Obwohl Claude Monet 1840 in Paris zur Welt kam,  war es seine Lehrzeit in der Normandie, die seine Karriere prägen sollte. Dort dort entdeckte er nicht nur seine Liebe zur Malerei im Allgemeinen, sondern auch zur Natur. Als er 1859 in seine Geburtsstadt zurückkehrte, entwickelte er sich zum Anführer des Impressionismus, einer Bewegung, die ihren Namen einem seiner Gemälde verdankt.

Claude Monet inmitten seiner Seerosen Claude Monet inmitten seiner Seerosen

Claude Monet wuchs in Le Havre auf, wo er bei Jacques-François Ochard in die Lehre ging. Zunächst malte er Portraits und Karikaturen. Als er mit Eugène Boudin jedoch einen Vater im Geiste traf, änderte er die Ausrichtung seiner Arbeiten. Gemeinsam mit Johan Barhold Jongkind stellten die beiden Künstler ihre Leinwände in der freien Natur auf und begannen, „nach dem Leben“ zu malen. Diesen einmal eingeschlagenen Weg sollte Monet ein Leben lang weiter beschreiten.

Gemäß Boudins Rat, kehrte er 1859 nach Paris zurück. Da er völlig mittellos war, ging er an die Académie Suisse, wo man Modelle zu günstigen Preisen fand. An der Akademie traf er auf andere Künstler, darunter Pissarro, Renoir und Courbet.

Von Anfang an gab es Einflüsse, die Monet prägten: zum einen seine Zeitgenossen, der aufkommende Japonismus und die Innovation der Fotografie, zum anderen frühere Künstler wie Eugène Delacroix und John Constable. Da er ungebunden war, gab es für ihn keine Möglichkeit, dem Militärdienst in Algerien zu entkommen, in dessen Verlauf er krank wurde. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich, war es jedoch die Versehrtenbeihilfe, die es ihm ermöglichte, sich ganz der Malerei zu widmen.

Claude Monet, Camille im grünen Kleid, 1866 (Kunsthalle Bremen) Claude Monet, Camille im grünen Kleid, 1866 (Kunsthalle Bremen)

Eine Zeitlang pendelte Monet zwischen Paris und der Normandie. Die ersten Bilder, mit denen er auf sich aufmerksam machen konnte, entstanden in Honfleur und Sainte-Adresse. In Paris war er Stammgast im Café Guerbois und schloss sich dem Atelier von Charles Gleises an. 1866 stellte er in Salon de Paris aus, wo er für sein Bild einer Frau im grünen Kleid, bei der es sich um seine zukünftige Ehefrau Camille Doncieux handelte, positive Kritiken erhielt.

In Gesellschaft von Kollegen wie Alfred Sisley oder Frédéric Bazille stellte Monet seine Leinwand im Wald von Fontainebleau auf. Gemeinsam mit Renoir unternahm er Ausflüge nach Bougival. Die neue Richtung, die seine Arbeiten nun prägte, wurde von der Öffentlichkeit jedoch abgelehnt. Von Armut zermürbt, sah sich Monet 1867 gezwungen, 200 seiner Werke zu verpfänden. Diese schmerzhafte Episode veranlasste ihn zu einem Selbstmordversuch.

Claude Monet, Gare Saint-Lazare, 1877 (Musée d'Orsay) Claude Monet, Gare Saint-Lazare, 1877 (Musée d'Orsay)

Vor dem Deutsch-Französischen Krieg floh Claude Monet 1870 nach London. Pissarro, der sich ebenfalls dort aufhielt, stellte ihn dem Händler Durand-Ruel vor, der später sein Förderer werden sollte. Die Zeit in England nutzte er zum Studium der Werke Turners, der nach Boudin sein zweiter Vater ihm Geiste wurde. Turners Einfluss ist in Monets englischen und niederländischen Bildern ebenso zu spüren, wie in seinen Arbeiten mit dem Gare Saint-Lazare, der Kathedrale von Rouen und dem Parlamentsgebäude in London.

Claude Monet, Sonnenuntergang an der Seine bei Lavacourt, 1880 (Petit Palais) Claude Monet, Sonnenuntergang an der Seine bei Lavacourt, 1880 (Petit Palais)

Monet kehrte 1872 nach Frankreich zurück und organisierte seine erste impressionistische Ausstellung im Atelier des Fotografen Nadar. Das Ereignis war ein öffentlicher Flop: Impression, Sonnenaufgang wurde zum Symbol einer missverstandenen Bewegung. Dennoch malte der Künstler einige ähnliche Werke, wie zum Beispiel Sonnenuntergang an der Seine bei Lavacourt (1880).

Der Künstler zog nach Argenteuil, wo er seine impressionistischen Experimente im Herzen der Natur fortsetzte. Nach dem Tod seiner Frau Camille im Jahr 1879 zog er mit der Familie seines Mäzens Ernest Hoschédé nach Vétheuil (dessen Witwe er 1893 heiraten sollte).

Claude Monet, Getreideschober, Mittag, 1890 (National Gallery of Australia) Claude Monet, Getreideschober, Mittag, 1890 (National Gallery of Australia)

Im Jahr 1883 ließen sich die Familien Monet und Hoschédé in Giverny nieder. Dort produzierte Claude Monet einige feiern schönsten Serien, einschließlich seiner Heuschober und Pappeln. Er ging auch nach wie vor auf Reisen, wodurch sein Œuvre durch Darstellungen romantischer Stürme über Belle-Île (1886) und die leuchtenden Landschaften von Antibes bereichert wurde. Außerdem offenbarten diese Arbeiten den Einfluss von Pierre Bonnard.

Claude Monet, Seerosen, 1919 (Musée Marmottan) Claude Monet, Seerosen, 1919 (Musée Marmottan)

Monets größtes Projekt waren jedoch seine Seerosen. Über mehrere Jahre hinweg konsultierte er Gartenbauer und leitete einen Bach mit dem Ziel um, sein Haus und seinen Garten in ein künstliches Paradies zu verwandeln. Auch im Alter war er trotz einer Augenerkrankung mit ganzen Herzen bei der Arbeit und schuf in einem speziell für ihn gebauten mobilen Studio großformatige Gemälde. Mit voller Hingabe widmete er sich den Seerosen-Bildern und war was diese betrifft  besonders kritisch gegenüber sich selbst. Unzufrieden mit den Ergebnissen seiner Arbeit, zerstörte Monet viele seiner Kreationen.

Der Künstler starb 1926, ein Jahr nach der Eröffnung des Musée de l’Orangerie, in dem heute einige seiner Seerosen-Bilder zu sehen sind.

Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1877 (Musée Marmottan) Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1877 (Musée Marmottan)

Die Wiederentdeckung Monets hat Frankreich in gewisser Hinsicht den USA zu verdanken, wo 1957 der Kunstkritiker Clement Greenberg einen Artikel verfasste, in dem er den französischen Maler mit der lyrischen Abstraktion verglich. In seiner Neuinterpretation von Monet sah Greenberg ihn als Initiator des "Farbfeldes" und des "Ganzen" und identifizierte damit einen edlen ästhetischen Vorgänger für die amerikanischen Künstler jener Zeit.

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