Der Begriff „Pop Art“ wurde erstmals 1954 verwendet, obwohl der Stil seinen großen Durchbruch erst in den 1960er Jahren hatte. Die Pop Art stellte die Unterteilung in Schöne und populäre Kunst in Frage, indem sie die Konzeption der traditionellen Kunst herausforderte. Sie tat dies, indem sie die Art der Visualität verwendete, die in der Pop-Kultur und den sie umgebenden, massenhaft produzierten Objekten und Symbolen auftritt.

blog.php Jeff Koons' "Balloon Dog" ziert die Fassade eines H&M-Stores in New York Foto via Forbes

„Ich möchte, dass meine Werke für die Menschen zugänglich sind“, sagte Jeff Koons in der New York Times, als er eine streng limitierte Auflage von Handtaschen, die sein bekannter „Balloon Dog“ schmückte, der Öffentlichkeit präsentierte. Er sah voraus, dass sich Frauen aller Altersgruppen sowie Studenten und junge Berufstätige auf diese Taschen, die man in ausgewählten H&M-Stores für 49,50 USD kaufen konnte, stürzen würden.

Ein anderer zeitgenössischer Künstler, der es zu lieben scheint, mit großen Marken zu kooperieren, ist der Japaner Takashi Murakami. Der Künstler entwarf Skipässe für das Wintersportparadies Aspen, Louis Vuitton-Handtaschen sowie ein Stoffmuster, das für einen Skater-Schuh von Vans verwendet wurde. Letztere Zusammenarbeit hat er wie folgt kommentiert:

„Aus meiner Sicht gibt es keine anderen Schuhe, die so angenehm zu tragen sind, dass ich mich ganz auf die Erschaffung meiner Kunstwerke konzentrieren kann. Ich fühle mich auch sehr stark mit dem Markenkonzept und der kreativen Einstellung von Vans verbunden.“

blog-1.php Damien Hirsts Zusammenarbeit mit Alexander McQueen Foto: Sølve Sundsbø

Damien Hirst hat, wie Jeff Koons und Takashi Muramaki, mit verschiedenen Modemarken zusammengearbeitet. 2003 kooperierte er mit Alexander McQueen für eine limitierte Auflage von Schals. Diese Schals wurden mit Hirsts klassischen Motiven aus Schmetterlingen, Spinnen und weiteren Insekten verziert, die zusammen die geometrische Form eines Schädels bildeten, der wiederum ein Symbol für McQueen ist.

Ein weiteres Beispiel aus den Reihen der „Young British Artists“ ist Tracey Emin, die vor kurzem gemeinsam mit dem Juwelier Stephen Webster eine Schmuckkollektion entworfen hat. Die Kollektion, die auf den Namen „I Promise To Love You“ getauft wurde, besteht aus Manschettenknöpfen, Halsketten und Armbändern in der Form der Sätze von Emins ikonischen Neonarbeiten: „Promise to Love You," „With You I Breathe," „Love" und „More Passion“.

Der Straßenkünstler Shepard Fairey hat mehrmals mit Z-Trip zusammengearbeitet, einem der führenden Musikproduzenten und DJs in Amerika. Darunter war eine Reihe von Shows im Jahre 2008, um Barrack Obama zu unterstützen. Im selben Jahr schuf er ein Plakat, das Obama und die Wörter „Hope“ und „Change“ zeigte. Es war ursprünglich nicht als Zusammenarbeit für Obamas Präsidentschaftskandidatur geplant, doch dauerte es nicht lange, bis es zu einer Zustimmung seitens des Wahlkampfbüros kam. Kurz darauf war das Plakat eines der bekanntesten Symbole der Kampagne.

blog-2.php Shepard Faireys Obama-Poster Abbildung via Wikipedia

So wie die Pop Art, reflektieren diese Kooperationen das, was in unserer kommerziellen Kultur als erstrebenswert wahrgenommen wird, so wie Geld, Modelabels und Luxusresorts. Als die Pop Art sich darin ausdrückte, indem sie die Grenzen zwischen der klassischen und der populären Kultur verwischte, basierte dies sowohl auf den Kunstwerken und ihrem sozialen Kontext, als auch auf verschiedenen künstlerischen Medien. Das ist der Unterschied zu den Kooperationen in der heutigen Zeit, bei denen der Künstler selbst so kommerziell ist wie die jeweilige Marke selbst. Jeff Koons’ Handtasche und Damien Hirsts Schal könnten also als Post-Pop Art betrachtet werden.

Wir können nur spekulieren, welchen Zweck jeder einzelne zeitgenössische Künstler verfolgt, wenn er mit Handelsmarken kooperiert. Vielleicht wollen sie mit einer Botschaft die Öffentlichkeit erreichen, vielleicht geschieht es aus kommerziellen Gründen oder vielleicht gefällt es ihnen, ihre Kunstwerke in neuen Zusammenhängen zu sehen, wie der Modebranche oder der Politik.

Mittlerweile leben wir in der westlichen Welt in einer Gesellschaft, in der laufend irgendwelche „Hypes“ geschaffen werden. Andy Warhols berühmtes Motto der „15 Minuten Ruhm“ muss eher auf 15 Sekunden gekürzt werden. Die Ansicht, dass ein Künstler sterben muss, um anerkannt zu werden, ist überholt. Heutzutage können Künstler ein hohes Ansehen bei Sammlern und Museen auf der ganzen Welt erreichen und ihre Werke zu Höchstpreisen verkaufen, wenn sie es schaffen, einen Hype um sich selbst zu kreieren. Vielleicht reicht die Kunst an sich nicht mehr aus. Vielleicht müssen Künstler mit großen Marken zusammenarbeiten, um noch ein paar Sekunden Ruhm mehr zu erhalten.

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