Die Herbstauktion vom 29. November - 1. Dezember der Villa Grisebach in Berlin steht ganz im Zeichen moderner und zeitgenössischer Kunst. Besonders gut vertreten sind Meisterwerke der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und mit ihnen die großen Namen des deutschen Expressionismus und der einflussreichen Künstlergruppe Brücke.

Mit Paula Modersohn-Becker ist eine Malerin der ersten expressionistischen Welle, die die europäische Kunstszene im späten 19. Jahrhundert hervorbrachte, in der Auktion vertreten. Drei Kinder an einem Hang sitzend mit Hund und Pferd entstand im Jahr 1901 und ist direkt von jenen Eindrücken beeinflusst, die die Künstlerin während ihres ersten Paris-Aufenthaltes im Jahr zuvor gesammelt hatte.

1905 wurde in Dresden von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff in Dresden die Künstlergruppe Brücke gegründet, die sehr bedeutsam für die zweite und wichtigere Welle des Expressionismus in Deutschland war.

Wie für viele Künstler vor und nach ihm, zog es auch Erich Heckel ans Meer, wo sich die Landschaft unter weitem Horizont als äußerst inspirierend erwies. Heckels Sehnsuchtsort war Dangast am Jadebusen, wo auch das vorliegende Werk Blaue Iris im Jahr 1908 entstand.

Emil Nolde gehörte nur kurzzeitig der Brücke an. Auch ihn faszinierte die Landschaft an der Küste und die manchmal bedrohliche Kraft der Nordsee, die bei Sturmfluten als "Blanker Hans" ihr unheilvolles Gesicht zeigt. Noldes Faszination wird auch in dem Werk Segelboot deutlich, das im Hamburger Hafen entstand und zurecht zu seinen besten Werken gezählt wird.

Ein weiteres Werk der Auktion, dessen Motiv ebenfalls in der Hansestadt angesiedelt ist, beschäftigt sich weniger mit dem bedrohlichen Aspekt einer potenziellen Sturmflut, als vielmehr mit dem vergnüglichen Nachtleben, das das Stadtviertel St. Pauli besonders für Matrosen zu bieten hatte. Gemalt wurde dieses Aquarell von Otto Dix, der weniger als Expressionist denn als Karikaturist aktiv war und hier einen Einblick in einen Tanzsaal in St. Pauli gewährt. Wann das Bild entstanden ist? Vermutlich etwa nachts um halb eins...

Mit Akte im Wald von Ernst Ludwig Kirchner ist ein weiteres Werk eines Brücke-Gründers in der Auktion vertreten. Mit einem Schätzpreis von 1,2 - 1,5 Millionen Euro ist ist zudem das am höchsten bewertete Los der Auktion. Entstanden ist es im Jahr 1912 auf der Ostseeinsel Fehmarn, auf der Kirchner 1908, 1912 und 1914 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Erna Schilling den Sommer verbrachte und einige seiner besten Werke ausführte. Kirchner selbst bezeichnete diese als "Bilder [...] von absoluter Reife".

Ein ähnliches Motiv liegt mit Drei Badende und rotbraune Bäume von Kirchners Kollegen Otto Mueller vor, das etwa zwei Jahre später entstanden war. Als Kulisse dienten die Moritzburger Teiche in Sachsen, wo sich Mueller gemeinsam mit Kirchner, Heckel und Max Pechstein, der zeitweise ebenfalls Mitglied der Brücke gewesen war, 1910 und 1911 aufgehalten hatte.

Von Hermann Max Pechstein kommt u.a. das Werk Morgenrot zum Aufruf, das, wie sein Name bereits erahnen lässt, durch seine intensiven Rottöne besticht. Darstellt sind einige Vertreterinnen des "Norddeutschen Fleckviehs" beim morgendlichen Spaziergang auf die Weiden der Kurischen Nehrung, wo sich Pechstein zum Zeitpunkt des Entstehens aufhielt.

Eine weitere bedeutende Institution des deutschen Expressionismus war der von Wassily Kandinsky und Franz Marc in München ins Leben gerufene Kunstalmanach Der Blaue Reiter. Als langjährige Lebensgefährtin Kandinskys war die Malerin Gabriele Münter eng mit dem Blauen Reiter verbunden. Münter landschaftliche Arbeiten sind meist im Gebirge und Vorgebirge angesiedelt. Ein perspektivisch interessantes Werk ist das vorliegende Lauensteiner Land von 1927.

Auch der in Russland geborene Alexej von Jawlensky gehörte dem Umkreis des Blauen Reiters an. Auf eine wahre Farbexplosion darf mit Prerow (Darß), Pommern geboten werden, das Jawlensky während seines dortigen Aufenthaltes im Jahr 1911 malte.

Last but not least möchten wir Ihnen noch das Aquarell Holzfäller vorstellen, das Max Beckmann 1933 schuf. Zusehen ist ein offenbar erschöpfter Waldarbeiter mit seinem Hund, der zwischen Baumstümpfen eine Pause einlegt. Das Bild ist mehr als nur die Darstellung einer Arbeitspause. Es ist eine Vorahnung der Dinge, die ab diesem Jahr ihren Lauf nehmen sollten und die künstlerische Freiheit, Ausdruckskraft und Menschlichkeit aus Deutschland für lange Zeit verbannen sollten.

Sehen Sie hier die Termine der Herbstauktion im Überblick.

29. November, 18 Uhr - Ausgewählte Werke

30. November, 11 Uhr - Moderne Kunst

30. November, 18 Uhr - Zeitgenössische Kunst

1. Dezember, 11 und 15 Uhr - Third Floor. Schätzpreise bis 3.000 Euro

Die Auktionen finden in der Villa Grisebach in der Fasanenstraße 27 in Berlin statt. Dort können alle Werke der Auktion ab dem 23. November besichtigt werden. Am 14. Dezember findet dort ebenfalls eine Benefiz-Auktion zugunsten von ONE FINE DAY e.V. statt (Beginn der Vorbesichtigung: 11. Dezember).

Entdecken Sie die Lose des aktuellen Katalogs von Grisebach hier bei Barnebys.

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