Die 46. Kalenderwoche 2018 hatte es ganz schön in sich. Ein Rekord jagte den anderen und Sotheby's und Christie's durften sich über unglaubliche Verkaufsergebnisse von zusammen 2,1 Milliarden USD freuen.

Los ging es am Montag in Sotheby's New Yorker Impressionist & Modern Art Evening Sale, der neue Künstlerrekorde für Oskar Kokoschka, René Magritte und Ludwig Meidner erzielte.

Am 13. und 14. November fand bei Christie's, ebenfalls in New York, die mit Spannung erwartete Versteigerung der Sammlung von Barney A. Ebsworths statt. Die Erwartungen wurden erfüllt: Der Gesamtumsatz der 91 versteigerten Lose betrug 323 Millionen USD. Zudem gab es Rekordergebnisse für insgesamt 13 Künstler.

Edward Hopper, Chop Suey, 1912 | Foto: ©Christie's Edward Hopper, Chop Suey, 1912 | Foto: ©Christie's

Einer von ihnen war Edward Hopper mit dem Werk Chop Suey. Das Gemälde aus dem Jahr 1929, das eine Szene in einem chinesischen Restaurant in New York darstellt, wurde nicht nur das teuerste Werk seines Erschaffers, sondern auch das teuerste Werk eines amerikanischen Künstlers vor dem Zweiten Weltkrieg (der teuerste Post-War-Künstler aus Amerika ist Jean-Michel Basquiat). Der Hammer für Chop Suey fiel bei 91 Millionen USD, womit der bisherige Rekord Hoppers, der bei 40 Millionen USD gelegen hatte, weit in den Schatten gestellt wurde.

Willem de Kooning, Woman as Landscape, 1954-55 | Foto: ©Christie's Willem de Kooning, Woman as Landscape, 1954-55 | Foto: ©Christie's

Einen privaten Sammler begeisterte sich vor allem für Willem de Koonings Woman as Landscape von 1954/55 und war am Ende bereit, dafür 68,9 Millionen USD auf den Tisch zu legen - wieder ein Künstlerrekord. Dafür darf er sich nun über einen unbegrenzten Blick auf die expressionistisch-abstrakte Metamorphose eines Körpers freuen, der sich in eine nicht-figurative Form verwandelt.

Alexander Calder, Hen, 1943 | Foto: ©Christie's Alexander Calder, Hen, 1943 | Foto: ©Christie's

Zu einem weit niedrigeren Preis, der aber dennoch ein Rekordergebnis darstellt, wechselte Hen von Alexander Calder den Besitzer. Es ist kein absoluter Künstlerrekord für Calder, für dessen Mobiles in der Vergangenheit bis zu 26 Millionen USD gezahlt wurden, aber für eine seiner "stehenden" Skulpturen.

Arshile Gorky, Good Afternoon, Mrs. Lincoln, 1944 | Foto: ©Christie's Arshile Gorky, Good Afternoon, Mrs. Lincoln, 1944 | Foto: ©Christie's

Die größte Inspirationsquelle des armenisch-amerikanische Künstlers Arshile Gorky waren die Werke der Surrealisten Miró und Matta. Mit Good Afternoon, Mrs. Lincoln schloss er sich dem Kreis der 13 neuen Künstlerrekorde der Ebsworth-Auktion an. Das Werk wurde für 14 Millionen USD versteigert.

Ebenfalls am 13. November versteigerte Sotheby's in Genf Schmuckstücke aus dem Besitz der royalen Familie von Bourbon-Parma. Auch diese Auktion war im Vorfeld mit Hochspannung erwartet worden, umfasste die Offerte doch zehn Schmuckstücke, die einst der französischen Königin Marie Antoinette gehört hatten. Top-Los war ein Anhänger mit Diamanten und großer Barock-Perle, der von Sotheby's Experten auf 2 Millionen Euro geschätzt worden war. Am Ende siegte die Faszination, die die berühmte Monarchin bis heute auf ihre "Fans" ausübt, und der Anhänger wechselte für 36 Millionen USD den Besitzer. Damit ist es das teuerste Perlen-Schmuckstück, das jemals versteigert wurde.

Anhänger mit großer Barockperle aus dem ehemaligen Besitz Marie Antoinettes | Foto: ©Sotheby's Anhänger mit großer Barockperle aus dem ehemaligen Besitz Marie Antoinettes | Foto: ©Sotheby's

Einen weiteren Rekord brach die Auktion insgesamt: Mit einem Endergebnis von 53,1 Millionen USD (53,5 Millionen CHF) war es die ertragreichste Versteigerung einer royalen Schmucksammlung. Der bisherige Rekordhalter war seit 1987 die Auktion mit der Sammlung der Duchess of Windsor, besser bekannt als Wallis Simpson, gewesen.

Auch ein anderer Rekordhalter wurde in der vergangenen Woche vom Thron geschubst. Seit 2013 durfte sich Jeff Koons rühmen, der teuerste lebende Künstler zu sein, als sein Balloon Dog (Orange) für 58,4 Millionen USD den Besitzer wechselteDiese Herrschaft ist nun jedoch zu Ende. Für den Thronwechsel sorgte Christie's Post-War and Contemporary Art Evening Sale am 15. November in New York.

David Hockney, Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) | Foto: ©David Hockney via Christie's David Hockney, Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) | Foto: ©David Hockney via Christie's

Auch hier sah man bereits vorab der Auktion Großes kommen. Als Portrait of an Artist (Pool with two figures), das der britische Künstler David Hockney 1972 gemalt hatte, aufgerufen wurde, liefen Saalbieter und Telefone heiß. Der Hammer fiel Bein 90,3 Millionen USD, womit Hockney zum teuersten lebenden Künstler wurde.

Man kann nur wiederholen: Was für eine Woche! Und man darf gespannt sein, mit was dieser Auktionsherbst noch so alles aufwarten wird.

Kommentar