Der Beginn des 18. Jahrhunderts stand noch stark unter dem Einfluss der barocken Prachtentfaltung, die Sonnenkönig Louis XIV mit dem Schloss von Versailles erdacht und erbaut hatte. Sein Stil wurde von allen absolutistischen Fürsten jener Epoche aufgegriffen und weitgehend kopiert, weshalb wir uns an dieser Stelle auf die Entwicklung in Frankreich konzentrieren wollen.

Von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sind die vorherrschenden Stile der Kunsttischlerei nach dem jeweils regierenden König von Frankreich benannt: Louis XIV (1643-1715), Louis XV (1715-74) und Louis XVI (1774-92). Da Louis XV beim Tod seines Urgroßvaters Louis XIV erst fünf Jahre alt war (alle weiteren erbrelevanten Familienmitglieder waren durch die Pocken dahingerafft worden), wurde der Herzog von Orléans als Regent eingesetzt. Diese Epoche (1715-23) wird daher auch Régence genannt.

Links: A. C. Boulle, Tisch, ca. 1685 (Foto: Christie's) Rechts: B. I van Risenburgh (attr.), Schreibtisch, ca. 1710-15 (Foto: Sotheby's) Links: A. C. Boulle, Tisch, ca. 1685 (Foto: Christie's) Rechts: B. I van Risenburgh (attr.), Schreibtisch, ca. 1710-15 (Foto: Sotheby's)

Der wichtigste Kunsttischler bzw. Ebenist um 1700 war André-Charles Boulle. Boulle perfektionierte die Marketerie-Technik, die prägend für das gesamte 18. Jahrhundert werden sollte. Das wichtigste Merkmal seiner Arbeiten, waren die verwendeten wertvollen Materialien, allen voran das rote Schildpatt, das er mit Golddekorationen kombinierte.

Zum Ende der Herrschaft Louis' XIV hatte Versailles an Glanz enorm eingebüßt. Die zweite (heimliche) Gemahlin des Königs, Madame de Maintenon, hatte das gigantische Schloss mit ihren streng religiösen Moralvorstellungen in einen tristen Katafalk verwandelt. Die elegante Gesellschaft zog es nach Paris und auch der Regent Philippe von Orléans verlegte die Regierung wieder in die französische Hauptstadt.

E. Doirat (attr.), Kommode, ca. 1725 (Foto: Christie's) E. Doirat (attr.), Kommode, ca. 1725 (Foto: Christie's)

Paris wurde zum bedeutendsten Zentrum der Kunsttischlerei. Es entwickelte sich dort ein Stil, der noch immer an das Barock angelehnt war, jedoch zunehmend feiner gestaltet war: Das Rokoko. Der Name "Rokoko" entstand erst später und bezog sich auf eines der wichtigsten Dekorationsmerkmale jener Epoche, die meist in S- oder C-Form geschwungenen Ornamente, die rocaille ("Muschelwerk") genannt wurden.

Links: B. II van Risenburgh, Damenbureau "en vernis Martin", um 1750/55 (Foto: Koller) Rechts: N. Heurtaut, Fauteuils "à la Reine", 1755-60 (Foto: Christie's) Links: B. II van Risenburgh, Damenbureau "en vernis Martin", um 1750/55 (Foto: Koller) Rechts: N. Heurtaut, Fauteuils "à la Reine", 1755-60 (Foto: Christie's)

Wie die Marketerie und Intarsien bestimmten auch die rocaillen die Möbelkunst der folgenden Jahrzehnte unter der Herrschaft Louis' XV. Hinzu kam noch ein weiteres Element, das den Geschmack jener Epoche zwischen Aufklärung, dem Sinn für Extravagantes und Exotik und dem zunehmenden Handel mit Kunstgegenständen widerspiegelt: Die Chinoiserie. Der Begriff beschreibt die chinesischen und japanischen Dekorationen, die in der europäischen Kunst schon bald eine wichtige Position einnahmen.

Die Grundlage für diesen Trend bildeten Porzellane und Lacktafeln aus Japan und China, die nach Frankreich importiert wurden. Für die Verbreitung des Stils und die Vermittlung der Importwaren an die besten Ebenisten sorgten die Marchand-Merciers, jene Pariser Händler, die ab dem 18. Jahrhundert die Stilentwicklung entscheidend mitbestimmten.

Links: Potpourri aus chinesischem Porzellan mit französischer Montierung aus vergoldeter Bronze, 18. Jh. (Foto: Koller) Rechts: Paar Karpfenvasen aus chinesischem Celadonporzellan mit französischer Montierung aus vergoldeter Bronze, um 1750-55 (Foto: Christie's) Links: Potpourri aus chinesischem Porzellan mit französischer Montierung aus vergoldeter Bronze, 18. Jh. (Foto: Koller) Rechts: Paar Karpfenvasen aus chinesischem Celadonporzellan mit französischer Montierung aus vergoldeter Bronze, um 1750-55 (Foto: Christie's)

Während das fernöstliche Porzellan, das sich trotz des mittlerweile erfundenen europäischen Porzellans noch immer großer Beliebtheit erfreute, mit Monturen aus vergoldeter Bronze kombiniert wurde, verbreiteten die Ebenisten die Lacktafeln zu Platten, mit denen sie Sekretäre und Kommoden verzierten, die schon bald zu den beliebtesten und teuersten Möbelstücken ihrer Zeit gehörten.

