Hilma af Klint in ihrem Atelier an der Hamngatan, ca. 1895 © Stiftelsen Hilma af Klints Verk, Foto: Moderna Museet, Stockholm Hilma af Klint in ihrem Atelier an der Hamngatan, ca. 1895
© Stiftelsen Hilma af Klints Verk, Foto: Moderna Museet, Stockholm

Hilma af Klint war eine Pionierin der gegenstandslosen Kunstbewegung und gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler Schwedens.

Jugend

Geboren am 26. Oktober 1862 auf Schloss Karlsberg in Solna, Stockholm, wuchs Hilma als viertes von fünf Geschwistern in einer Familie von Marineoffizieren auf. Ihre Familie verbrachte die Sommer auf ihren Anwesen in Hanmora und Tofta, Adelsö, am Mälarsee, in der Nähe von Stockholm. Die idyllische Umgebung und der enge Kontakt mit der Natur sollten einen großen Einfluss auf den zukünftigen Künstler haben.

HaK1201, undatiert, 24x36cm, Öl/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK1201, undatiert, 24x36cm, Öl/Lwd.
© The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm

Studien (1882-1887)

Hilma af Klint zeigte in jungen Jahren ein großes künstlerisches Talent. Nach dem Studium an der heutigen Konstfack in Stockholm wurde sie im Alter von 20 Jahren an der Königlich Schwedischen Akademie der Schönen Künste aufgenommen und gehörte zu der ersten Frauengeneration, die an der renommierte Schule studieren durfte - auch wenn die Ausbildung der weiblichen Schüler getrennt von ihren männlichen Kommilitonen stattfand. Das Studium der Damen zielte mehr darauf ab, diese zu Kopistinnen oder Illustratorinnen auszubilden.

Frühe Jahre

Aufgrund ihrer hervorragenden Noten erhielt Hilma af Klint ein Stipendium, das ihr den Zugang zu einem Atelier der Königlich Schwedischen Akademie an der Ecke Hamngatan und Kungsträdgården in Stockholm ermöglichte. Dieses Gebäude galt zu dieser Zeit als das kulturelles Zentrum der schwedischen Hauptstadt. Das Gebäude beherbergte auch Blanchs Café und Blanchs Salon, wo die Akademie und die Künstlervereinigung ihre langjährige Fehde austrugen.

In diesem Haus befanden sich die Ateliers der Akademie, sowie Blanchs Café und Blanchs Salon © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm In diesem Haus befanden sich die Ateliers der Akademie, sowie Blanchs Café und Blanchs Salon
© The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm

Ein Leben der Verpflichtungen und Entsagungen

Bis 1908 arbeitete Hilma in ihrem Atelier in der Hamngatan. Dann zog sie um, um sich mehr um ihre blinde Mutter kümmern zu können. Sie beschloss unverheiratet zu bleiben und opferte in den kommenden 12 Jahren ihre Unabhängigkeit.

Neben ihrer umsorgenden Arbeit war ihr Leben widmete sie ihr Leben der Kunst und einer spirituellen Forschung. Zunächst konzentrierte sie sich auf Portraits und Landschaften und nahm an Ausstellungen in Blanchs Salon und 1914 an der Baltischen Ausstellung in Malmö teil.

Ab 1906 widmete sich Hilma verstärkt der gegenstandslosen Malerei. Da sie sich jedoch entschlossen hatte, diese spirituell inspirierten Werke zu zeigen oder gar zu verkaufen, hatte sie mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Finanzielle Unterstützung erhielt sie von Freunden, die ihr auch halfen, ein Atelier in Munsö, nahe des Familienbesitzes in Adelsö, einzurichten, wo sie ab 1917 arbeitete.

Nach dem Tod ihrer Mutter zog Hilma af Klint 1935 nach Helsingborg und später nach Lund. 1944, als sie im Alter von 82 Jahren nach Stockholm zurückkehrte, lebte sie zusammen mit ihre Cousine Hedvig af Klint in Djursholm. Sie erlag jedoch im Herbst jenes Jahres den Verletzungen, die sie sich bei einem Autounfall zugezogen hatte.

HaK193, Menschliche Keuschheit, Altarbild, 1915, 46x30cm, Tempera u. Öl/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK193, Menschliche Keuschheit, Altarbild, 1915, 46x30cm, Tempera u. Öl/Lwd.
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Spirituelle Interessen

Wie viele ihrer Zeitgenossen war auch Hilma af Klint um 1900 an einer spirituellen Suche beteiligt. Schon als Teenager hatte sie an spirituellen Seancen teilgenommen. Von 1889 bis 1915 war die Mitglied der Edelweiss-Vereinigung und Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Zudem wurde sie von den Rosenkreuzern beeinflusst, deren Symbolik sich in vielen ihrer Kunstformen wiederfinden lässt.

Im Alter von 60 Jahren begann sie sich außerdem für die Anthroposophie zu interessieren und war mit dem Theosophen Rudolf Steiner persönlich bekannt. In den 1920er und 1930er Jahren verbrachte sie einige Zeit im Hauptsitz der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum in Dornach in der Schweiz.

Hak1, Gruppe 1, Urchaos, 53x37cm, Öl/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm Hak1, Gruppe 1, Urchaos, 53x37cm, Öl/Lwd.
© The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm

"Die Fünf" (1896-1906)

1896 gründete Hilma af Klint zusammen mit vier anderen Künstlerinnen die Gruppe "Die Fünf". Sie trafen sich jeden Freitag zu spirituellen Sitzungen, in denen sie einander ihre Schriften und Zeichnungen vorstellten. Sie führten auch ein Register aller Nachrichten, die sie von den Geistern erhielten, die sie "Die Hohen" nannten.

