Noch heute erzielen diese Ostereier Spitzenpreise bei Auktionen, wie zwei Beispiele von Christie's belegen.

2007 wurde ein Fabergé-Ei aus rosa Emaille für einen Zuschlagpreis von fast 9 Millionen GBP verkauft. Das Ei verfügt neben aufwendigen Goldverzierungen über eine Uhr sowie einen automatischen Mechanismus, bei dessen Betätigung aus dem Ei ein Hahn hervorspringt.

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2002 wechselte für beinahe 10 Millionen USD ein kristallenes Fabergé-Ei den Besitzer. Im Inneren des Eis befindet sich ein herausnehmbares Blumenkörbchen aus Platin und Diamanten mit fein gearbeiteten Blumen aus Halbedelsteinen. Dieses Ei schenkte Zar Nikolaus II. seiner Mutter zu Ostern 1913. Es war das teuerste der Eier, die der Zar beim Hause Fabergé bestellte.

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Genauso faszinierend wie die Pretiosen der Firma Fabergé ist auch die Geschichte der Familie, die hinter dem Ganzen steht. Ein wenig verwundern mag es, dass das Städtchen Schwedt – an der Oder in Brandenburg gelegen – Teil dieser interessanten Geschichte ist. Doch es ist nur allzu wahr.

Ihren Ursprung hat die Juwelierdynastie in der nordfranzösischen Picardie. Die damals noch den Namen Favrie führende Familie war protestantischen Glaubens. Dies wurde 1685 zum Problem, als König Ludwig XIV. von Frankeich das von seinem Großvater erlassene Edikt von Nantes, welches den französischen Protestanten – Hugenotten genannt - freie Glaubensausübung gestattete, wieder aufhob. Viele hugenottische Familien mussten, wenn sie nicht zum Katholizismus konvertieren wollten – ihre Heimat verlassen. So auch die Familie Favrie.

Das protestantische Brandenburg wurde ihre neue Heimat und blieb es auch für mehr als 100 Jahre. Der Familienname veränderte sich im Laufe der Zeit: Aus Favry wurde Fabri, dann Fabrier und schließlich Fabergé. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es in Schwedt einen Tabakpflanzer namens Jean Favri. Doch war Schwedt nicht dazu bestimmt, dauerhaft die Heimat der Familie zu sein. Weiter ging es nach Pärnu in Livland (damals Teil des Russischen Kaiserreiches, heute Estland). Dort ist um 1800 ein Kunsthandwerker mit Namen Pierre Favry nachweisbar. Er änderte seinen Namen in Peter Fabrier. Mit seinem Sohn, dem 1814 geborenen Gustav, begann schließlich der Aufstieg der Familie.

Gustav (jetzt mit dem Nachnamen Fabergé) ging nach St. Petersburg und eröffnete dort 1842 ein Juweliergeschäft. Er heiratete die dänische Künstlertochter Charlotte Jungstedt. 1846 kam der erste Sohn, Peter Carl, zur Welt. 1862 ein weiterer: Agathon. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Gustav Fabergé bereits zur Ruhe gesetzt. Er überließ das Geschäft in St. Petersburg zuverlässigen Mitarbeitern und zog mit seiner Familie nach Dresden. Peter Carl begann sich auf die Nachfolge seines Vaters vorzubereiten.

Im Alter von 18 Jahren reiste Peter Carl durch Europa und sammelte Eindrücke in Museen und bei verschiedenen Goldschmieden. 1872 kehrte er nach St. Petersburg zurück, heiratete Augusta Julia Jacobs und übernahm das Geschäft seines Vaters. Peter Carl arbeitete nebenbei auch in der Eremitage, der berühmten Kunstsammlung des Zarenhofes, und katalogisierte die dortigen Objekte, die ihn zur Anfertigung von Schmuckstücken im altrussischen Stil inspirierten. Diese Arbeiten kamen bei der russischen Oberschicht gut an und schließlich wurde auch Zar Alexander III. auf den talentierten Juwelier aufmerksam. 1885 gab er das erste Fabergé-Ei in Auftrag, um es an Ostern seiner Gemahlin Maria Fjodorowna zu verehren. Die Idee kam so gut an, dass der Zar nun jedes Jahr ein Ei bei Fabergé bestellte. Auch sein Sohn und Nachfolger Nikolaus II. führte diese Tradition fort. Er bestellte allerdings zu jedem Osterfest zwei Eier: Eines für seine Mutter und eines für seine Frau Alexandra Fjodorowna. Insgesamt wurden fünfzig dieser grandiosen Ostereier von Fabergé an den Zarenhof geliefert. Das letzte 1916. Dieses Ei nahm die Zarin-Mutter mit, als sie während Oktoberrevolution aus Russland fliehen musste. Die übrigen wurden ab den 1920er Jahren in den Westen verkauft. Von vierundvierzig Eiern ist der Verbleib bekannt.

Auch Carl Fabergé musste 1917 Russland verlassen. Seine Geschäftsanteile verkaufte er an seine Angestellten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Haus Fabergé etwa 150.000 Schmuckobjekte hergestellt. Carl Fabergé starb 1920 in Lausanne.

Nun führten seine Söhne Eugène und Alexander das Unternehmen weiter. Die Herstellung der Ostereier nach Fabergé-Tradition wurde erst 1989 wieder aufgegriffen als die Juwelenmanufaktur Victor Mayer in Pforzheim die nötige Lizenz erwarb, welche es bis 2009 innehatte. Eier aus dieser Zeit sind immer wieder im Handel und auf Auktionen erhältlich.

Dieses Musik-Ei mit Uhr (limitierte Auflage von 12 Stück) wurde im Schweizer Auktionshaus Antiquorum 2011 für 98.500 CHF (90.900 EUR) versteigert.

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Im vergangenen Jahr wechselte dieses grün emaillierte Präsentationsei im Wiener Auktionshaus Dorotheum für 2.375 EUR den Besitzer.

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Fabergé inspirierte auch immer wieder andere Juweliere, wertvolle Ostereier anzufertigen. Auch schon zu Lebzeiten Carl Fabergés. Das folgende Exemplar aus dem Jahr 1891 mit dem kaiserlichen Doppeladler kann am 19. März im Stuttgarter Auktionshaus Eppli ersteigert werden. Der Aufrufpreis liegt bei 440 EUR.

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Auch das folgende mit Cloisonné verzierte Osterei aus Russland ist im Auktionskatalog des 19. März bei Eppli aufgeführt. Es stammt aus dem 20. Jahrhundert und startet mit einem Aufrufpreis von 360 EUR.

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Aktuell ist das Haus Fabergé wieder selbst für das Design, die Herstellung sowie den Vertrieb seiner Objekte verantwortlich. Die aufregende Reise der berühmten Ostereier aus dem Hause Fabergé dauert also noch immer an. Und wer hätte gedacht, dass eine Etappe auf dieser Reise, das brandenburgische Schwedt an der Oder gewesen ist?

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