Links: J. Dubois, Lackkommode, um 1750 (Foto: Koller) Rechts: J. Dubois, Lackkommode, um 1745 (Foto: Sotheby's) Links: J. Dubois, Lackkommode, um 1750 (Foto: Koller) Rechts: J. Dubois, Lackkommode, um 1745 (Foto: Sotheby's)

"Goût chinois" oder "goût japonais" nannte man die mit fernöstlichen Elementen geschaffenen Stile. Daneben existierten Möbelstücke, die mit ihren aufwändigen Intarsien und Marketerien auf kunsthandwerklich höchstem Niveau waren. Die Einlegearbeiten, die zu geometrischen Mustern, Ornamenten oder ganzen Landschaften kombiniert wurden, bestanden in der Regel aus diversen Edelhölzern oder auch anderen Materialien, wie Metalle, Bein oder Perlmutt. Während die einzelnen Teile einer Intarsie direkt auf ihrem hölzernen Untergrund aufgebracht werden, entsteht das Bild einer Marketerie gesondert und wird dann im Ganzen auf das Möbelstück übertragen.

Zu den Meistern unter den vielen begabten Ebenisten ihrer Epoche zählten Abraham und David Roentgen, die beiden Bernards van Risenburghs, Martin Carlin, Jean-François Oeben sowie dessen Schüler Jean-Henri Riesener. Die beiden Letztgenanten erschufen auch eines der bedeutendsten Möbelstücke im Louis XV-Stil, das Bureau du Roi, jener Zylindersekretär Louis' XV, der auch heute noch im Schloss von Versailles zu sehen ist. Die Anfertigung des mit Marketerie verzierten Schreibtisches hatte ganze zehn Jahre gedauert.

Links: J. H. Riesener/J. F. Oeben, Secrétaire, ca. 1763-68 (Foto: Christie's) Rechts: M. Carlin, Kommode mit Dekor aus Sèvres-Porzellan, ca. 1776 (Foto: Christie's) Links: J. H. Riesener/J. F. Oeben, Secrétaire, ca. 1763-68 (Foto: Christie's) Rechts: M. Carlin, Kommode mit Dekor aus Sèvres-Porzellan, ca. 1776 (Foto: Christie's)

Gegen Ende der Herrschaft Louis' XV begann sich der Geschmack seiner Zeitgenossen allmählich zu verändern. Zu "goût chinois" und "goût japonais" gesellte sich der "gout à la grècque" hinzu, also jener Stil, der sich an der Kunst des antiken Griechenland orientierte und schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Klassizismus und Empire seinen Höhepunkt finden sollte.

Links: David Roentgen, Zylinderbureau, ca. 1776-79 (Foto: Christie's) Rechts: F. Foliot, Bergère, 1780/81 (Foto: Christie's) Links: David Roentgen, Zylinderbureau, ca. 1776-79 (Foto: Christie's) Rechts: F. Foliot, Bergère, 1780/81 (Foto: Christie's)

Zunächst vermischten sich jedoch noch die Elemente des chinesischen und des griechischen Stils. Die daraus entstandene Mischung wird daher auch als Transitions-Stil, also "Übergangsstil", bezeichnet. Der Transitions-Stil beherrschte den Großteil der als Louis XVI bezeichneten Stilepoche im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts.

Links: J. H. Riesener, Kommode, 1778 (Foto: Christie's) Rechts: N. Petit, Secrétaire "à abattant", um 1775/80 (Foto: Koller) Links: J. H. Riesener, Kommode, 1778 (Foto: Christie's) Rechts: N. Petit, Secrétaire "à abattant", um 1775/80 (Foto: Koller)

Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle, das weniger die namengebenden Monarchen die großen Förderer ihrer jeweiligen Stilepoche waren, als vielmehr die Damen an ihrer Seite. Prägend für den zarten Rokokostil des Louis XV war die berühmte Maitresse des Königs, Madame de Pompadour, die Kunst und Kunsthandwerk im großen Stil förderte. So gründete sie auch die Königliche Porzellanmanufaktur in Sèvres. Und statt dem Namen des letzten Königs des Ancien Régime sollte der Louis XVI-Stil besser den Namen von dessen Gemahlin Marie Antoinette tragen, die zu einer der besten Kundinnen der Ebenisten von Paris zählte.

A. Weisweiler/P. P. Thomire (attr.), Lackkommode und -secrétaire, spätes 18. Jh. (Foto: Sotheby's) A. Weisweiler/P. P. Thomire (attr.), Lackkommode und -secrétaire, spätes 18. Jh. (Foto: Sotheby's)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging nicht nur die Monarchie in Frankreich zu Ende, sondern auch die dekorativen Schnörkel des Rokoko. 1784 läutete Jacques-Louis David mit seinem Gemälde Der Schwur der Horatier endgültig den Siegeszug des Klassizismus ein. Im Zuge der Französischen Revolution, die die Ideale einer griechischen Demokratie feierte, ging diese Entwicklung weiter. Die nachfolgenden Jahren des Directoire (1795-99) nahmen die prägenden Stilmittel des Klassizismus bereits vorweg.

Links: A. Weisweiler/P. P. Thomire (attr.), Schreibtisch, Ende 18. Jh. (Foto: Christie's) Rechts: Fauteuil des Directoire, Ende 18. Jh. (Foto: Christie's) Links: A. Weisweiler/P. P. Thomire (attr.), Schreibtisch, Ende 18. Jh. (Foto: Christie's) Rechts: Fauteuil des Directoire, Ende 18. Jh. (Foto: Christie's)

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