Manet Ausstellung im letzten Jahr, der die Royal Academy mit St Mungo's Broadway bekannt machte. Diese Wohltätigkeitseinrichtung für Obdachlose, die von der Wohltätigkeitsstiftung der Bank gefördert wird, organisiert nun einen Kunstverein für obdachlose oder in Übergangsunterkünften übernachtende Personen. (community art club for the homeless).

Die Teilnehmer treffen sich einmal im Monat einen halben Tag um die aktuelle Ausstellung in der Royal Academy zu besichtigen, bevor sie sich hinsetzen um gemeinsam Kunst zu produzieren. Für viele, der ansonsten recht isoliert lebenden Teilnehmer ist die Möglichkeit, mit anderen Personen in Stille beisammen zu sein, eine willkommene Brücke über die üblichen Grenzen ihrer Alltagswelt hinaus.

Ein Mitglied gewann durch den Klub das Selbstvertrauen über sich selbst hinaus zu wachsen und eine Ausbildung zu beginnen, ein Gedanke der in ihm zuvor Unwohlsein erregt hatte. Die meisten Mitglieder backen kleinere Brote; dennoch gibt der Kunstklub ihnen einen Orientierungs- und Haltepunkt, eine Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu treten.

Weiter scheinen diese einfach arrangierten Treffen den Klubmitgliedern genau das zu geben, was sie in ihrer prekären Lage, die nicht selten von Abhängigkeit oder psychischen Problemen geprägt ist, brauchen: Einen kurzen Moment, in dem sie Probleme ausklammern oder neu verpacken können.

Eine solche Initiative ucht in Deutschland seinesgleichen. Zwar gibt es diverse Möglichkeiten für Obdachlose im Rahmen von Übernachtungsstätten oder Betreuungsinitiativen an Kunsttherapeutischen Projekten teilzunehmen oder sich einer Künstlergruppe anzuschließen. An Museen und Hochschulen initiierten Vereinen mit dem einfachen Rezept der Royal Academy scheint es zu mangeln. Dabei muss es so einfach sein: Bei diesem Verein kennen sich die Mitglieder vorher nicht, das heißt sie haben sich nicht selbst organisiert, es wird kein therapeutischer Ansatz verfolgt und die Teilnehmer müssen nur eine minimale Hürde an Teilnahmebereitschaft bewältigen.

Summasumarum bleiben Ausstellungshäuser und die dort gebotene Kunst wenig zugänglich für Obdachlose. Gleichzeitig ist der Aufwand gering, um eine Tür mit der Aufschrift „Integration" zu öffnen.

Mehr Mut und Mühe in Mittellose ihr Museen!

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