Der große Pop Art-Künstler Roy Lichtenstein war mit Nichten auf einer Wellenlänge mit der traditionellen Kunst, die Mitte des 20. Jahrhunderts in den Museen traditionell zu finden war. Dem amerikanischen Künstler, wie auch seinem Kollegen Andy Warhol, schwebte vor, mit der akademischen Herangehensweise an die Kunst völlig zu brechen. Zu diesem Zweck, verwendete er alltägliche Gegenstände und ließ sich von den Werbeanzeigen und Comics der 1950er Jahre inspirieren, womit er ein Œuvre konstruierte, dass sich vollständig von allen anderen abhob.

Roy Lichtenstein, "In the Car", 1963 (Scottish National Gallery of Modern Art) Roy Lichtenstein, "In the Car", 1963 (Scottish National Gallery of Modern Art)

Die 1960er Jahre waren die Geburtsstunde der Massenzivilisation und der Konsumgesellschaft. Das Leben bot zunehmend mehr Komfort, den sich sich auch die Arbeiterklasse leisten konnte. Jeder träumte von einem schönen Haus oder Auto, den neuesten Accessoires und dem Ideal eines schönen Körpers. Nun ja, fast jeder.

Junge Avantgarde-Künstler schwammen gegen den Strom der zunehmenden Aggressivität in den amerikanischen Großstädten und verurteilten den immer stärker werdenden Konsum um des Konsums willen. Verkörpert wurde diese Einstellung vor allem durch Richard Hamilton und anderen Anführern der Pop Art-Bewegung, die als Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus entstanden war und in der Roy Lichtenstein seine Nische finden sollte.

1923 geboren in Manhattan als Sohn einer aus Deutschland stammenden wohlhabenden jüdischen Familie, verlebte Lichtenstein eine sorgenfreie Kindheit. Schon früh entwickelten sich bei ihm Leidenschaften für schöne Dinge wie Kunst, Design und Musik. Leidenschaften, die er auch während des Zweiten Weltkriegs, als er als Soldat in der Armee in Europa stationiert war.

Roy Lichtenstein in der Leo Castelli Gallery in New York City, 1962 Roy Lichtenstein in der Leo Castelli Gallery in New York City, 1962

Nach seiner Rückkehr beendete Lichtenstein sein Studium in Ohio und gab nebenher Zeichenunterricht, bevor er mit seiner Frau nach Cleveland und später nach New Jersey zog. Er unterrichtete weiterhin und malte in seiner Freizeit eigene Werke, die vom Kubismus inspiriert waren. Erst ab den frühen 1960er Jahren begann Lichtenstein, "fertige" Arbeiten in seine eigenen aufzunehmen sich der Pop Art zuzuwenden, deren Vorläufer (Claes Oldenburg, Jim Dine und James Rosenquist) sich oft in Leo Castellis Galerie an der Upper East Side trafen.

Roy Lichtenstein, "Tire", 1962 (San Francisco Museum of Modern Art) Roy Lichtenstein, "Tire", 1962 (San Francisco Museum of Modern Art)

Lichtenstein spielte mit den Gründungsmythen hinter dem amerikanischen Lebensstil und verwies mit Ironie auf die Banalität alltäglicher Objekte. Trotz des Anscheins von Unbeschwertheit, wie in Tire (1962), oder Verweisen auf bekannte Charaktere wie Popeye, Dick Tracy und die Helden von Walt Disney, hat Roy Lichtenstein offen die Fehler im menschlichen Verhalten verspottet.

Roy Lichtenstein, "Drowning Girl", 1963 (MoMA, New York) Roy Lichtenstein, "Drowning Girl", 1963 (MoMA, New York)

1963 kehrte er in seine Geburtsstadt New York zurück und begann eine Serie von Werken, die vom Universum der DC Comics inspiriert waren. Es stellten sich erste Erfolge ein, die mit Whaam! und Drowning Girl für ihn bisher nie gekannte Dimensionen annahmen. Der grafische Stil dieser Arbeiten erinnert an den Stil des japanischen Holzschnittkünstlers Katsushika Hokusai. Die Begeisterung wurde nicht von allen Vertretern der Presse geteilt. Das Magazin Life ging 1964 sogar soweit, die Frage zu stellen, ob es sich bei Lichtenstein  wohl um "einen der schlechtesten Künstler Amerikas" handeln könnte. Nichtsdestotrotz liebte ihn sein Publikum - und Andy Warhol.

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Roy Lichtenstein, der nun ausschließlich von seiner Kunst leben konnte, entwickle seinen eigenen Stil, in dem er dicke Linien, auffällige Farben, eine bewusste Abwesenheit von Tiefe und Punkthintergründe kombinierte, die er von den Drucktechniken übernommen hatte. Später versuchte er sich auch in Keramik, Ornamentmalerei, Druckgrafik sowie Trompe-l'œil-Stillleben und Skulpturen mit unterschiedlichem Erfolg.

Roy Lichtenstein, "Barcelona Head", 1992 Roy Lichtenstein, "Barcelona Head", 1992

 

1979 wurde er Mitglied in der renommierten American Academy of Arts and Sciences und wandte sich gegen Ende seines Lebens der Plastik zu. Für die Olympischen Spiele in Barcelona im Jahr 1992 schuf er die Skulptur Barcelona Head. Ebenso schuf er eine Reihe von Landschaften, in denen er auf die traditionelle chinesische Malerei und die Zen-Bewegung anspielte.

Auch zwanzig Jahre nach seinem Tod im September 1997 nimmt Roy Lichtenstein noch immer eine zentrale Position in der Welt der Pop Art ein. Seine Arbeiten stehen nach wie vor ganz weit oben in der Gunst des Publikums, wie die zahlreichen Retrospektiven der letzten Jahre, u.a. im Art Institute of Chicago und im Tate Modern in London, zeigen.

Roy Lichtenstein | Foto: Ceramica Flaminia Roy Lichtenstein | Foto: Ceramica Flaminia

Von Lichtensteins Werken sind weltweit etwa 4500 im Umlauf. Dauerhaft bewundert werden können sie Italien, Portugal und Österreich. Europas größte Pop Art-Sammlung beherbergt das Museum Ludwig in Köln. In den Vereinigten Staaten werden Lichtensteins Arbeiten aktuell in rund zehn öffentlichen Museen gezeigt, darunter im San Francisco  Museum of Modern Art und im Solomon R. Guggenheim Museum in New York.

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