Mit der Zeit empfand sich Hilma als eine Auserwählte der Gruppe. Nach zehn Jahren esoterischer Tätigkeit akzeptierte sie im Alter von 43 Jahren einen Auftrag der "Hohen": Sie sollte die "Bilder für den Tempel" ausführen. Diese Arbeit, die sie zwischen 1906 und 1915 beschäftigte, sollte ihr Leben verändern.

HaK1519_s6, Seite 4 Automatische Zeichnung 1903 © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK1519_s6, Seite 4 Automatische Zeichnung 1903
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"Gemälde für den Tempel" (1906-1915)

"Gemälde für den Tempel" besteht aus 193 Arbeiten, die methodisch in eine Reihe von Serien und Untergruppen unterteilt sind. Hilma af Klint erlebte eine künstlerische Revolution: wie aus dem Nichts wechselte sie von einer traditionellen Malweise zu einem völlig einzigartigen, nicht-figurativen Stil und produzierte in enormer Geschwindigkeit eine große Menge gigantische, farbenfrohe und mit Symbolen übersättigte Gemälde.

HaK103, Gruppe 4, Nr. 2, Die Zehn Größten, Kindheit, 1907, 315x234cm, Tempera/Papier/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK103, Gruppe 4, Nr. 2, Die Zehn Größten, Kindheit, 1907, 315x234cm, Tempera/Papier/Lwd.
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Der Beginn der gegenstandslosen Kunst

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Hilma af Klint Teil der von ihren zeitgenössischen männlichen Künstlerkollegen in Europa entwickelten Bewegung der abstrakten Kunst gewesen wäre. Ihre spirituellen Interessen wurden jedoch von vielen der kanonisierten abstrakten Pioniere wie Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian und František Kupka geteilt. Sie alle wurden von Theosophie und Spiritismus inspiriert. Jeder von ihnen zielte auf seine Weise auf einen Ausdruck außerhalb der physischen Welt ab.

HaK187, Gruppe 10, Altarbild Nr. 1, 1907, 185x152cm, Öl u. Metallplättchen/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK187, Gruppe 10, Altarbild Nr. 1, 1907, 185x152cm, Öl u. Metallplättchen/Lwd.
© The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm

Autodidaktin (1916-1920)

Als die Arbeit an "Gemälde für den Tempel" beendet war, endete auch die geistige Führung. Hilma af Klint drückte mit ihrer Kunst jedoch weiterhin ihre spirituellen Dimensionen aus und projizierte Pflanzen und Tiere, Organismen und Materie in symbolische Graphen. Das Format dieser Gemälde ist viel kleiner als die vorhergehenden Werke, und die Bilder und Techniken zeigen eine große Vielfalt.

Hilma af Klint war überzeugt, dass die Realität nicht auf physische Dimensionen beschränkt ist. Sie glaubte an eine parallele innere Welt, und ihre Kunst vermittelte Botschaften von dort. Um mehr Einsicht zu erlangen, taucht Hilma in Kunst, Philosophie und Religion ein.

HaK469, Nr. 2a, Der aktuelle Standpunkt der Mahatmas, Serie II, 1920, 36,5x27cm, Öl/Lwd. © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK469, Nr. 2a, Der aktuelle Standpunkt der Mahatmas, Serie II, 1920, 36,5x27cm, Öl/Lwd.
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1921-1941

Im Jahr 1921 studierte Klint Goethes Farbenlehre, die von Rudolf Steiner metaphorisiert wurde. Sie malte in diesem Jahr keine offiziellen Bilder, begann sich im Jahr darauf jedoch dem Aquarell zuzuwenden. Diese Technik war von der anthroposophischen Kunst inspiriert, jedoch entwickelte sie ihren eigenen Stil mit schwarzer Farbe, die in der anthroposophischen Kunstbewegung als verboten galt.

HaK717a, Wasserfarben-Serie aus Dornach, 1924, 40x50cm, Wasserfarbe/Papier © The Hilma af Klint Foundation, Foto: Moderna Museet, Stockholm HaK717a, Wasserfarben-Serie aus Dornach, 1924, 40x50cm, Wasserfarbe/Papier
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Zeugnis

Hilma af Klint hat eine Vision, dass ihre Kunst dazu beitragen würde, nicht nur das Bewusstsein der Menschen im Allgemeinen zu beeinflussen, sondern auch die Gesellschaft selbst. Sie war jedoch überzeugt, dass ihre Zeitgenossen dazu noch nicht bereit waren. Aus diesem Grund bestimmte sie, dass ihre Werke erst 20 Jahre nach ihrem Tod ausgestellt werden sollten.

Es sollte schließlich jedoch 40 Jahre dauern, bis ihre spirituelle Kunst erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde: in der Ausstellung "The Spiritual in Art - Abstract Paintings 1890-1985" im Los Angeles Museum of Modern Art. Ihr internationaler Durchbruch war unmittelbar und ihre Arbeiten sind seitdem in Museen in Europa, den USA und Lateinamerika zu sehen. Im Jahr 2013 zeigte das Moderna Museet in Stockholm eine umfassendste Retrospektive mit 230 Werken Hilmas.

Hilma af Klint hinterließ mehr als 1200 gegenstandslose Gemälde und 124 Notizbücher. Ihr Erbe wird von der Hilma af Klint Foundation verwaltet.

Text: Hedvig Ersman von der Hilma af Klint Foundation.

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